KompressionsstrümpfeFoto: Tour

Gesundheit Kompressionsstrümpfe

Unbekannt

 9/5/2011, Lesezeit: 2 Minuten

Soll man als über 70jähriger Radfahrer beim Training auch Kompressionsstrümpfe tragen? Unser Experte Dr. Eifler erklärt Vor- und Nachteile.

Frage von Dieter S.: Ich bin 78 Jahre alt, davon mehr als 60 Jahre im Radsport aktiv. Ich trage Stütz-Kniestrümpfe. Soll ich sie auch während des Trainings tragen, oder genügt es auch, sie vor und/oder nach dem Training anzuziehen?

  Dr. Robert Eifler ist BDR-Verbandsarzt und betreut als Spezialist für Leistungsdiagnostik und Innere Medizin Sport- und Rehaprogramme im „Fital Hotel“ Höchenschwand im Schwarzwald
Dr. Robert Eifler ist BDR-Verbandsarzt und betreut als Spezialist für Leistungsdiagnostik und Innere Medizin Sport- und Rehaprogramme im „Fital Hotel“ Höchenschwand im Schwarzwald

Dr. Robert Eifler: In den vergangenen Jahren kam die Kompressionstherapie der Beine nicht nur bei Venenleiden, sondern auch für gesunde Sportler in Mode. Zunächst haben Läufer sie benutzt, inzwischen sind auch manche Radsportler mit Kompressionsstrümpfen zu sehen.

Zur Funktion: Das sauerstoffarme venöse Blut aus der Beinmuskulatur fließt übers Venensystem und das rechte Herz in die Lungen zurück. Die Venen haben im Gegensatz zu den Arterien keine kräftige Wandmuskulatur, die daher den Rückstrom des Blutes nicht gewährleisten kann. So sind dafür andere Mechanismen zuständig: zum einen der Druck durch die arbeitende Skelettmuskulatur, welche die Venen umgibt. Zum anderen durch Venenklappen, die das Zurückströmen verhindern. Ist das Lymph- oder Venensystem geschädigt (Krampfadern) funktioniert das nicht mehr: Das Blut staut sich in den Beinen, Flüssigkeit tritt aus den Venen oder dem Lymphsystem ins Gewebe, die Beine schwellen an.

Die Kompressionsstrümpfe bauen Gegendruck auf, der die oberflächlichen Venen komprimiert und dadurch den Rückfluss fördert. Auch ein sehr hoher Muskeltonus, wie er in hohen Gängen oder beim Bergfahren entsteht, leitet das Blut vorwiegend über die tieferen Unterhautvenen zurück, was zu einer Erweiterung der oberflächlichen Venen führen kann. Man geht daher davon aus, dass Kompressionsstrümpfe unter Belastung und in der anschließenden Regeneration vorteilhaft sind. Es ist zu empfehlen, sie vor dem Training zu tragen, wenn man lange stehen oder sitzen muss, also zum Beispiel bei der Arbeit im Büro oder Laden. Oder tagsüber, wenn man abends trainiert. Das gilt vor allem für Sportler mit geschädigtem Venensystem, also Krampfadern, oder nach Thrombosen.

Ob man die Strümpfe dann beim Training anzieht, ist auch eine Frage des Geschmacks – hilfreich ist es wohl. Wenn man liegt, muss man die Strümpfe jedoch im Normalfall nicht tragen, da der Rückfluss des Blutes dann weniger problematisch ist.