Knieprobleme

Unbekannt

 · 05.08.2003

KnieproblemeFoto: TOUR

Ob Knorpelerweichung, Jumper's oder Runner's Knee - hier finden sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zu einer der Haupt-"Problemzonen" von Radfahrern, dem Knie.

Knirschen im Kniegelenk

Frage:

Nach zwölf Jahren Radfahren als Leistungssport habe ich nun ständig leichte Schmerzen und stark knirschende Geräusche im Knie. Wie kann ich meine Gelenke regenerieren, um schmerzfrei weiter Rad zu fahren?

Antwort von Dr. Merkl:

Ihr Krankheitsbild kommt bei Radsportlern häufig vor, da die Tretkraft des Oberschenkels über die Kniescheibe nach unten weitergeleitet wird. Das belastet den Knorpel, der die Kniescheibe überzieht und kann zu seiner Beschädigung führen. Meist sind Verletzungen, fehlerhafter Bewegungsablauf, Überlastungen oder angeborene Deformation die Ursache. Leider wächst verschlissener Knorpel nicht nach. Im Gegensatz zur Muskulatur passen sich Knorpel, Sehnen und Bänder nur langsam an Trainingsreize an. Probieren Sie doch Folgendes:
Zur Vorbeugung können Sie folgendes tun:

* Reduzieren Sie den Trainingsumfang und vermeiden Sie zu starke Belastungen.
* Fahren Sie mit hoher Trittfrequenz und wenig Druck.
* Legen Sie ausreichende Regenerationsphasen ein.
* Tragen Sie bei Kälte Kniewärmer, da das Kniegelenk nur ungenügend mit Unterhautfett isoliert ist.
* Überprüfen und korrigieren Sie ggf. die Position auf dem Fahrrad!

Nicht zu weit hinten, zu tief oder zu hoch sitzen; bei senkrechter Kurbelstellung sollte das Kniegelenk der gestreckten Beins noch fünf Grad zur kompletten Streckung haben. Korrigieren Sie ggf. die Stellung der Pedalplatte – die Füße sollten möglichst parallel zum Kettenblatt stehen, die Ballenmitte (Großezehengrundgelenk) sollte über der Pedalachse zu Stehen kommen.
* Benutzen Sie Pedale mit seitlicher Bewegungsfreiheit
* Dehnen Sie die hintere Oberschenkelmuskulatur häufig und gut. Deren Verkürzung führt zu verstärkter Anspannung der vorderen Muskulatur und dadurch zu einer Ernährungsstörung des rückwärtigen Kniescheibenknorpels. Unterstützend können Sie Knorpelaufbau-Präparate wie Gelatine einnehmen. Ein zerstörter Knorpel kann zwar nicht wieder aufgebaut, aber stabilisiert werden. (Für Extremfälle gibt es mittlerweile in Spezialkliniken neue Therapieformen mit aus einzelnen Knorpelzellen nachgezüchtetem Knorpelgewebe).

Schmerzende Knie nach Winkeländerung/Jumper’s Knee

Frage:

Beim Wintertraining habe ich versucht, durch eine Winkelkorrektur der Pedalplatten die Kraftübertragung zu verbessern. Seither habe ich Schmerzen an der Außenseite beider Knie. Auch die Rückstellung der Pedale und die Verwendung von Körbchenpedalen brachte keine Linderung. Was soll ich tun?

Antwort von Dr. Merkl:

Ihr Problem scheint ein Patellaspitzen-Syndrom oder "Jumper’s Knee" zu sein. Die Sehne am Knochenansatz der Kniescheibe ist dabei entzündet Der Sehnen-Knochenübergang – hier zwischen Kniescheibe und Patellasehne – ist grundsätzlich ein Problembereich. Es kann hier leicht durch Überlastung oder durch Fehlbelastungen zu Reizungen und Entzündungen kommen. Für hilfreich halte ich es, noch weiter an der Umstellung der Sitzposition zu arbeiten. Physiotherapeutisch helfen Krankengymnastik mit Querfriktion (Massage) des Sehnenansatzes, lokale Infiltrationen sowie therapeutische Lokalanästhesie, Akupunktur und physikalische Maßnahmen. Bei 70 bis 80 Prozent der schweren Fälle habe ich auch mit der Stoßwellentherapie Erfolge erzielt: Mit der Energie des Nierensteinzertrümmerers wird der Sehnenansatz gezielt beschossen. Ansonsten gelten die unter der Frage "Knirschen im Kniegelenk" genannten Abhilfe- und Vorbeugemaßnahmen.

Eingeklemmter Meniskus

Frage:

Nach einer intensiven Ausfahrt habe ich mich im Schneidersitz auf den Boden gesetzt. Dabei durchzuckte ein stechender Schmerz mein Knie, der schnell wieder nachlie. Beim Training bemerke ich aber ein leises "Knurpsen" im Knie, das nicht schmerzt, mich jedoch beunruhigt. Was kann da passiert sein?

Antwort von Dr. Merkl:
Ihre Schilderung legt nahe, daß ein Meniskusanteil zwischen Oberschenkelrolle und Schienbeinkopf eingeklemmt wurde. Das führt zu heftigen Schmerzen. Ist der Meniskus nicht beschädigt, können Sie jedoch nach einigen Wochen das Knie wieder voll belasten. Häufig tritt eine solche Einklemmung jedoch in Zusammenhang mit einer Knorpelschwäche der rückseitigen Kniescheibe auf. Dadurch entsteht das von Ihnen geschilderte "Knurpsen" (siehe dazu die bei der Frage "Knirschen im Kniegelenk" genannten Empfehlungen).

Zyste im Knie

Frage:

Meine Frau hat nach einer Meniskusoperation eine Zyste im Knie. Trotz Einnahme verschiedener Medikamente und sportlicher Betätigung (Radfahren, Wandern, Schwimmen) wird die Zyste immer größer. Was kann sie tun?

Antwort von Dr. Merkl:

Eine Zyste in der Kniekehle wird als sogenannte "Bakerzyste" bezeichnet. Ursache ist eine verstärkte Flüssigkeitsproduktion im Kniegelenk, die durch eine Störung im Gelenkinneren verursacht wird. Grund dafür kann ein Knorpelschaden sein, der durch eine Verletzung oder eine mangelhafte Regeneration verursacht wurde. Die Flüssigkeit drückt in die Kniekehle und ist dort als wechselnd große Schwellung tastbar. Wichtig ist, dass Ihr Arzt die Ursache der Störung feststellt und beseitigt. Eine mechanische Irritation kann nur operativ, eine rheumatologische nur medikamentös angegangen werden. Trainieren sollte sie nur so lange und so hart, wie es ohne Schmerzen möglich ist.

Verdrehtes Knie

Frage:
Vor fast zwei Jahren musste ich bei einer Trainingsausfahrt plötzlich bremsen und kam nicht aus dem Pedal. Dabei habe ich mir das Knie verdreht. Seither habe ich ständig Beschwerden am rechten äußeren Knie. Können Sie mir helfen?

Antwort von Dr. Merkl:

Es handelt sich bei Ihnen vermutlich um eine Funktionsstörung des Wadenbeinköpfchens, das sich durch eine abrupte Bewegung verhaken kann. Im Vordergrund der Therapie sollte eine Infiltrationsbehandlung in das betroffene Gelenk stehen. Darüber hinaus sollte durch manuelle Physiotherapie und durch Dehngymnastik die Beweglichkeit des Gelenks wiederhergestellt werden. Außerdem würde ich Ihnen empfehlen, Ihre Sitzposition auf dem Rad so zu korrigieren, daß Sie beschwerdefrei fahren können.

Wenn die Sehne am Knie zwickt/Runner’s Knee

Frage:
Nachdem ich mein Training stark gesteigert habe, schmerzt nun eine Sehne hinten im Oberschenkel. Ich konnte zwar Laufen, hatte aber immer starke Schmerzen, wenn ich aufs Fahrrad gestiegen bin. Woher stammt das Problem und was kann ich dagegen tun?

Antwort von Dr. Merkl:

Dieses Problem ist bei Ausdauersportlern weit verbreitet und heißt auch "Läuferknie" (Runner’s Knee), tritt aber auch häufig bei Radsportlern auf. Es handelt sich um eine Funktionsstörung am Fibulaköpfchen (dem Sehnenansatz am oberen Ende des Wadenbeins) bei gleichzeitiger Verkürzung des Bizeps femoris (das ist ein Muskel an der Rückseite des Oberschenkels, der unten am Wadenbein ansetzt). Durch den verkürzten Muskel entsteht eine große Spannung am Sehnenansatz. Bei akuten Beschwerden empfehle ich Krankengymnastik, bei das Fibulaköpfchen mobilisiert und die Ischiocruralmuskulatur (die über das Gesäß und hintere Oberschenkel laufenden Muskelstränge) gedehnt werden sollen. Oft stammen die Beschwerden von einer Fehlstellung von Fuß und Bein beim Radfahren. Deshalb empfehle ich, auch in den Radschuhen Einlagen zu verwenden (diese kann ein Orthopädie-Techniker in den Schuh einarbeiten) und die Stellung der Pedalhaken bzw. -platten auf Verträglichkeit zu überprüfen.

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