Gesundheit

Hormone/Stoffwechsel

Unbekannt

 · 07.08.2003

Hormone/StoffwechselFoto: TOUR

Hier finden Sie Fragen zu Hormonen und Stoffwechsel: zu Schilddrüsenüberfunktion, Testosteron, Cholesterin und Diabetes.

Schilddrüsenüberfunktion

Frage:

Ich habe eine vergrößerte Schilddrüse mit einer Überfunktion. Mein Blutdruck steigt bei Belastung überdurchschnittlich an, im Ruhezustand habe ich normale Werte. Mein Arzt erbittet jetzt von Nuklearmedizinern Therapievorschläge. Auf jeden Fall riet er mir von jeglicher sportlichen Betätigung ab. Meine maximale Herzfrequenz liegt bei 202, in den Pulsbereich 120 bis 140 bin ich auch nach monatelangem Training nie gekommen, sondern lag immer darüber. Mein Arzt sagte zu mir, das hinge mit der Überfunktion der Schilddrüse zusammen. Stimmt das, und darf ich wirklich keinen Sport mehr treiben?

Antwort von Dr. Merkl:

Schilddrüsen-Überfunktion ist eine krankhafte Überproduktion von Schilddrüsenhormonen, die zu einem verstärkten Abbau von Eiweiß und Kohlehydraten sowie einem gesteigerten Grundumsatz im Fettstoffwechsel führt. Bei diesem Krankheitsbild werden praktisch alle Zellen des Körpers teilweise fundamental beeinträchtigt, was sich auch auf andere Zellfunktionen auswirkt. Für den Patienten ist im allgemeinen ein Sportverbot so lange auszusprechen, bis sich die unausgeglichene Stoffwechsellage wieder normalisiert hat. Neben einer medikamentösen ist vor allem eine operative Therapie mit einem Spezialisten zu diskutieren. Diese verspricht mit 90prozentiger Sicherheit einen langfristigen Erfolg, sodass Sie bald wieder Radsport treiben können.

Testosteron

Frage:

Ich habe gelesen, dass der körpereigene Testosteronspiegels durch Langzeit-Ausdauertraining angeblich abfällt. Ist es ratsam, ihn durch Präparate ggf. wieder anzuheben?

Antwort von Dr. Merkl:

Nein, denn dabei handelt es sich um Doping – ein Arzt riskiert seine Zulassung, wenn er derartige Präparate in so einem Fall verschreiben würde, ein Sportler seine Gesundheit. Testosteron wirkt auf die Geschlechtsmerkmale und begünstigt den Eiweißaufbau in der Skelettmuskulatur. Bei bestimmten Anämieformen (Mangel an roten Blutkörperchen) oder bei Muskelschwund hat man sich diese Wirkung zu Nutze gemacht. Im Sport missbrauchen viele Anabolika als trainingsbegleitende Maßnahme. Zwar wächst die Skelettmuskulatur durch erhöhte Flüssigkeitseinlagerung und das Gewicht nimmt zu – nicht zwingend aber damit auch die Kraft. Die für den Radsportler wichtigste Erkenntnis: Anabolika bewirken keinen Zuwachs der Ausdauer-Leistungsfähigkeit. Dagegen zeigen sich Akne, Haarausfall, Brustentwicklung bei Männern und Kindern, Vergrößerung der Klitoris und tiefe Stimme bei Frauen, zudem zunehmende Aggressivität. Außerdem sind Leberschäden nicht auszuschließen und die Herzinfarktgefahr steigt. Neueste Untersuchungen legen auch eine krebserregende Wirkung nahe, da Anabolika das Immunsystem schwächen.

Cholesterin

Frage:

Wie wirkt sich Radsport auf meinen Cholesterinspiegel aus? Kann ich durch regelmäßiges Training meinen Cholesterinwert senken?

Antwort von Dr. Merkl:

Der Transport von Fetten und fettähnlichen Stoffen im Blut erfolgt in Form von Lipoproteinen, Fetteiweißverbindungen. Diese enthalten unter anderem Cholesterin. Erhöhte Cholesterinwerte tragen zur Gefäßverkalkung bei und gehören somit zu den Risikofaktoren schwerer Herz- Kreislauferkrankungen. Menschen mit einem Wert von mehr als 260 Milligramm Cholesterin pro Deziliter Blut haben ein stark erhöhtes Risiko, an Angina Pectoris oder Herzinfarkt zu erkranken. Ein Wert von unter 200 Milligramm pro Deziliter gilt als gesund. Bei hohem Cholesterin sollte zuallererst auf eine fettarme Diät geachtet und das Körpergewicht normalisiert werden. Zusätzlich gibt uns das Radsporttraining im Grundlagenbereich (unter 65 Prozent der maximalen Leistungsfähigkeit über mehrere Stunden) die Möglichkeit, das die Gefäßverkalkung fördernde "schlechte" LDL (Low-Density)-Cholesterin zu senken und das die Gefäße schützende "gute" HDL (High-Density)-Cholesterin zu erhöhen. Auf die Leistungsfähigkeit hat Cholesterin keinen Einfluss.

Diabetes

Frage:

Ich bin an Diabetes Typ I erkrankt. Längere Ausdauerfahrten speziell mit größeren Belastungen kann ich nicht mehr unternehmen, weil ich immer wieder Probleme mit der Insulin-/BE-Anpassung habe. Entweder befinde ich mich im Unterzucker oder die Werte steigen nach der Belastung extrem an. Was können Sie mir für mein Radtraining empfehlen?

Antwort von Dr. Merkl:

Bei der Gruppe der Typ I-Diabetiker ist die Insulinproduktion des Körpers vollständig gestört, die Patienten sind von Insulininjektionen abhängig. Für diese Gruppe ist es schwierig, Ausdauersport zu treiben. Der Zuckerspiegel muss optimal eingestellt sein – in Zusammenarbeit mit einem diabetes-erfahrenen Arzt. Bei kurzen Belastungen (bis zu einer Stunde) rate ich Ihnen, die Dosis an Kohlenhydraten zu steigern. Die Insulinspritze sollten Sie auf die Zeit nach der Belastung und der folgenden Blutzuckerkontrolle verschieben. Bei langen Fahrten empfehlen Fachleute verstärkte Zufuhr von Kohlenhydraten sowie die Reduzierung der Insulindosis (vor und nach der Belastung um 30 bis 50 Prozent). Bei hohen Bluxtzucker-Werten vor dem Training verbieten sich lange Ausfahrten. Außerdem sollte ein erfahrener Trainingspartner dabei sein, der die Gefahr von Unterzucker kennt, um im Fall einer möglichen Bewusstlosigkeit schnell reagieren zu können. Schnell aufnehmbare Kohlenhydratlösungen oder die Injektion einer Ampulle Glukagon, die Sie im Training dabei haben sollten, sind schnelle Retter. Auch nach der ersten Notversorgung sollte immer weiter Zucker gegessen werden.