Gesundheit Blutspende

Unbekannt

 · 07.08.2003

BlutspendeFoto: TOUR

Beim Thema Blut treten Fragen zu Blutspende, Hämatokritwert und Blutgerinnung auf.

Blutspende

Frage:

Ich bin leidenschaftlicher Marathon-Fahrer und plane die Teilnahme an einer großen Fernfahrt. Kann ich mir erlauben, davor Blut zu spenden? Wie lange dauert es, bis der Körper die entnommene Blutmenge von etwa einem Liter neu gebildet hat? Wie stark ist die Leistungseinbuße in der Zwischenzeit?

Antwort von Dr. Merkl:

Spätestens seit der EPO-Diskussion ist jedem Radfahrer bekannt, daß die roten Blutkörperchen einen entscheidenden Einfluß auf die Ausdauerleistung haben. Grund ist die Funktion dieser Blutkörperchen, den Sauerstoff von der Lunge in die arbeitende Muskulatur zu transportieren. Je mehr Sauerstoff an die arbeitende Muskulatur gelangt, desto leistungsfähiger ist der Organismus. Nach Untersuchungen des Sportmediziners Professor Bodo Hollmann war die maximale Sauerstoffaufnahme 72 Stunden nach einer Blutentnahme von 430 Millilitern wiederhergestellt. Bei einer anderen Untersuchung wurde nach einer Entnahme von 900 Millilitern Blut eine Reduzierung der Sauerstoffaufnahme um 12 Prozent festgestellt. Allgemein kann man jedenfalls sagen, daß die letzte Blutspende spätestens vier Wochen vor dem geplanten sportlichen Einsatz stattfinden sollte. Die Einnahme eines Eisenpräparats kann die Blutbildung fördern.

Hämatokrit-Wert

Frage:

Ist die Festlegung des Hämatokrit-Werts durch die UCI auf 50 Prozent eigentlich wissenschaftlich gesichert? Auf den Laborberichten von den Blutbildern, die ich von Zeit zu Zeit bei meinem Hausarzt machen lasse, geht die Skala für Normalwerte bei Männern bis 54. Mein persönlicher Wert lag zuletzt bei 49,9. Dabei nehme ich ergänzend nichts zu mir als Vitamin E und Rotwein in geringen Mengen.

Antwort von Dr. Merkl:

Bei gesunden Erwachsenen liegt der Hämatokrit-Wert (=Anteil der roten Blutkörperchen an der Gesamt-Blutmenge einer Probe) zwischen 44 und 46, bei Frauen zwischen 41 und 43. Der Schwankungsbereich ist allerdings sehr individuell und von vielen äußeren Faktoren abhängig. Unter normalen Bedingungen hat ein hochtrainierter Athlet insgesamt mehr rote Blutkörperchen. Da er jedoch gleichzeitig bis zu zwei Liter mehr Flüssigkeit in seinem Kreislauf hat, kommt es eher zu einem Absinken des Hämatokritwerts als zu einem Anstieg. Höhentraining oder EPO-Einnahme heben den Wert an, wodurch sich die Ausdauer verbessert. Da die Viskosität (Dicke) des Blutes dadurch ebenfalls zunimmt, bedeutet ein höherer Hämatokritwert jedoch eine Belastung des Herzens und kann zu einer Unterversorgung der Organe führen.

Gehemmte Blutgerinnung

Frage:

Wegen einer Unterschenkelthrombose mache ich eine Therapie mit dem Medikament Marcumar. Kann ich nach der Therapie wieder längere Radtouren mit mittlerer bis hoher Intensität machen?

Antwort von Dr. Merkl:

Unter Thrombose versteht man die Bildung eines Blutpfropfs aus zusammengeballten roten Blutkörperchen. Ursachen können eine gestörte Blutströmung, eine Schädigung der Gefäßwand oder eine krankhafte Veränderung der Blutzusammensetzung sein. Das Medikament Marcumar beeinflusst die Blutzusammensetzung so, dass der Gerinnungsprozess nur noch bedingt funktioniert ("künstlicher Bluter"). Im Falle von Sturzverletzungen – wofür das Risiko beim Radsport hoch ist – kann es dann zu unstillbaren inneren und äußeren Blutungen kommen. Außerdem besteht bei großer körperlicher Anstrengung die Gefahr innerer Blutungen, insbesondere bei hohem Blutdruck. Unter dem Einfluss von Marcumar sollten Sie daher nur locker und auf dem Ergometer trainieren. Wenn Sie das Medikament jedoch abgesetzt haben, sehe ich Fahrradfahren als wirksame Vorbeugung gegen Thrombosen. Denn Ausdauertraining führt zur relativen Verdünnung des Blutes, zudem verbessert die Arbeit des Muskels den Blutstrom.