Gesundheit Atembeschwerden beim Rennradfahren

Unbekannt

 · 22.04.2013

Atembeschwerden beim RennradfahrenFoto: Ronny Kiaulehn

Druck auf der Brust kann viele Ursachen haben. Im Fall von TOUR-Leser Clemens N. handelt es sich um Belastungsasthma und Heuschnupfen. Unsere Expertin Dr. Mayr gibt Auskunft zur Linderung der Beschwerden.

Frage von Clemens N.: Beim Rennradfahren verspüre ich in den ersten 30 Minut en leichten Druck auf der Brust, der meist wieder v erschwindet. Problematisch wird es am nächsten Tag: Schon bei der kleinsten Steigung machen die Bronchien dicht. Es bildet sich Schleim und ich röchle nur noch. Die Untersuchung beim Lungenfacharzt ergab, dass ich an Belastungsasthma leide, hervorgerufen auch durch meinen Heuschnupfen. Seitdem versuche ich, mit zwei Stößen krampflösendem Spray vor dem Losfahren und einer Langzeittherapie mit einem Kortison-Spray die Beschwerden in den Griff zu bekommen – leider ohne ausreichenden Erfolg. Haben Sie einen Rat?

Empfehlung von Dr. Susanne Mayr: Man muss zwischen zwei Aspekten unterscheiden: einerseits dem bei Anstrengung akut auftretenden Belastungsasthma, andererseits der damit verbundenen längerfristigen Entzündungsreaktion der Bronchien. Diese geht mit der übermäßigen Bildung von zähem Schleim einher, medizinisch als Dyskrinie bezeichnet. Sie hält etwa 24 Stunden an und ist nicht vorbei, wenn die Bronchien mit krampflösendem Spray erweitert wurden. Dieser ist daher eher als Notfallmedikament zu sehen. Da er die Symptome nur unterdrückt, aber nicht therapiert, sollten Sie ihn nicht routinemäßig und langfristig einsetzen.

Wichtig wäre dagegen eine grundlegende und systematische Therapie der asthmatischen Beschwerden. Ein Teil davon ist die Behandlung mit Kortison, welche die Entzündung in den Bronchien lindert. Doch auch dies ist eher eine Folgemaßnahme, die andere Maßnahmen umrahmen sollten: Halten Sie mit Ihrem Lungenfacharzt oder einem Allergologen Rücksprache wegen Ihres offenbar nicht rechtzeitig und ausreichend behandelten Heuschnupfens. Eventuell ist auch jetzt noch eine Desensibilisierung sinnvoll, um dem sogenannten Etagenwechsel, der bei Ihnen stattgefunden hat, nicht weiter Vorschub zu leisten. Dabei verlagern sich die Atembeschwerden von den oberen (Nase, Hals) zu den tiefer gelegenen Abschnitten der Luftwege (Bronchien, Lungenbläschen). Die Desensibilisierung erfolgt in den Wintermonaten außerhalb der Allergie-Saisonzeiten.

Eine wichtige Maßnahme, die Sie selbst in der Hand haben, ist die passende und moderate Dosierung der sportlichen Belastung: Berücksichtigen Sie den längerfristigen Effekt großer Belastungen auf die Atemwege und geben Sie ihnen genügend Zeit, sich zu beruhigen. Bauen Sie Ihr Training so auf, dass Sie sich zu keinem Zeitpunkt überlasten. Sonst müssen sie zwangsläufig zu immer höheren Dosierungen Ihrer Medikamente greifen.

  Dr. Susanne Mayr: Sie ist Hals-Nasen-Ohren-Ärztin und führt in Erlangen eine Praxis unter anderem mit den Schwerpunkten Allergologie und Umweltmedizin.Foto: Rainer Windhorst
Dr. Susanne Mayr: Sie ist Hals-Nasen-Ohren-Ärztin und führt in Erlangen eine Praxis unter anderem mit den Schwerpunkten Allergologie und Umweltmedizin.