Anaerobe Schwelle

Unbekannt

 · 17.08.2011

Anaerobe SchwelleFoto: Hans A. Roth

Die anaerobe Schwelle beschreibt die maximale Leistung. Wie kann es sein, dass man ein Rennen über der anaeroben Schwelle fährt? Unser Experte gibt Antwort.

Frage von M. Reith: Im März 2010 machte ich (49 Jahre) im Swiss Olympic Medical Center eine Leistungsdiagnose. Sie ergab einen Maximalpuls von 184, die anaerobe Schwelle lag bei 153. Im Juli nahm ich an einem Mountainbike-Rennen teil. Dabei war mein Puls meist nicht unter 170. Nach dem Rennen, für das ich 98 Minuten benötigte, zeigte meine Pulsuhr eine Durchschnitts-Herzfrequenz von 179 und einen maximal erreichten Puls von 189 an. Verglichen mit der Diagnostik bin ich also den größten Teil der Zeit weit über meiner anaeroben Schwelle gefahren. Wie ist das möglich?

  Dr . Björn Stapelfeldt leitet das Radlabor Freiburg, das unter anderem Leistungsdiagnostik und Trainingsplanung für Radsportler anbietetFoto: privat
Dr . Björn Stapelfeldt leitet das Radlabor Freiburg, das unter anderem Leistungsdiagnostik und Trainingsplanung für Radsportler anbietet

Antwort von Dr. Stapelfeldt: Die anaerobe Schwelle ist eine Kenngröße, die auf einer physiologischen Theorie basiert. Danach steigt der Milchsäure-(Laktat)gehalt des Blutes bei einer bestimmten Belastungsintensität überproportional stark an. Die anaerobe Schwelle (ANS) beschreibt die maximale Leistung, bei welcher der Blut-Laktat-Gehalt unter Dauerbelastung gerade noch konstant gehalten werden kann. Faktisch kann man jedoch mit deutlich höheren Laktatwerten als an der ANS fahren, weil der Körper über Puffersysteme verfügt. Außerdem bedeutet Mountainbiken einen ständigen Leistungswechsel, sodass Laktat in Phasen mit geringerer Belastung aus dem Muskel abtransportiert wird. Insofern gibt die anaerobe Schwelle nicht die Dauerleistungsgrenze an, sondern den Zustand bei einer definierten Belastung.

Die Dauerleistungsgrenze hängt jedoch von der Dauer der Belastung ab: So ist sie bei einem 4-minütigen Bahnrennen höher als bei einem 60-minütigen Zeitfahren, sowohl hinsichtlich Leistung als auch Herzfrequenz. Je länger der Wettkampf dauert – ab zirka zwei Stunden – umso eher kann die ANS die Dauerleistung charakterisieren. Ihr Rennen von rund 1,5 Stunden konnten Sie daher mit einer Leistung jenseits der anaeroben Schwelle bestreiten. Insofern hatten Sie deutlich höhere Laktatwerte als an der ANS und sind das Rennen im sogenannten Entwicklungsoder Spitzenbereich gefahren.