Rennrad ErnährungTipps aus der World-Tour-Küche

Kristian Bauer

 · 10.03.2024

Rennrad Ernährung: Tipps aus der World-Tour-KücheFoto: Picture Alliance
Mosca Jacopo (Team Lidl - Trek) UAE Tour 2024
Seit 2009 ist Stephanie Scheirlynck Ernährungsberaterin in der World Tour. TOUR verrät sie wie Hobbyradsportler ihre Ernährung optimieren können.

Stephanie Scheirlynck sorgt als Ernährungscoach bei Lidl-Trek für Essen, das die Leistung und Gesundheit fördert. Im Interview verrät sie die wichtigsten Tipps.

TOUR: Was sind die wichtigsten Ernährungs-Tipps für Hobbyradsportler?

Scheirlynck: Das erste, was ich sagen würde, ist: organisiere dich ein bisschen, wenn du deine Ernährung an deine Trainingseinheiten anpassen willst. Ich glaube, du brauchst jede Woche eine halbe Stunde nur zum aufzuschreiben oder zum Planen am Computer. Ich will am Mittwoch, Samstag und Sonntag trainieren, dann muss ich dies und das kaufen, und mir das machen. Also wie ein kleiner Speiseplan.

TOUR: Was sollten die Überlegungen zu Ernährung sein?

Scheirlynck: Plane deine Mahlzeiten klug. Überlege also, wann du trainierst und wenn du zur Arbeit gehst, ist es vielleicht besser du isst Pasta zum Mittagessen oder du nimmst einen zusätzlichen Snack mit, weil du nach der Arbeit trainieren willst. Ich brauche z. B. eine Banane, und dann kann ich erst meine Trainingseinheit machen um Heißhungerattacken nach dem Training zu vermeiden. Stell sicher, dass du dein Training immer gut aufgetankt beginnst. Aber auch wenn du eine sehr gute Mahlzeit hattest, gibt es einige Trainingseinheiten, bei denen man Kraftstoff auffüllen muss. Ich würde sagen, dass du bei jedem Training, das länger als zwei Stunden dauert, Sport, Getränke und Riegel oder Bananen oder Kekse brauchst. Wenn du das tust, kommst du nach Hause und bist schon erholt, ohne dass du etwas brauchst. Und wenn es ein wirklich langes Training war, dann kannst du einen Recovery-Shake trinken.

Ernährungsberaterin bei Lidl-Trek Stephanie ScheirlynckFoto: Stephanie ScheirlynckErnährungsberaterin bei Lidl-Trek Stephanie Scheirlynck

TOUR: Also vorher essen, damit man besser trainieren kann und danach nicht reinhaut? Geplante Ernährung?

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Scheirlynck: Genau. Es sollte nicht so sein, dass du vom Training nach Hause kommst und dann anfängst, Kekse und Schokolade zu essen. Denn dann hat man wirklich das Gefühl, dass man hungrig ist und den ganzen Zucker braucht. Es sollte eher so sein, dass ich heute Lust habe, etwas zu essen. Ein Stück Schokolade, aber nicht, weil ich leer bin oder weil ich mich beim Radfahren nicht gut gefühlt habe. Nein, nein, einfach nur, weil ich Lust darauf habe, und ich will es haben.

TOUR: Ernährung vor dem Wettkampf: Was sollte man am Tag vor einem anstrengenden Rennen essen?

Scheirlynck: Gekochten Reis oder Nudeln und nicht zu viel Gemüse, nicht so viel Obst, weil es ballaststoffarm sein muss.

Ernährung beim Rennen mit Gels

TOUR: Es gibt auf dem Markt immer mehr Energie-Gels mit einer sehr hohen Kohlenhydratdichte – ist das sinnvoll?

Scheirlynck: Ja. Die wissenschaftliche Forschung zeigt, dass man im Rennen nie so viele Kalorien essen kann, wie man tatsächlich verbrennt. Das ist auch der Grund, warum man trainiert effizienter zu sein. Als ich meinen Abschluss machte, waren 60 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde das Maximum und jetzt sind wir schon bei 120 Gramm Kohlenhydraten. Das ist also die doppelte Menge an Energie, die man zu sich nehmen kann. Das ist ein großer Unterschied. Wenn sie das trainieren und verdauen und aufnehmen können und jemand anderes nicht, dann macht es einen riesigen Unterschied am Ende eines Rennens von fünf oder sechs Stunden Vollgas. Jeder sollte sich im Training darauf vorbereiten so viel Energie wie möglich zu absorbieren.

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