Raus aus der Zucker-AchterbahnHeißhunger, unreine Haut und Stimmungstiefs

BIKE Magazin

 · 22.02.2026

Raus aus der Zucker-Achterbahn: Heißhunger, unreine Haut und StimmungstiefsFoto: Storychief/D. Lehner
Grund allen Übels? Sogenannte Blutzucker-Spikes sollen uns krank machen, schneller altern lassen, dick werden und unfit.
Heißhunger, unreine Haut und Stimmungstiefs haben oft weniger mit „Zucker“ an sich zu tun als mit den starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels – so sehen es viele Expertinnen und Experten. In ihrem Buch „Der Glukose-Trick“ zeigt die Biochemikerin Jessie Inchauspé, wie sich Glukose-Spitzen im Alltag gezielt reduzieren lassen. Mit einfachen, alltagstauglichen Regeln kannst du so deinen Blutzucker stabilisieren und langfristig Wohlbefinden sowie Gesundheit unterstützen.

Die unsichtbare Achterbahn im Blut

Jede Zelle unseres Körpers lebt von Glukose. Doch zu viel davon auf einmal ist problematisch. Wenn der Blutzucker steil ansteigt – ein sogenannter Glukose-Spike –, folgt unweigerlich der Absturz. Das Ergebnis: Müdigkeit, Heißhunger, Reizbarkeit.

Noch gravierender sind die langfristigen Folgen. Überschüssige Glukose fördert die sogenannte Glykation – ein Prozess, bei dem Zuckermoleküle Eiweiße und andere Strukturen im Körper dauerhaft schädigen. Fruktose wirkt dabei sogar zehnmal aggressiver als Glukose. Je höher und häufiger die Spitzen, desto größer der Schaden.

Insulin hat deshalb nur eine Aufgabe: überschüssige Glukose möglichst schnell aus dem Blut in Speicher zu transportieren. Dauerstress für den Körper.



Die richtige Reihenfolge entscheidet

Inchauspés vielleicht simpelster – und wirkungsvollster – Tipp: Iss deine Mahlzeiten in der richtigen Reihenfolge.

  1. Zuerst Gemüse und Ballaststoffe.
  2. Dann Proteine und Fette.
  3. Zum Schluss Stärke und Zucker.

Ein Salat vor dem Hauptgang wirkt wie ein Schutzschild. Ballaststoffe verlangsamen die Aufnahme von Glukose, die Kurve bleibt flacher. Auch Obst sollte ans Ende einer Mahlzeit rutschen – nicht als Snack auf nüchternen Magen.

Frühstück: Der unterschätzte Fehler

Morgens reagiert unser Körper besonders sensibel auf Zucker. Ein süßes Frühstück aus Cornflakes, Müsli oder Saft sorgt für einen frühen Spike – und ein Energieloch noch vor Mittag.

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Die bessere Wahl: Eiweiß, gesunde Fette, Ballaststoffe. Also Eier, Joghurt, Nüsse, Gemüse. Das hält länger satt und stabilisiert die Energie.

Orangensaft? Lieber als Dessert betrachten. Schon ein Glas kann die empfohlene Tageszuckermenge überschreiten. Ganzes Obst bleibt die beste Art, Zucker zu essen. Es enthält Ballaststoffe und sättigt schneller.

Drei Äpfel am Stück? Kaum jemand schafft das. Drei Gläser Apfelsaft? Kein Problem. Sobald Früchte gepresst, getrocknet oder gezuckert werden, verlieren sie ihren schützenden Effekt. Getrocknete Datteln gelten als wahre Glukosebomben. Erdbeeren sind günstiger als Trauben. Und Agavendicksaft, oft als „gesund“ vermarktet, enthält sogar mehr Fruktose als Haushaltszucker.

Noch besser: Obst mit Fett oder Protein kombinieren – etwa Birne mit Nussbutter.

Die gute Nachricht: Es braucht keine radikale Diät.

  • Zehn Minuten Bewegung nach dem Essen senken die Glukose-Spitze deutlich.
  • Ein Esslöffel Essig in Wasser vor einer zuckerhaltigen Mahlzeit kann die Kurve abflachen.
  • Süßes besser direkt nach einer Mahlzeit essen – nicht isoliert am Nachmittag.

Die Formel lautet: vorher Essig, nachher Bewegung.

Mit der Allzweckwaffe Bewegung liegt man immer richtig – da ist sich die Wissenschaft einig.Foto: Storychief/D.LehnerMit der Allzweckwaffe Bewegung liegt man immer richtig – da ist sich die Wissenschaft einig.

Zucker und das Dopamin-Problem

Süßes aktiviert unser Belohnungssystem. Dopamin wird ausgeschüttet – derselbe Stoff wie bei Social Media, Alkohol oder Sex. Deshalb greifen wir immer wieder zu. Nicht aus Hunger, sondern aus Gewohnheit.

Inchauspé plädiert nicht für Verzicht, sondern für Kontrolle. Ziel ist keine zuckerfreie Welt, sondern eine flachere Glukosekurve.


Fazit: Flacher leben, länger leben

Eine stabile Blutzuckerkurve wirkt – neben Bewegung und Stressreduktion – wie ein Anti-Aging-Programm. Weniger Entzündung, weniger Zellschäden, mehr konstante Energie.

Der „Glukose-Trick“ ist kein Dogma, sondern eine Sammlung pragmatischer Hebel. Kleine Veränderungen, große Wirkung. Keine Verbote – nur eine neue Reihenfolge.

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