Deutschland bekommt eine neue Fahrradmesse - allerdings nur für Fachpublikum: 2027 findet in Köln erstmals die “towards tomorrow – European Bike Show” statt
Große Teile der internationalen Fahrradbranche kehrten im Frühjahr der Eurobike den Rücken und kündigten an, eine neue Bike-Messe auf die Räder stellen zu wollen. Viele Beobachter hielten das damals für eine Drohkulisse, um der Eurobike Beine zu machen, ihr Konzept zu überarbeiten. Doch jetzt schaffen der Zweirad-Industrieverband ZIV und die Kölnmesse Fakten: Vom 6. bis 8. September 2027 findet in Köln die erste neue Fahrradmesse statt, sie heißt „towards tomorrow – European Bike Show“.
Mit der neuen Messe streben die Macher nichts weniger als die Rolle der neuen internationalen Weltleitmesse der Fahrradwirtschaft an. Alleinstellungsmerkmal und wichtigster Unterschied zur bisherigen Praxis der Eurobike: Die „towards tomorrow“ ist als reine Fachmesse für die Branche ohne Publikum geplant.
Köln hat als Messestandort für die Fahrradindustrie eine lange Tradition und viel Erfahrung, in positiver wie negativer Hinsicht. Von 1964 an fand in den Kölner Messehallen die Internationale Fahrrad- und Motorradmesse (IFMA) statt, bei der das Fahrrad- im Vergleich zum Motorradgeschäft bis in die 1990er-Jahre immer mehr Bedeutung erlangte. Ab Anfang der 1990er-Jahre begleitete die neu gegründete Eurobike in Friedrichshafen als reine Fahrradmesse den Mountainbike-Boom und lief der IFMA den Rang ab. Nach 1996 existierte die IFMA als „Internationaler Fahrradmarkt“ weiter, bevor sie 2008 endgültig eingestellt wurde. Der Verbraucher-Show „Cycolonia“ war zwischen 2010 und 2012 ebenfalls kein Erfolg beschieden.
Nun also: „towards tomorrow“. Unter dem Leitmotiv „Von der Branche für die Branche“ sollen Inhalte, Formate und Schwerpunkte gemeinsam mit den Akteuren des Fahrradmarktes entwickelt werden, so ZIV und Kölnmesse in einer gemeinsamen Presseerklärung. Die Messe richtet sich also konsequent an ein B2B-Publikum.
Bernhard Lange, ZIV-Präsidiumsmitglied und CEO der Paul Lange GmbH & Co. KG, sagt über die neue Messe: „Die Branche braucht eine globale Leitmesse und diese soll im wohl wichtigsten Fahrradmarkt, in Deutschland, stattfinden. Ich bin überzeugt, dass wir mit der towards tomorrow genau das richtige Format dafür schaffen.“ Und Burkhard Stork, Geschäftsführer des ZIV, ergänzt: „Die towards tomorrow bildet vom deutschen Handel über europäische und internationale Player genau das Netzwerk ab, das die globale Fahrradwirtschaft heute ist. Was die neue Messe außerdem zurück bringt, ist der community spirit. Dieser besondere Drive der Branche und daraus erwachsende Partnerschaften sind das, was uns zusammen stark macht. Kurz: Eine Messe, die nicht mitläuft, sondern vorausfährt. Da freue ich mich drauf!“
Nachdem unzweifelhaft die Eurobike – erst in Friedrichshafen, jetzt in Frankfurt – über zwei Jahrzehnte die Rolle als Weltleitmesse erst erarbeitet, dann behauptet hat, kann man diese Statements durchaus noch als nachträgliche Kritik an den Eurobike-Machern verstehen. Auch die Umbesetzungen in der Geschäftsführung und die Anpassungen des Konzepts, welche das Joint-Venture-Unternehmen der Messen in Friedrichshafen und Frankfurt, Fairnamics, in diesem Jahr vorgenommen hat, haben offensichtlich nicht ausgereicht, die Kritiker in der Bike-Branche wieder mit der Eurobike zu versöhnen. Die Einkaufs- bzw. Fachhandelsverbände wie BICO, ZEG und VSF haben der neuen „towards tomorrow“ jedenfalls schon ihre Unterstützung und Teilnahme zugesagt.
Der Zeitpunkt der Ankündigung ist zweifellos mit Bedacht gewählt und lenkt den Blick auf die heute (24.6.2026) in Frankfurt beginnende Eurobike – die sich in der Auftakt-Pressekonferenz weiterhin als die internationale Leitmesse der Fahrradbranche bezeichnet. Gleichzeitig behauptet die Eurobike, im Rahmen ihrer Neuausrichtung ab 2027 ihr Profil als führende europäische B2B-Plattform für das Bike-Business schärfen zu wollen.
Philipp Ferger, Geschäftsführer der Fairnamic GmbH, erklärt: „Die Branche braucht einen starken internationalen Treffpunkt für persönliche Begegnung. Deshalb entwickeln wir die Eurobike konsequent weiter – fokussierter und noch näher an den Bedürfnissen unserer Aussteller, Fachbesucher und Marktpartner.“ Das ist annähernd der gleiche Wortlaut, wie er jetzt auch aus Köln zu hören ist. Die Eurobike sieht sich trotz 800 Ausstellern aus 44 Ländern auch in diesem Jahr wieder mit einem deutlichen Rückgang der Anzahl der ausstellenden Unternehmen und der gebuchten Ausstellungsfläche konfrontiert. Zwei wesentliche Änderungen für 2027 wurden ebenfalls im Rahmen der Auftakt-Pressekonferenz mitgeteilt: Ab 2027 wechselt die Eurobike wieder auf den angestammten Herbst-Termin (1.-3. September 2027), und sie wird ab dann nur noch alle zwei Jahre stattfinden, also nächstmalig wieder 2029.

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