RennradheldKampf gegen Übergewicht

Kristian Bauer

 · 22.01.2024

Rennradheld: Kampf gegen ÜbergewichtFoto: Sportograf
Rennradheld Martin Mollet
Rennradheld Martin: In unserer Serie stellen wir Menschen vor, die große Widerstände überwunden haben und auf dem Rennrad in ein neues Leben gefahren sind. Im ersten Teil geht es um den sportlichen Kampf gegen Übergewicht.

Themen in diesem Artikel

Rennradheld Martin Mollet (49), Rodgau

Vom kurzatmigen 175-Kilo-Berg zum durchtrainierten Ironman-Athleten – der steinige Weg war gezeichnet von schweren Verletzungen.

Schon als Zehnjähriger ist Martin stark übergewichtig und wird deshalb auf Kur geschickt. Eine kurze Zeit der Diät und ein Konzept, das zum Scheitern verurteilt ist, weil seine Eltern nicht mit dabei waren und er nicht versteht, was er selbst tun kann. „Der Klassiker: jetzt ist die Diät vorbei, jetzt kann ich wieder essen,“ erzählt Martin. In den folgenden Jahren nimmt er immer stärker zu und wiegt in der Spitze 175 kg. „Mir war schon bewusst, dass ich dick war, aber man entwickelt auch Verdrängungsstrategien: dann ist irgendwann 2 XL und dann wird es 3 XL und dann wird 4 XL und dann wird es 5 XL. Ich habe halt nicht in den Spiegel geguckt.“ 175 Kilo wird man nicht von einem Tag auf den anderen, sondern das entwickelt sich über eine Zeit, betont Mollet und deshalb hat man auch viel Zeit eine „Vermeidung und Verdrängungsstrategie“ zu entwickeln.

the-mollyman.deFoto: Mollet

Gesundheitliche Probleme durch Übergewicht

Das Übergewicht sorgt für gesundheitliche Probleme: 2016 bekommt der Consultant zum ersten Mal Betablocker verschrieben – schafft es aber noch den Bluthochdruck ohne das Medikament zu halten. 2017 war der Bluthochdruck weiter gestiegen und Martin war klar, dass er jetzt um das Medikament nicht herumkommt. Aus dem familiären Umfeld hat er erlebt, wie Medikamente einen Menschen verändern können – davor hat er große Angst. Diese Angst gibt ihm die entscheidende Motivation sein Leben zu ändern: „Es muss einen Auslöser geben. Etwas wofür man bereit ist alles von rechts nach links zu drehen. Ich muss bereit sein, meine Ernährung grundlegend zu verändern, auf Dauer.“ Er weiß ganz genau, was bei ihm falsch läuft: Seine Brote für das Mittagessen verschlingt er schon am Vormittag, mittags verpflegt er sich am Süßigkeitenautomat. Seine Lösung: vormittags Rohkost zu essen und mittags die Brote. Nach und nach ernährt er sich insgesamt bewusster. Mit 170 kg ist Nordic Walking der erste Einstieg in den Sport – das macht er jeden Tag. Zwei bis drei Kilo nimmt er auf diese Weise pro Woche ab. Von März bis Dezember sind es 60 Kg. Er wiegt jetzt 115 Kilo und weiß nicht, wie er weiter machen soll. „Die ersten 60 Kilo sind die einfachsten.“

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Mit Spaß auf dem Rad zum Rennradheld

Weil er ein Ziel braucht, macht er das Sportabzeichen und entdeckt den Spaß am Radfahren. „Das war der Schlüssel. Nordic Walking ging zwar, hat mir aber nicht wirklich Spaß gemacht.“ Der Spaß auf dem Rad bringt ihn auf die Idee einen Triathlon zu machen. Er trainiert regelmäßig auf dem Rad, bevor der nächste Rückschlag kommt: 2017 reißt ihm bei einem Radsturz das Kreuzband. Mit viel Zeit im Fitnessstudio kämpft er sich zurück, als ein Knorpelschaden im anderen Knie festgestellt wird. Nach einer Operation beginnt erneut eine Reha-Phase und 2018 er seinen ersten Triathlon und fährt die Cyclassics mit. 2019 fährt er die 300 Kilometer der Mecklenburger Seen Runde und hat endgültig den Spaß am Rennradfahren entdeckt. In diesem Jahr macht er mehrere Triathlons der Olympischen Distanz und seine erste Mitteldistanz. Das nächste Ziel liegt auf der Hand: einen Langdistanz-Triathlon mit 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer laufen.

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Schwerer Rückschlag

Und wieder gibt es einen schweren Rückschlag: auf der Fahrradfahrt zur Arbeit wurde Martin 2019 von einem Auto umgefahren. Dabei flog er unglücklich auf einen Bordstein, wobei sein Hals überstreckt wurde. Im Krankenhaus wurde ein Genickbruch diagnostiziert. Sechs Wochen musste er eine Stütze tragen, die seinen Hals fixiert. Anschließend folgte eine Zeit der Reha und wieder ein Kampf zurück. Nur noch 86 Kg wiegt er 2021 und seine Sport-Leidenschaft ist ungebrochen. 2022 fährt er als Solo-Starter das 24-Stunden-Rennen Rad am Ring und fährt verschiedene Radmarathons. Zwischen zehn und zwanzig Stunden Sport macht er pro Woche und will immer noch abnehmen. „Aktuell wiege ich 96 Kilo bei 1,73 cm und es ist immer noch eine große Herausforderung – die Reise ist an der Stelle noch nicht vorbei.“ Martin erzählt seit knapp drei Jahren in seinem Blog auf www.the-mollyman.de von seinem Kampf gegen die Pfunde und seinen sportlichen Erfolgen: „Ich möchte kräftigen Menschen wie ich es war den Mut geben, ihr Leben zu ändern.“ Der neueste Blog-Beitrag erzählt von seinem vorerst größten sportlichen Erfolg: 2023 erfüllte er sich den Traum vom Ironman.

Martin beim Ironman Frankfurt 2023Foto: SportografMartin beim Ironman Frankfurt 2023

Moment der Einsicht

Er hat keinen einfachen Tipp zum Abnehmen für andere, sondern ist überzeugt, dass jeder erst einmal den starken Druck spüren muss, dass er etwas ändern muss: „Ich brauche diesen Moment der Einsicht, wo ich sage, es geht so nicht weiter. Im Prinzip ist das wie beim Alkoholiker: wenn der akzeptiert, dass er Alkoholiker ist und dagegen etwas tun muss. Genauso ist das beim Gewicht abnehmen auch.“ Erfolg hat man laut Martin nur, wenn man langfristig sein Leben umstellt. Für die aktuelle Saison hat Mollet bereits klare Ziele: wieder mehrere Triathlons und Rennradtermine wie den Rhön Radmarathon, den Spreewald Radmarathon und das Jedermann-Rennen von Eschborn-Frankfurt. Für viele ist Martin ein echter Rennradheld und Vorbild für andere.

Linktipp: Was bedeutet der BMI und was ist das Idealgewicht?

Kristian Bauer

Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

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