Es war ein doppelter Glücksgriff, der Soudal - Quick Step da im vergangenen Jahr gelungen ist. In Luke Lamperti und Paul Magnier verpflichtete das Team von Patrick Lefevere gleich zwei der verheißungsvollsten Youngster im Sprintkosmos des Radsports. Beide kamen vom britischen Kontinental-Team Trinity Racing, das nun erst kürzlich angekündigt hatte, seinen Betrieb einzustellen.
Dass sich beide schon etwas länger kannten, zeigte sich im ersten Teil der Saison. Beide harmonierten so gut, dass sie mitunter beide der etablierten Konkurrenz ein Schnippchen schlugen und gemeinsam aufs Podium fuhren. Während der Franzose Magnier, noch ein gutes Jahr jünger als der 21-jährige Lamperti, die höhere Endschnelligkeit aufweist und vor allem in flachen Massensprints performt, kommt sein Kumpel etwas besser über die Hügel.
Als Beweis dafür taugen die Rennen im Nahen Osten. Bei der Muscat Classic (1.1) im Oman war es lediglich Finn Fisher-Black (UAE Team Emirates), der nach einer Attacke am letzten Anstieg des Tages vier Sekunden auf das große Verfolgerfeld behaupten konnte. Über die Ziellinie wurde es von Lamperti geführt.
Zwei Tage später stand die 2. Etappe der Oman-Rundfahrt (2.Pro) auf dem Programm. Das Etappenprofil war ähnlich - genauso wie der Ausgang. Dieses Mal rettete Fisher-Black zwei Sekunden Vorsprung ins Ziel. Seine Verfolger wurden erneut von Lamperti angeführt. Tags darauf fehlte der Berg im Finale und damit auch Fisher-Black. Wer sich dieses Mal vor Lamperti schob, war Teamkollege Magnier. Schon bei der Trofeo Ses Salines (1.1) auf Mallorca hatten beide als Erster und Dritter auf dem Podium gestanden. Trösten konnte sich Lamperti einen Tag lang mit der Führung in der Gesamtwertung und dem Leadertrikot.
Nach drei zweiten Plätzen innerhalb von vier Tagen bewies Lamperti auch auf anderem Terrain, dass er vorne mitfahren kann. Am Openingsweekend für die Klassikersaison fuhr der US-Boy aus Kalifornien bei Kuurne-Brüssel-Kuurne als Siebenter ins Ziel. Im stark besetzten Team mit Julian Alaphilippe und Kasper Asgreen wurde er bester Quick-Step-Profi. Für den Rest der Kopfsteinpflasterrennen stand er dann in den Diensten von Tim Merlier, der neben Nokere Koerse auch den Scheldeprijs für sich entschied.
An der Seite von Merlier bestritt Lamperti dann beim Giro d’Italia seine erste Grand Tour. Im Leadout des Belgiers fuhr er seinen Kapitän zu drei Etappensiegen, für eigene Ambitionen blieb kein Platz. Doch die erste Saisonhälfte lief auch so mehr als vorzeigbar für Lamperti, der nach dem Giro zwei Monate Rennpause einlegte.
Nach jener Pause kehrte Ende Juli bei der Czech Tour (2.1) zurück ins Peloton. Und wie. Den Massensprint in der Einkaufstraße von Ostrava auf Gehwegplatten zum Auftakt der Rundfahrt entschied Lamperti für sich und feierte damit seinen ersten Sieg als Profi. Das Gelbe Trikot für die Übernahme der Gesamtführung gab es obendrein als Bonus.
Lamperti nahm die gute Form mit zur Tour of Leuven (1.1) - das Eintagesrennen beendete er als Sechster - und dann auch zur Deutschland Tour. Nachdem er an den fünf Renntagen als schlechtes Ergebnis einen 13. Platz ablieferte, fuhr er als Vierter in der Endabrechnung sein bisher bestes Resultat in der Gesamtwertung ein.
Auch darüber hinaus lief es für den Amerikaner gut auf deutschem Boden. Bei den Cyclassics ersetzte er seinen gestürzten Kapitän Merlier im Finale und wurde 13., den Münsterland Giro beendete er als Neunter. Dazwischen beendete er den schweren Grand Prix de Quebec als Elfter einmal mehr als Bester seines Teams. Seine 57 Renntage umfassende Saison mit gut 9000 Rennkilometern ließ er zum Saisonabschluss in China ausklingen.