Sandra Schuberth
· 03.10.2024
Aktuell ist Wiebke Lühmann in Porto Amboim an der Atlantikküste von Angola, etwa 300 Kilometer südlich der Hauptstadt Luanda.
Im letzten Update zu Wiebkes “Road to Cape Town” ging es um einen Abschied, denn ihr Reisegefährte Julien Soleil, mit dem sie über Wochen gemeinsam unterwegs war, ist abgereist. Mittlerweile hat sich vieles geändert. Aber von vorn. Heute ist Wiebke Lühmann seit genau einem Jahr auf ihrer Reise. Sie will keinen Rekord aufstellen, sie ist losgefahren, um sich frei und lebendig zu fühlen und mehr über die Welt zu lernen.
Am 3. Oktober 2023 hat Wiebke Lühmann Freiburg verlassen. “Wenn ich jetzt zurückschaue, war der Start schon sehr hart”, berichtet sie. Mittlerweile ist sie im Unterwegssein angekommen, hat ihren Rhythmus gefunden. Auch viele Hochs und Tiefs hat sie in dem Jahr durchlebt und freut sich auf das Ende der Reise, was einerseits sehr nah wirkt, andererseits fast surreal.
Von außen betrachtet mag es klingen wie Urlaub: Ein Jahr lang Radfahren. Doch die Realität sieht anders aus. Die Worte, die Wiebke selbst gewählt hat, beschreiben es wohl am besten:
Immer wieder loszufahren und immer wieder an neuen Orten zu sein, braucht viel Kraft und Geduld. Der Kontinent ist so viel riesiger als ich mir das vorgestellt hatte und der Weg ist verdammt weit. Das heißt, sich auch immer wieder zu verabschieden von Menschen, die ich unterwegs treffe und viele Sachen zu verpassen — vor allem die Events zu Hause. - Wiebke Lühmann
Hinzu kommen allerlei organisatorische Aufgaben und die Arbeit. Wenig verwunderlich, dass an einem Punkt alle Speicher leer waren, der zweite große Tiefpunkt.
“Ich hatte den zweiten großen Tiefpunkt der Reise in der Republik Kongo erreicht. Er war tiefer und stärker als der erste in Liberia. Alle Länder mit komplizierten Visabewerbungen waren geschafft, aber ich war überwältigt von den vielen Eindrücken der letzten Monate und die Strecke bis Kapstadt schien dennoch unerreichbar weit. Ich konnte es nicht mehr genießen und hatte Sehnsucht nach Pause.” Diese Sehnsucht nach Pause, die vielen Eindrücke, die verarbeitet werden mussten, das Heimweh waren drei Gründe, die Wiebke Lühmann überlegen ließen, die Reise an dieser Stelle zu unterbrechen, in die Heimat zu fliegen, Urlaub von der Reise zu machen und später weiterzumachen.
Doch Wiebke ist da geblieben. Sie hat sich eine dringend benötigte Pause gegönnt. Gleichzeitig hatte ihr Reisegefährte Julien, er ist schon länger wieder mit von der Partie, eine Lebensmittelvergiftung oder ähnliches und brauchte ebenso einige Tage am gleichen Ort, um sich auszukurieren. Für die Pause fand Wiebke ein Kloster mit einem gemütlichen Gästehaus. Dort holte sie viel Schlaf nach, aß ausgewogen und ließ Ruhe einkehren. Einige Tage ohne Instagram, ohne Radfahren, ohne tägliches Sachenpacken. Danach fiel es ihr leichter, ihre Gedanken zu sortieren, die Gefühle einzuordnen, die nächsten Wochen zu planen und wieder Mut zu fassen. Dennoch war die Entscheidung alles andere als einfach.
Der Grund weiterzufahren ist derselbe, wofür ich losgefahren bin: um mich lebendig und frei zu fühlen. Ich hatte diesen Traum, Afrika zu durchqueren und nun bin ich so kurz davor es abzuschließen. Das kann mir später keiner mehr nehmen. - Wiebke Lühmann
Anfangs haben Wiebke Lühmann und Julien Soleil sich zufällig getroffen, irgendwo in der Sahara. Dann waren sie gemeinsam unterwegs. Im Mai hatte Julien sich entschieden aus Abidjan, Cote d’Ivoire, zurück nach Paris zu fliegen, um seine Reise woanders fortzusetzen. Er war durch mit Westafrika und wollte etwas anderes sehen. Für ihn war die Enttäuschung besonders groß, dass sehr wenig wilde Tiere im Westen zu finden sind, für die er sonst sehr brennt. Dazu kam das fast unerträgliche heiße Klima und die relativ breitflächige Eintönigkeit entlang des Äquators, welche ihn in seiner Entscheidung ebenfalls beeinflusst haben.
Doch nach zwei Wochen in der Heimat, als der Alltag zu Hause wieder eingezogen war, kribbelte die Lust nach Abenteuer wieder. Auch Wiebkes Berichte aus Ghana und Togo trugen dazu bei, ebenso die Tatsache, dass es in Richtung Zentralafrika ging. Landschaftlich sollte es da vorbei sein mit der Eintönigkeit und die Landschaften wieder viel Abwechslung bieten.
Und so kam es, wie es kommen musste. Vier Wochen nach seiner Abreise ist Julien wieder zurück nach Afrika geflogen. Genauer gesagt nach Togo, wo Wiebke eine Woche bei einer lieben Gastfamilie auf ihn wartete. Und er wird bis zum Ende bleiben. Irgendwann in Nigeria oder Kamerun hat er diese Entscheidung getroffen.
“Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so schwer und stressig ist, Länder wie Nigeria, Kamerun und Kongo in der gegebenen Zeit der Visa mit dem Rad zu durchqueren (30 Tage). Das war zusätzlicher Zeitstress, den ich eigentlich nicht auch noch gebrauchen kann.”
Abschließend habe ich Wiebke Lühmann gefragt, was noch erwähnt werden sollte. Sie betont ihre Freude auf die nächsten Etappen und auch auf Besuch, den sie erwartet. Fabienne Engel wird mit ihrer Kameraausrüstung in Namibia dazustoßen und im Auto dabei sein. Ich selbst werde nach Südafrika reisen, um Wiebke auf den letzten Kilometern zu begleiten. “Ende gut, alles gut!”, schreibt Wiebke Lühmann.

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