Isaac del ToroAuf den Spuren von Pogacar?

Sebastian Lindner

 · 29.11.2024

Besser als die von Isaac del Toro kann eine Profi-Karriere kaum starten. Nachdem er gleich im ersten Rennen Dritter beim Down Under Kriterium wurde, überraschte er die versammelte Konkurrenz mit einem Sieg auf der 2. Etappe der World-Tour-Rundfahrt in Australien.
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Zu Beginn der Saison 2024 hatte TOUR den Blick auf zehn Youngster geworfen, die gute Chancen auf einen Durchbruch im Peloton der Profis haben. So lief das Jahr für Isaac del Toro.


Es war ein Ausrufezeichen. Und zwar ein ganz dickes, als Isaac del Toro Anfang des Jahres auf der anderen Seite der Welt für Furore sorgte, in Australien zunächst eine Etappe der Tour Down Under gewann und die Rundfahrt als Gesamtdritter beendete. Der kaum 20 Jahre alte Mexikaner, dessen Dienste sich das UAE Team Emirates gesichert hatte, stürme die World Tour gleich in seinen ersten Einsätzen als Profi. Auf diesem Niveau war der Sieger der Tour de l’Avenir noch nie unterwegs gewesen.

Isaac del Toro bei der Tour Down UnderFoto: picture alliance / Roth / CVIsaac del Toro bei der Tour Down Under

Dass der schnelle Erfolg del Toros nur eine Eintagsfliege sein könnte, hatte ohnehin kaum jemand erwartet. Schließlich gilt der Lockenkopf schon länger als eines der Wunderkinder, die es perspektivisch auch mal mit Tadej Pogacar aufnehmen könnten. Eine gewisse Ähnlichkeit weist die frühe Karriere der beiden Fahrer von UAE Emirates jedenfalls auch auf. Ebenso wie der Ehrgeiz. “In zehn Jahren möchte ich um die Siege in den wichtigsten Rennen gekämpft haben”, sagte del Toro nach seinen Erfolgen in Australien den Medien. Auch die offensive Fahrweise und die Konkurrenzfähigkeit in mehreren Terrains - auch in den Klassikern - erinnern an den fünf Jahre älteren Slowenen.

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Isaac del Toro etabliert sich früh

Sofern das nach einem Jahr überhaupt möglich ist, lässt sich über del Toro sagen: Er ist bereits etabliert. Bei der Algarve-Rundfahrt (2.Pro) beendete er das Einzelzeitfahren als Vierter. Nur die ausgemachten Spezialisten Remco Evenepoel, Magnus Sheffield und Stefan Küng waren schneller. Den mehrfachen Weltmeister Filippo Ganna konnte er dabei sogar hinter sich lassen.

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Dann kam Tirreno-Adriatico (2.UWT). Rang vier in der Gesamtwertung, nur Jonas Vingegaard, Jai Hindley und sein Teamkollegen Juan Ayuso, für den del Toro bergauf in die Helferrolle schlüpfte, waren stärker. Del Toro stellte seine Klasse unter Beweis und zeigte, dass die Ergebnisse in Australien nicht nur auf eine bemerkenswerte Frühform zurückzuführen waren.

Denn auch im April machte der Mexikaner dort weiter, wo er Anfang März aufgehört hatte. Die schwere, weil höhenmeterintensive Baskenland-Rundfahrt (2.UWT) beendete er als Siebenter, die kleinere, nicht ganz so prominent besetzte Asturien-Rundfahrt (2.1) beendete er mit einem Etappensieg als Gesamtsieger. Dazwischen fuhr er bei den Eintagesrennen Giro della Romagna (1.1) und dem Großen Preis des Kantons Aargau (1.1) jeweils in die Top 6.

Auch Corona stoppt del Toro bei der Vuelta nicht

Aargau im Juni fällt dabei in eine Phase zwischen Rennpause, Belastungssteuerung und neuerlichem Formaufbau und ist somit hoch zu bewerten, beweist das Ergebnis doch, wie hoch das Grundniveau des 20-Jährigen bereits ist. Was folgte, war die erste Teilnahme an einer Grand Tour - sein Vertrag bei UAE wurde bereits nach Tirreno-Adriatico langfristig verlängert und von 2026 bis 2029 ausgedehnt, bei zweifelsohne deutlich besseren Bezügen.

Obwohl del Toro bei der Vuelta a Espana in Joao Almeida und Adam Yates gleich zwei potenzielle Rundfahrt-Sieger zu beschützen hatte, konnte er hier und da auf sich aufmerksam machen. Zwei Top-10-Resultate sprangen heraus, besonders herausstechend dabei die 16. Etappe auf dem Weg zu den Lagos de Covadonga, als er Sechster wurde. Selbst ein positiver Corona-Test konnte ihn dabei nicht stoppen.

UAE lehnt Pogacar-Vergleiche ab

Nach den gezeigten Leistungen aus der Saison ging del Toro dann als einer der Favoriten in die U23-Weltmeisterschaft. Im Zeitfahren, auf dem nicht sein Schwerpunkt lag, wurde er Zwölfter. Wichtiger war das Straßenrennen. Zwar gingen die Mexikaner mit fünf Fahrern ins Rennen, doch nennenswerte Hilfe seiner Teamkameraden konnte del Toro nicht erwarten. Deswegen ging er trotz schwieriger Bedingungen früh in die Offensive. Vielleicht zu früh. Hintenraus fehlten ihm jedenfalls die Körner, um dem neuen Weltmeister Niklas Behrens folgen zu können. Rang sechs blieb ihm nach einer langen Saison als Neo-Profi mit 65 Renntagen und rund 9500 Rennkilometern.

Zwar weist auch UAE-Manager Joxean Fernandez immer wieder auf die “sehr große Zukunft” Zukunft hin, die sein Schützling hat. Eine Episode dieser Geschichte ist, dass er del Toro zunächst schon zum Pro Team Caja Rural - Seguros vermittelt hatte, ehe der Sieg bei der Tour de l’Avenir ihn davon überzeugte, del Toro direkt zu seiner eigenen Mannschaft in die World Tour zu lotsen. Doch Vergleiche mit Pogacar hält er für falsch. “Sie sind sehr unterschiedliche Fahrer und es gibt keinen Grund, sie zu vergleichen”, sagte er Velo nach der Vuelta. “Das ist nicht fair für einen Fahrer, der noch alles vor sich hat. Es gibt nur einen Tadej, und wir müssen Isaac Zeit geben, sich zu entwickeln.”

Der Youngster selbst kann ebenfalls auf die Vergleiche verzichten. “Ich bin gerade erst dabei, mein Niveau zu entdecken. Ich lerne noch so viel”, sagte er Medienvertretern am Rande der Vuelta. Auch vom aktuell Besten seiner Zunft. Vorbild trifft es daher besser denn echte Vergleichsgrundlage. Noch zumindest.



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