Henri UhligNach starkem Start vom Unglück verfolgt

Sebastian Lindner

 · 06.12.2024

Henri Uhlig startet gut in seine Saison als Neo-Profi. Er holt mehrere Top-10-Platzierungen, fährt bei der Volta NXT Classic als Dritter erstmals aufs Podium.
Foto: picture alliance / Roth / CV
Zu Beginn der Saison 2024 hatte TOUR den Blick auf zehn Youngster geworfen, die gute Chancen auf einen Durchbruch im Peloton der Profis haben. So lief das Jahr für Henri Uhlig.


Zwei Jahre lang hatte Henri Uhlig im Development-Team von Alpecin-Deceuninck darauf hingearbeitet, dass er irgendwann einen Profivertrag in dem belgischen Team bekommen kann. Nach Leistungen, die das Team überzeugten, erfüllte sich dieser Traum zur Saison 2024. Und Uhlig war fest entschlossen, das Beste daraus zu machen.

Nachdem er im Vorjahr seine Ausbildung bei der Polizei erfolgreich abgeschlossen hatte, konnte der Regensburger auch im Winter durchtrainieren. Und das machte sich schon bei seinem ersten Rennen als Profi bemerkbar. Bei der Tour of Antalya (2.1) fuhr er auf der 1. Etappe ins Bergtrikot, auf dem zweiten Teilstück sprintete er aus einem reduzierten Feld heraus auf Rang drei, nachdem sein Teamkollege Jensen Plowright, für den er tags zuvor noch das Leadout gestaltet hatte, nicht mit der Spitze über den Berg gekommen war.

Uhlig überzeugt im März bei Eintagesrennen in Belgien und den Niederlanden

Nachdem sich Uhlig bei seinem ersten World-Tour-Rennen, der UAE Tour, am letzten Tag als Ausreißer gezeigt hatte, war er auf den Geschmack gekommen. In der Woche darauf stand zunächst der Grand Prix Criquielion (1.1) in Belgien auf dem Plan. Gemeinsam mit dem mehrfachen U23-Zeitfahr-Weltmeister Alec Segaert war Uhlig kurz vor Ende des Rennens allein vor dem Peloton unterwegs. Während dem Deutschen nach einer Attacke im Finale die Beine aufgingen und das Feld noch an ihm vorbeirauschte, rettete sich Segaert als Sieger ins Ziel.

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Einen Tag später stand mit dem Grand Prix Jean-Pierre Monsere (1.1) gleich der nächste Auftritt auf dem Plan. In Roeselare wurde Uhlig nach ein paar steilen Anstiegen und Kopfsteinpflasterpassagen Siebenter und damit Bester seines Teams - gerade auf klassischem Terrain in der dafür spezialisierten Mannschaft immer ein Erfolg.

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Noch besser lief es bei der Volta NXT Classic (1.1) in den Niederlanden. Das Rennen, das wieder mit mehreren steilen Anstiegen gespickt war, wurde zum vollen Erfolg für Alpecin-Deceuninck. Während Uhlig als Dritter eine kleine Verfolgergruppe ins Ziel führte, zu der er erst im Verlauf des Tages nach vorne gefahren war, konnte sich Teamkollege Timo Kielich, ebenfalls Neo-Profi, den Sieg sichern.

Nach Erfolgserlebnis in der Türkei ging es bergab

Für den jetzt 23-Jährigen endete damit ein starker März, an den sich noch ein guter April anschloss. Nach kleinerer Rennpause flog Uhlig an den Bosporus zur Tour of Türkiye (2.Pro). Nachdem am ersten Tag mit flacherem Etappenverlauf die Teamkollegen in den Sprint gingen, schlug Uhligs Stunde einen Tag später im Bergauffinale. Hinter Max Kanter, der seinen ersten Sieg als Profi einfuhr, verpasste der zweite Deutsche als Zweiter seinen Premierenerfolg nur hauchdünn.

Dennoch konnte sich der Regensburger freuen, denn für einen Tag übernahm er die Führung in der Gesamtwertung und das entsprechende Trikot. Auf den beiden folgenden Etappen fuhr er noch auf die Plätze sechs und drei.

Mitte Mai war Uhlig dann mit dem Devo-Team von Alpecin in Übersee unterwegs. Der kleine Abstecher nach New York mit den alten Kameraden sollte sich jedoch als fatal für den weiteren Saisonverlauf erweisen. Nach dem Rennen, dass er als Elfter beendete, “war ich in New York mit Halsweh aufgewacht, bin über Nacht zurückgeflogen und hatte da zu schlafen gehofft. Stattdessen machte ich kein Auge zu und wurde richtig krank”, schilderte er der Mittelbayrischen Zeitung. “Es hat mir drei Wochen den Stecker gezogen, hat sich angefühlt wie Corona. Ich war erschöpft und komplett fertig.”

Uhlig schlittert von einer Krankheit in die nächste

Es war allerdings erst der Anfang der Misere, die ihn fast für den Rest der Saison begleiten sollte. Um ein paar Wettkampfkilometer zu sammeln, nahm Uhlig gut einen Monat später an den Deutschen Meisterschaften teil, ohne dort aber irgendwelche Impulse setzen zu können. Im Juli ging es dann mit ungefähr 40-stündiger Anreise nach China zur Tour of Qinghai Lake (2.Pro). Doch ohne auch nur einen Kilometer auf dem Rad gesessen zu haben, musste er die Heimreise wieder antreten. Erneut wurde Uhlig krank, hatte den langen Weg umsonst zurückgelegt.

Um anschließend wieder die Form aufzubauen, ging Uhlig mit den Alpecin-Fahrern, die sich auf die Vuelta vorbereiteten, ins Höhentrainingslager. Er kam zurecht, “irgendwann hatte ich wieder gute Beine”, sagte er der Mittelbayrischen. Und dennoch kam auch das Trainingslager nicht ohne Probleme aus. Er stürzte, zwar nicht mehr schwer. Für die Moral war es dennoch “der nächste Schlag ins Gesicht”.

Doch das Glück wollte auch anschließend nicht zum jungen Deutschen zurückkehren. Für sein nächstes Rennen in Belgien fiel der geplante Flug nach Brüssel aus. “Ich wollte unbedingt hin und nicht schon wieder absagen”, was dazu führte, dass Uhlig dann am Renntag selbst noch in den Flieger stieg und zumindest teilnehmen konnte.

Aufwärtstrend bei der Deutschland Tour und Deutscher Meister hinter dem Derny

Dann kam die Deutschland Tour (2.Pro). Beim Prolog, den Uhlig selbst eigentlich zu seinen Stärken zählt, konnte er nicht überzeugen. Dafür lief es am folgenden Tag rund, er sprintete auf Rang fünf. Was folgte, war ein Magen-Darm-Infekt, der sich aber rechtzeitig zum Finale wieder aufgelöst hatte. Uhlig wurde Zehnter, was letztlich für Rang 16 und immerhin das Label als zweitbester Deutscher bei der Heimatrundfahrt reichte.

Den leichten Aufwärtstrend kassierte dann ein Sturz bei der Muur Classic Geraardsbergen (1.1) wieder. Das Rennen hatte er erneut für das Devo-Team von Alpecin bestritten. Vom Glück verfolgt war Uhlig zumindest im zweiten Teil seiner Saison nicht. Dass er aber das Potenzial hat, um im Profibereich zu bestehen, konnte er definitiv nachweisen.

Und ein kleines Trostpflaster konnte er sich im September auch noch sichern. Denn Uhlig holte sich im September noch den Deutschen Meistertitel zurück, den er bereits 2021 einmal trug. Auf der Bahn in Forst gewann er die nationale Derny-Meisterschaft. “Ich freue mich natürlich sehr, nach drei Jahren Abstinenz auf der Bahn, wieder die Derny-DM gewonnen zu haben. Es hat sich definitiv gelohnt, das Bahnrad wieder aus dem Keller zu holen und es zu entstauben”, sagte er nach dem Rennen. Seit er in die Strukturen von Alpecin gewechselt war, lag der Fokus komplett auf der Straße.



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