Jan Timmermann
· 12.06.2026
Der Radsport lebt von Leidenschaft, Gemeinschaft und dem unermüdlichen Einsatz vieler Menschen hinter den Kulissen. Neben Athletinnen und Athleten sind es vor allem Ehrenamtliche und Freiwillige, die Trainings, Veranstaltungen und Vereinsleben möglich machen. Freiwilligendienste wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) oder der Bundesfreiwilligendienst (BFD) bieten dabei eine besondere Chance: Sie verbinden persönliches Engagement mit wertvollen Erfahrungen – auch und gerade im Radsport.
Ich selbst habe nach dem Abitur ein FSJ in einem Radsportverein absolviert. Dort konnte ich nicht nur erste pädagogische Erfahrung als Mountainbike-Trainer sammeln, sondern mich auch für den Bau eines Bikeparks in meinem Heimatort engagieren. Der Freiwilligendienst im Radsport hat einen wichtigen Grundstein für mein späteres Studium und meine Karriere in der Bike-Szene gelegt. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Für viele junge Menschen ist ein Freiwilligendienst im Sport ein Türöffner. Ob direkt nach der Schule oder zur beruflichen Orientierung – ein FSJ oder BFD im Radsport ermöglicht Einblicke in Trainingsplanung, Vereinsorganisation und Veranstaltungsmanagement. Dabei geht es nicht nur um administrative Aufgaben: Oft stehen Freiwillige selbst am Streckenrand, begleiten Ausfahrten oder unterstützen Nachwuchsgruppen beim Techniktraining. Gerade im Radsport, wo Technik, Ausdauer und Taktik eng miteinander verzahnt sind, lernen Freiwillige schnell, Verantwortung zu übernehmen. Sie organisieren Trainingslager, helfen bei Rennen oder betreuen Jugendmannschaften. Das stärkt nicht nur die eigenen Kompetenzen, sondern auch das Verständnis für die Anforderungen des Sports.
Ein Freiwilligendienst im Radsport ist weit mehr als eine „Zwischenlösung“. Viele Teilnehmende entdecken dabei ihre berufliche Richtung: sei es im Sportmanagement, in der Trainingswissenschaft oder im Eventbereich. Auch soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kommunikation und Eigeninitiative werden gestärkt – Fähigkeiten, die weit über den Sport hinaus gefragt sind. Hinzu kommt der persönliche Aspekt: Wer ein Jahr lang eng mit einem Team arbeitet, erlebt Gemeinschaft auf eine intensive Weise. Gemeinsame Erfolge, aber auch Rückschläge schweißen zusammen und schaffen Erinnerungen, die bleiben.
Auch für Radsportvereine sind Freiwilligendienste ein Gewinn. Viele Clubs kämpfen mit knappen personellen Ressourcen. Freiwillige bringen frische Ideen, Zeit und Motivation mit – sei es bei der Pflege von Social-Media-Kanälen, der Mitgliedergewinnung oder der Durchführung von Events. Besonders im Nachwuchsbereich sind FSJ- und BFD-Kräfte oft unverzichtbar. Sie fungieren als Bindeglied zwischen Trainerteam und jungen Sportlerinnen und Sportlern, sind Ansprechpartner auf Augenhöhe und tragen dazu bei, den Spaß am Radfahren zu fördern. Gleichzeitig entlasten sie ehrenamtliche Trainerinnen und Trainer.
Trotz aller Vorteile stehen Freiwilligendienste im Radsport auch vor Herausforderungen. Die Vergütung will finanziert werden, die Arbeitszeiten können unregelmäßig sein - besonders während der Bike-Saison. Zudem ist das Angebot stark von der Struktur der Vereine abhängig – nicht jeder Club kann eine Einsatzstelle bieten. Dennoch wächst die Bedeutung solcher Programme. Mit zunehmender Professionalisierung des Radsports steigt auch der Bedarf an qualifizierten und engagierten Unterstützern. Freiwilligendienste können hier eine Brücke schlagen – zwischen Ehrenamt und beruflicher Perspektive.
Das Projekt erFAHRBAR ist ein Bestandteil des Evangelischen Jugendwerks im Bezirk Bad Urach–Münsingen. Als konfessioneller Jugendverband fungiert das Jugendwerk zugleich als Träger des Freiwilligendienstes. Ziel des Projekts ist es, junge Menschen auf innovative, zeitgemäße Weise zu fördern – bewusst auch jenseits klassischer Strukturen. Die Freiwilligen, die sich im Rahmen eines FSJ oder BFD engagieren, sind sowohl im Projekt erFAHRBAR als auch in den traditionellen Bereichen der verbandlichen Jugendarbeit eingebunden. Dazu gehört die Mitwirkung bei der Organisation, Durchführung und Weiterentwicklung von Kinder- und Jugendfreizeiten im Sommer und Winter, ebenso wie die Unterstützung bei Veranstaltungen und Events. Auch Büro- und Verwaltungstätigkeiten sowie die Begleitung regelmäßiger Gruppenangebote – etwa Jungscharen oder Jugendkreise – zählen zu ihren Aufgaben.
Ein zentraler Schwerpunkt innerhalb von erFAHRBAR ist die sogenannte Bike Academy. Dabei handelt es sich um Sozialkompetenztrainings an Schulen, die mithilfe von Mountainbikes durchgeführt werden. Ziel ist es, die Klassengemeinschaft und das soziale Miteinander zu stärken. Das Fahrrad dient hier als erlebnispädagogisches Medium: Neben Fahrtechniktrainings stehen Spiele, Übungen und gemeinsame Touren auf dem Programm. Die Freiwilligen sind gemeinsam mit der Projektleitung für die Umsetzung und Weiterentwicklung dieses Angebots verantwortlich.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist der „Bike Place“ – ein Pop-up-Indoor-Bikepark. Während der Wintermonate wird für etwa einen Monat in einer großen Eventlocation eine temporäre Bike-Anlage aufgebaut. Dort finden Schulklassentrainings, Kindergeburtstage und Veranstaltungen statt, zusätzlich gibt es reguläre Öffnungszeiten. Die Freiwilligen übernehmen hierbei vielfältige Aufgaben: von der Planung und Organisation über die Leitung von Schichten bis hin zur eigenständigen Durchführung von Programmpunkten und Thekendiensten. Ergänzt wird das Aufgabenfeld durch die Pflege und Wartung der Fahrräder sowie Tätigkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit und im Bereich Social Media.
Ein Jahr lang in der Bike-Community mitarbeiten und dabei auch noch etwas Sinnvolles tun: Ich halte sehr viel von Freiwilligendiensten im Radsport und habe selbst von einem profitiert. Das erlebnispädagogische Aufgabenfeld in Bike Academy und Bike Place des erFAHRBAR-Projektes ist wie gemacht für einen spannenden Bundesfreiwilligendienst. Wäre ich nochmal jung, ich würde mich sofort bewerben! - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

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