Was wäre das für ein Start in die Profikarriere gewesen. Tour de France 2024, 1. Etappe. Gemeinsam mit seinem Kapitän Romain Bardet macht sich Frank van den Broek auf den Weg. Früh geht er in die Ausreißergruppe. Als Bardet aufschließt, hängt das dsm-Duo den Rest ab und peilt den Coup an. Der junge Niederländer chauffiert seinen Chef bis zur Ziellinie und lässt ihn dann vorbeiziehen. Gelb für den 34-jährigen Franzosen, der wenige Tage davor sein Karriereende für den kommenden Sommer bekanntgegeben hatte. Die Grand Nation ist im Freudentaumel.
Für Bardet war es die letzte Chance, nochmal bei der Tour zu glänzen. Für van den Broek, der sich immerhin das Weiße Trikot überstreifen durfte, war es die erste. Doch so, wie sich der 23-Jährige an jenem Tag profilierte, wäre es eine große Überraschung, wenn er nicht weitere bekommen würde. In den Niederlanden sehnen sie sich nach einem, der bei der Frankreich-Rundfahrt wieder große Erfolge feiern konnte, wie es einst Joop Zoetemelk, der Sieger von 1980, tat. Tom Dumolin, Robert Gesink, Bauke Mollema, Steven Kruijswijk und Wilco Kelderman schafften es vor einigen Jahren zwar allesamt in die Top 10, doch der ganze große Erfolg blieb aus.
Dass van den Broek irgendwann mal die Tour gewinnen kann, ist eher unwahrscheinlich. Doch aktuell ist er das größte Versprechen der Niederländer. Zumindest auf Vorstellungen in den Bergen, die zu Fantasien anregen. So, wie es vor zwei Jahren Thymen Arensman tat, der seitdem aber - auch gebeutelt von schweren Stürzen - auf der Stelle zu treten scheint.
Bis zur Tour hatte van den Broek bereits fünf Rundfahrten und allerhand Klassiker in den Beinen, darunter auch die Flandern-Rundfahrt, Omloop Het Nieuwsblad, Strade Bianche oder das Amstel Gold Race. Insgesamt 85 Renntage und 13.000 Rennkilometer sammelte er in seiner Saison als Neo-Profi. Dabei hatte er zuvor kaum ein Jahr auf Kontinental-Level absolviert.
Während er die Klassiker in erster Linie zum Erfahrungen sammeln im Programm hatte, generierte van den Broek für sein Team bei den Rundfahrten vor allem Punkte. Bei der Tour of Türkiye sprangen dabei sogar die ersten beiden Siege als Profi heraus. Neben dem Etappensieg auf der Königsetappe am Sipylos-Berg auf über 1200 Metern Höhe mit 15 Kilometer langem Schlussanstieg sicherte sich der Mann aus Warmond, zwischen Amsterdam und Den Haag nicht allzu weit weg vom Nordseedeich gelegen, auch die Gesamtwertung.
Sein Formhoch hatte er dennoch im Sommer. Denn nach der Tour konnte er auch bei der Dänemark-Rundfahrt nochmal überzeugen. Auch wenn der Kampf gegen die Uhr bisher nicht seine Stärke ist: Im Team gewann er das Mannschaftszeitfahren zum Auftakt, auf dieser Basis wurde er später Siebenter der Gesamtwertung. Danach war die Luft etwas - ganz unabhängig davon, dass van den Broek als Neo in erster Linie Helferaufgaben hatte und nicht regelmäßig in die geschützten Rollen schlüpfte.
Den Weg zu den beiden Schwesterrennen in Kanada machte er mit, um dort wieder für Bardet zu arbeiten. Kurz darauf hieß sein Kapitän dann Mathieu van der Poel. Denn van den broek durfte auch erstmals in seiner Karriere bei einer Weltmeisterschaft an den Start gehen, weder im Juniorenalter noch bei der U23 war ihm das vergönnt gewesen. Beenden konnte er das Rennen allerdings nicht, er stieg nach getaner Arbeit vom Rad.
Seine Saison, die Anfang Februar Februar mit der Muscat Classic im Oman begann, war damit aber immer noch nicht beendet. Bis Gran Piemonte Mitte Oktober zog Frank van den Broek durch. Mittlerweile ist der Vielfahrer bereits wieder im Trainingslager in Spanien.