Felix EngelhardtSaisonhöhepunkt beim Giro d’Italia

Andreas Kublik

 · 01.01.2025

Felix Engelhardt: Saisonhöhepunkt beim Giro d’ItaliaFoto: Getty Images/Gonzalo Arroyo Moreno
Leidet besonders unter großer Hitze: Felix Engelhardt
Felix Engelhardt kämpfte sich durch eine schwierige Saison 2024. Sein Fokus liegt nun 2025 auf dem Giro d’Italia.

Die Wünsche und Ziele von Felix Engelhardt für das Jahr 2025 sind schnell formuliert: Der 24-jährige Radprofi aus Ulm will vor allem eines - gesund bleiben. Dann kann es eigentlich nur besser werden. Schon im Februar ging es vor der vergangenen Saison mit Krankheiten los, es wurde ein chronischer Infekt - das Frühjahr mit dem ersten großen Ziel, den Klassikern in den Ardennen, war perdü. Es folgte ein Rippenbruch beim GP Gippingen im Juni. Die Tour de Suisse fuhr er trotz dieser Verletzung.

Viele Rückschläge, ein wichtiger Sieg

Felix Engelhardt gewann 2023 eine Etappe bei der Vuelta Castilla y LeonFoto: Getty Images/Gonzalo Arroyo MorenoFelix Engelhardt gewann 2023 eine Etappe bei der Vuelta Castilla y Leon

Es klingt, als wäre die Saison 2024 ein Radsportjahr zum Vergessen gewesen für Engelhardt. Aber kurz nach dem Malheur in der Schweiz gab es für den Profi im Trikot des australischen Rennstalls Jayco-AlUla doch noch Grund zum Jubeln: Engelhardt gewann bei der Slowakei-Rundfahrt die Königsetappe mit der Bergankunft in Strbske Pleso - vor seinem Teamkollegen Mauro Schmid und dem zweimaligen Weltmeister Julian Alaphilippe. “Der Sieg war nach der zähen Zeit ganz wichtig”, betont Engelhardt. Die starke Leistung am Berg bescherte ihm auch Gesamtrang drei bei dieser Rundfahrt. Fast hatte man vergessen, dass der junge Deutsche ein Versprechen auf eine große Zukunft ist: Im Jahr 2022 gewann er den EM-Titel in der U23-Klasse. Im Jahr darauf gewann er das schwere Eintagesrennen Per sempre Alfredo in Italien und eine Etappe der Vuelta Castilla y Leon.

Der Herbst bot dann wieder eine Ernüchterung. “Ich komme mit der Hitze nicht zurecht”, musste Engelhardt während der Vuelta a Espana feststellen. Es herrschten Temperaturen bis zu 40 Grad. Er kommt mit kühleren Renntagen besser zurecht. Entsprechend ist sein Rennprogramm für die Zukunft gestaltet. Das Rennen über die Schotterstraßen bei den Strade Bianche (8. März) soll sein erster Saisonhöhepunkt 2025 werden. Danach will er Amstel Gold Race und Fleche Wallonne in Topform bestreiten. Sein großes Jahreshighlight soll - Stand zum Jahreswechsel - der Giro d’Italia werden - dort ist oft Schnee das größere Problem als Hitze. Lüttich-Bastogne-Lüttich passt daher nicht in sein Rennprogramm. Er wird vor allem in Diensten seines Teamkapitäns Michael Matthews agieren - aber Radrennen bieten immer die Möglichkeit, bei der passenden taktischen Konstellation den eigenen Erfolg zu suchen.

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“Ich werde kein zweiter Pogacar”, sagt Felix Engelhardt. Seine Perspektive: Etappenjagd bei einer Grand Tour

Wie Deutschlands neuer Hoffnungsträger für die großen Rundfahrten, der Vuelta-Siebte Florian Lipowitz, stammt er aus Ulm. Und auch jetzt sind die beiden quasi Nachbarn - “Lipo” wohnt in Tirol oben in Seefeld, Engelhardt unten in Innsbruck. Sie fuhren beide einst in der U23-Klasse für das Team Tirol. Im Dezember waren die beiden gemeinsam fürs Training zwei Wochen auf Mallorca. Die beiden sind unterschiedliche Rennfahrertypen: Lipowitz ist der Ausdauernde für die ganz langen Anstiege im Hochgebirge. Engelhardt bezeichnet sich selbst als “Puncheur”, der über seine Antrittsschnelligkeit zum Erfolg kommt, der gut Laktat verträgt - aber eben nur 15 bis 20 Minuten lang gut bergauf kommt. Danach beißt es aus - das hat er schon festgestellt.

Engelhardt will mehr Verantwortung übernehmen

Der nächste Schritt: “Ich möchte mehr Verantwortung übernehmen”, sagt er. Er möchte einer werden, der bei den Klassikern wie Amstel Gold Race und Lüttich-Bastogne-Lüttich vorne mitfahren kann - um Etappensiege bei den großen Landesrundfahrten kämpfen. “Ich werde kein zweiter Pogacar”, sagt er. Sein Vertrag mit den Australiern läuft zum Saisonende aus - aber der 24-Jährige ist guter Dinge: “Das Team steht hinter mir. Ich habe jetzt die Möglichkeit zu zeigen, dass mehr drin ist.”

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