Jan Timmermann
· 27.11.2024
TOUR: Was macht ein Sportlicher Leiter Digitaler Radsport?
Sebastian Wolf: Die Aufgaben sind ganz ähnlich wie beim Straßenradsport. Die WM ist der jährliche Wettbewerb, der mit der Nationalmannschaft ausgetragen wird. Neben der Nominierung sitze ich bei den Rennen sozusagen im virtuellen Team-Auto. Auch in der virtuellen Welt gibt es Berge und Windschatten. Ich gebe zum Beispiel den besten Moment für eine Attacke durch.
Die Strukturen sind noch nicht fertig - Sebastian Wolf über die Zukunft von E-Cycling
TOUR: Wie lief die Weltmeisterschaft aus Ihrer bzw. aus deutscher Sicht?
Sebastian Wolf: Das bisherige, rein digitale Format hatte Vorteile, da jeder ohne Anreise mit seinem Equipment von zu Hause aus teilnehmen konnte. Für den Sport insgesamt war es aber gut, dass es das Live-Event gab. Rollentrainer wurden von den Herstellern ursprünglich als Trainingsgeräte und nicht mit der Intention des Wettkampfsports entwickelt. So können sich zum Beispiel aus Temperaturschwankungen gewisse Abweichungen ergeben.
Im Spitzensport machen solche Kleinigkeiten einen großen Unterschied. Beim Live-Event stellten sich diese Fragen dank genormter und offiziell abgenommener Rollentrainer nicht – oder anders ausgedrückt: zumindest eine bewusste Manipulation ist ausgeschlossen. Wir hatten insgesamt fünf Athleten und Athletinnen am Start und konnten an die Erfolge der letzten Jahre anknüpfen. Mit dem Weltmeistertitel von Jason Osborne und dem sechsten Platz von Merle Brunée sind wir natürlich sehr glücklich.
TOUR: In welche Richtung wird sich E-Cycling entwickeln?
Sebastian Wolf: Ähnlich wie beispielsweise beim Mountainbiken vor 25 Jahren sind die Strukturen noch nicht fertig definiert. Es gibt durchaus eine Perspektive auf Olympische E-Sports-Spiele. Die Rennen werden jedoch auf kommerziellen Plattformen ausgetragen. Auch diese werden mitbestimmen, wohin die Reise geht. So oder so wächst die Bedeutung extrem schnell. Weltweit können sich bereits zehn bis zwanzig Radfahrer als E-Sportler finanzieren. Zwischen Leistung und Support gibt es aber Diskrepanzen. Die Teams bringen Leistungswerte auf World-Tour-Niveau, arbeiten aber meist mit nur einem Betreuer.

Redakteur