Erstes Frauen-Brevet DeutschlandsMitgefahren bei der Werdenfelser Frauenrundfahrt

Sandra Schuberth

 · 31.07.2024

Werdenfelser Frauenrundfahrt
Foto: Nick Rotter
Eine Radveranstaltung nur für Frauen? Braucht es das? Wir waren beeindruckt vom großen Andrang und haben Impressionen eingefangen. Über 100 Frauen sind gestartet und fast alle auch ins Ziel gekommen.

Am 20. Juli war es soweit, das erste Brevet nur für Frauen fand statt. Die Werdenfelser Frauenrundfahrt war schnell ausgebucht. Kurzerhand entschlossen die Veranstalter ARA München, das Startplatzkontingent zu verdoppeln. Dazu boten sie eine zweite Strecke am gleichen Tag an, bei der eigentlich nur die ersten rund 70 Kilometer unterschiedlich waren.

Stempelkarte

Am Vortag traf man sich im 3mills, einem Fahrradcafé in München, wo die Ausgabe der Brevet-Karten und die finale Registrierung stattfand. Die Brevet-Karte gab es als Stempelkarte und als E-Version, wenn man sich dort registriert. Bei der E-Karte müssen an jedem Checkpoint die Koordinaten mittels Smartphone übermittelt werden und ein Beweisfoto hochgeladen werden.

Die Teilnehmerinnen der Werdenfelser Frauenrundfahrt kamen zeitlich gut verteilt, um ihre Registrierung abzuschließen. Ich jedenfalls habe am späten Nachmittag keinen Stau erlebt. Ich habe mir anschließend noch ein Stück Schokokuchen gegönnt und ein paar nette Gespräche mit Brevet-Teilnehmerinnen geführt. Dann ab nach Hause und Sachen packen.

Mein Brevet-Rad war das Liv Langma Advanced 1 Pro. In meine Werkzeugtasche kam ein Multitool, eine Minipumpe, ein Reifenheber und ein Schlauch. Den Schlauch für den Notfall konnte ich mir von Sara Hallbauer leihen, ich hatte keinen passenden.

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Sara ist auch diejenige, die die Veranstaltung initiiert hat. Warum? Im vergangenen Jahr ist sie das Superbrevet Paris-Brest-Paris gefahren, seit Jahren sind dort nur sechs Prozent der deutschen Starter und Starterinnen Frauen, wohingegen der prozentuale Anteil an Teilnehmerinnen in anderen Ländern steigt. Da muss wohl etwas passieren, dachte sich die Langstreckenradlerin, die auf ihrem Blog bikepackers.de Mut zur Langstrecke macht und hilfreiche Tipps gibt.

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In letzter Minute zum Start

Der Wecker klingelt, es ist 6 Uhr. Genug Zeit, um 7:15 das Haus zu verlassen und 7:45 am 7 Kilometer entfernten Start zu stehen. So dachte ich. Und dann war ich zu entspannt beim Frühstück. Schnell noch Sonnencreme auftragen, Helm auf, Schuhe an, Sonnenbrille, das Rad schnappen und los. Es ist 7:39 als ich das Haus verlasse. Ich hetze durch die Stadt, Ampel rot, anhalten, durchatmen. “Mach dir keinen Stress, Sandra” sage ich mir, “dann fährst du eben ein paar Minuten später los”.

Ich erreiche den Start als Sara die letzten Worte ihrer Begrüßungsansprache hält, Applaus. Und dann rollen die ersten auch schon los. Ich lade meine Route und freue mich, bekannte Gesichter zu sehen. Da jetzt jede den ersten Stempel auf der Brevet-Karte erhält, wird das Feld auseinandergezogen. Praktisch, denn so stehen nicht 100 Frauen gleichzeitig mit ihren Rennrädern an den Ampeln.

Von Checkpoint zu Checkpoint

Brevet CheckpointFoto: Nick Rotter

Bis zur ersten Stempelstelle sind es knapp 70 Kilometer. Ich komme gemeinsam mit einer Gruppe an. Drinnen gibt es den ersehnten Stempel. Und wir kaufen Getränke und Snacks - sehr beliebt sind Gummitiere.

Zum nächsten Checkpoint sind es etwa 30 Kilometer, und dann wieder 30 und nochmal. Man kann sich gut von einer Stempelstelle zur nächsten Stempelstelle entlanghangeln, die mal an Tankstellen waren, mal auf einer Alm, mal an einem Eiscafé.

Einige fahren in größeren Gruppen, andere in kleinen Gruppen, zu zweit oder allein. Überall sieht man glückliche Gesichter, aber man merkt auch, dass es anstrengend wird, je weiter die Tageszeit fortgeschritten ist. Manch eine entschied, in Wolfratshausen aufzuhören. Das zählt als 200er Brevet, die 30 Kilometer zurück nach München sind Bonus. Andere stellen sich der Herausforderung und noch andere radeln noch heim, um die 250 Kilometer vollzumachen. Insgesamt haben von 106 Starterinnen 100 das Ziel erreicht.

Was für ein Tag! Für mich war es das erste Brevet, bis dahin hat es zeitlich nie gepasst. Und ich bin sicher: ich werde es wieder tun.

Kleine Hürde: 9 Euro Anmeldegebühr

Die Anmeldegebühr für ein Brevet ist üblicherweise gering. 9 Euro hat die Registrierung für die Werdenfelser Frauenrundfahrt gekostet. Die Hürde, sich anzumelden, ist also entsprechend klein. Aber die Hürde, nicht zu starten ist bei nur 9 Euro auch gering. Verletzungen, Krankheitsfälle und mehr führten zu vielen Absagen.

Sandra Schuberth

Sandra Schuberth

Redakteurin

Sandra Schuberth, mal Feierabendrunde, mal Trainingsride, mal unsupported Bikepacking-Challenge. Hauptsache sie und ihr Gravelbike – abseits vom Verkehr. Seven Serpents, Badlands oder Bright Midnight: Sie hat anspruchsvolle Bikepacking-Rennen gefinisht. Gravel und Bikepacking sind ihre Herzensthemen, ihr Anspruch an Equipment ist hoch. Was sie fährt, nutzt und empfiehlt, muss draußen bestehen: nicht im Marketing, sondern im echten Leben.

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