Der 44. Ötztaler Radmarathon hat bei perfekten Wetterbedingungen einen Tiroler Doppel-Erfolg hervorgebracht. Daniel Federspiel erfüllte sich mit 38 Jahren seinen Lebenstraum und feierte nach 6:48:55 Stunden seinen ersten Sieg beim traditionsreichen Rennen. Der erst 20-jährige Lokalmatador Jonas Holzknecht sicherte sich als jüngster Zweiter der ÖRM-Geschichte einen Platz auf dem Podium. Bei den Damen dominierte die Deutsche Janine Meyer und stellte mit 7:22:32 Stunden einen neuen Streckenrekord auf. Die 47-jährige Kölnerin feierte damit ihren dritten Sieg in Folge und unterstrich ihre Ausnahmestellung bei diesem Klassiker. Insgesamt nahmen Radsportlerinnen und Radsportler aus 40 Nationen teil, darunter 392 Frauen – ein neuer Rekord, der den steigenden Frauenanteil beim Ötztaler Radmarathon dokumentiert. Dieser ist in den letzten zehn Jahren um 50 Prozent gestiegen.
Noch am Samstag war es in Tirol regnerisch bei niedrigen Temperaturen - am Sonntag hingegen herrschten optimale Bedingungen. Das Rennen entwickelte sich zu einem wahren Krimi. Lokalmatador Jonas Holzknecht sorgte früh für Aufsehen, als er sich gemeinsam mit dem Belgier Sieben Devalckeneer vom Hauptfeld absetzte und über weite Strecken das Rennen mitbestimmte. Am Jaufenpass machten die Favoriten erstmals ernst, doch die entscheidende Attacke setzte Daniel Federspiel am Timmelsjoch. Der ehemalige MTB-Eliminator-Weltmeister hatte auf der Abfahrt zuvor bereits aufgeholt und fuhr dann mit beeindruckender Stärke an die Spitze. Er stellte den Vorjahressieger Jack Burke und baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus. Die Tachonadel des Begleitmotorrads zeigte 105 km/h als er bei der Abfahrt vom Timmelsjoch mit großem Abstand Richtung Ziel fuhr. Mit einer Zeit von 6:48:55 Stunden verpasste Federspiel den Streckenrekord von Mathias Nothegger (6:47:02 Stunden) nur knapp um zwei Minuten.
"Dieser Sieg ist schon so lange mein großes Ziel. Dass das jetzt Wirklichkeit wurde, ist schwer zu realisieren. Die Emotionen, als ich Sölden mit Krämpfen erreichte, waren unbeschreiblich. Am Jaufenpass fuhr ich mein Tempo. Das war vielleicht ganz gut so, denn am Timmelsjoch konnte ich richtig durchziehen. Als ich Jack sah, bekam ich einige Extrawatt", erklärte der überglückliche Sieger im Ziel beim Ötztaler Radmarathon 2025.
Besonders dramatisch war der Kampf um die weiteren Podiumsplätze bei den Männern. Bei der Abfahrt Richtung Sölden fuhren Jonas Holzknecht, Matthias Reutimann und der Deutsche Andreas Isele in einer Gruppe verfolgt von Stefano Cecchini. Einige hundert Meter vor dem Ziel zog Holzknecht den Sprint an und sicherte sich den zweiten Platz. Mit seiner kämpferischen Leistung schrieb der 20-Jährige Geschichte als jüngster Zweitplatzierter in der Historie des Ötztaler Radmarathons.
"Unbeschreiblich, ich kann diesen zweiten Platz nicht in Worte fassen. Das Podium war heuer mein größter Traum. Ich habe einen super Tag erwischt und es deshalb gleich von Beginn an probiert", freute sich Holzknecht über seinen Erfolg. Den dritten Platz sicherte sich der Schweizer Matthias Reutimann. Hans-Jörg Leopold wurde als drittbester Österreicher Sechster, während Alban Lakata mit Rang acht vorlieb nehmen musste. Vorjahressieger Jack Burke erlebte einen schwierigen Tag: "Die Attacke am Jaufenpass war ein Fehler. Ich bin am Timmelsjoch ziemlich eingegangen. Dieses Jahr läuft es einfach nicht gut."
Im Frauenrennen zeigte Janine Meyer eine beeindruckende Solo-Vorstellung. Die Deutsche setzte sich bereits am Kühtai von ihren Konkurrentinnen ab und baute ihren Vorsprung kontinuierlich aus. Ihre Durchgangszeiten unterstrichen ihre außergewöhnliche Form – den Brennerpass passierte sie nur wenige Minuten hinter allen männlichen Top-Favoriten. Über den Jaufenpass und das Timmelsjoch ließ sie nichts mehr anbrennen und stellte mit 7:22:32 Stunden einen neuen Streckenrekord auf, vier Minuten schneller als ihre eigene Bestmarke aus dem Vorjahr.
"Es ist unglaublich, ich war so lange alleine unterwegs. Der erste Sieg beim Ötztaler Radmarathon war sicher der schönste, weil auch meine Eltern dabei waren. Aber ich würde keinen meiner drei Triumphe gegen etwas anderes eintauschen", sagte Meyer nach ihrem dritten Erfolg in Serie. Mit einem Vorsprung von 17:14 Minuten verwies sie ihre Landsfrau Eva Schien auf den zweiten Platz. Die Lokalmatadorin Belinda Holzer komplettierte als Dritte das Podium mit einer Zeit von 7:51:37 Stunden.
Der Ötztaler Radmarathon zog auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Prominente an. Ihre Premiere feierte Skibergsteig-Vizeweltmeisterin Sarah Dreier, die mit einer Zeit von 9:11 Stunden eine starke Leistung zeigte. Ebenso am Start waren Wintersportstars wie Benjamin Karl, Werner Heel und Manfred Mölgg. Karl schaffte trotz 88 Kilogramm Körpergewicht seine Zielzeit von unter acht Stunden mit 7:57:38 Stunden.
Der schnellste unter den prominenten Teilnehmern war wie im Vorjahr Manfred Mölgg, der seine Zeit um zehn Minuten verbesserte und nach 7:36 Stunden das Ziel erreichte. "Es war so eine tolle Kulisse mit unglaublichen Zuschauern. Mit so vielen Kollegen und Freunden zu fahren war wieder ein Traum. Am Timmelsjoch war es dann richtig hart, ich bekam dort Krämpfe. Aber die Zeit ist schon richtig super!", freute sich der ehemalige Skirennläufer. Eine besondere Geschichte schrieb Martin Strobl, der sich im Alter von 80 Jahren zum 35. Mal der Herausforderung stellte und damit ein beeindruckendes Beispiel für die zeitlose Faszination des Radsports lieferte.
Der 44. Ötztaler Radmarathon interessierte nicht nur vor Ort, sondern auch mit einer 15-stündigen Live-Übertragung im Internet, die bis zu 10.200 Zuschauerinnen und Zuschauer gleichzeitig verfolgten. Das Datum für das kommende Jahr steht bereits fest: der 45. Ötztaler Radmarathon findet am 30. August 2026 statt. Toni Palzer, der als Co-Kommentator den Live-Stream unterstützte, hat bereits Interesse angekündigt an den Start zu gehen.

Redakteur