Tipps für Jedermann-Rennen - Die besten Tipps für Spaß beim Radrennen

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 · 28.05.2018

Tipps für Jedermann-Rennen - Die besten Tipps für Spaß beim RadrennenFoto: Veranstalter/Angerer

Wir haben hilfreiche Tipps für Neueinsteiger in der Rennradszene. So werden das erste Jedermann-Rennen oder der erste Alpenmarathon zum persönlichen Erfolg.

Radrennen sind ein Höhepunkt des Rennradler-Lebens – und dank einer boomenden Jedermann-Szene auch für Hobbysportler machbar. Das erste Mal bleibt unvergessen: Adrenalinflut vor dem Start, Laktatschwemme im Rennen und Glückshormone im Ziel vereinen sich zu einem intensiven Sport-Höhepunkt. Trauen Sie sich!

Die Stunde Null
Ein Besuch beim Hausarzt klärt, ob Sie gesund sind und sportlich an ihre Grenzen gehen können. Lassen Sie sich gleich eine Bestätigung ausstellen, dass sie an Radrennen teilnehmen dürfen, dann können Sie auch in Frankreich, Italien und anderen Ländern starten, wo so ein Dokument häufig verlangt wird.

Training ohne Stress
Anpassungsprozesse im Körper brauchen Zeit – Ausdauer und Kraft müssen ebenso trainiert werden wie Motorik und Energiestoffwechsel. Die Energiespeicher kann man schon in zwei Wochen vergrößern, nach sechs Wochen sind Anpassungen im Herz-Kreislaufsystem erfolgt. Das Grundprinzip ist einfach: Indem Sie immer wieder neue Belastungsreize setzen, passt sich der Körper an. Das richtige Maß an Belastung und auch Erholung ist daher entscheidend.

Einfache Regeln helfen Ihnen in Form zu kommen:
- fahren Sie lieber öfter und kürzer als selten und lang
- variieren Sie die Belastung (z.B. Ortsschildsprints; oder kurze Anstiege schnell hochfahren)
- variieren Sie die Trittfrequenz (z.B. kleine Gänge schnell treten; oder große Gänge mit viel Kraft)
- fahren Sie nie, wenn Sie schlapp oder krank sind und gönnen Sie sich Erholungstage
- stellen Sie den Spaß am Rennradfahren an erste Stelle!

Fahren in der Gruppe
Die wichtigste Fertigkeit in einem Jedermann-Rennen. Sie sollten daher vor dem ersten Start öfter mit anderen fahren und dabei bewusst dicht zusammenblieben. So schulen Sie das Gefühl für den Abstand zum Vordermann und lernen die wichtigsten Handzeichen. Tipp: Üben Sie bei einer Radtourenfahrt in Ihrer Nähe (Termine unter www.rad-net.de). Dabei bekommen Sie ein Gefühl für die Geschwindigkeit im Windschatten und können ohne Rennstress in kleinen Grüppchen fahren.


Seien Sie mutig
Genug trainiert? Richtig vorbereitet? Sorgen Sie sich nicht: Der Sog der Gruppe und der Adrenalinschub im Rennen verleihen ungeahnte Kräfte. Schieben Sie Ihre Ängste beiseite und setzen Sie sich nicht unnötig unter Druck. Sie werden weder Erster noch Letzter werden. Ihr Ziel sollte maximaler Spaß ohne Stress sein.
37,93 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit des Siegers der 60-Kilometer-Strecke beim Velothon Berlin 2014
22,68 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit des langsamsten Fahrers auf der gleichen Strecke.

Das richtige Rennen
Meiden Sie als Anfänger Rennen auf kurzen, kurvenreichen Rundkursen. Besser geeignet sind:

Alpenmarathon
Normalgewichtige und leichte Fahrer können sich an der kurzen Distanz bei einem Alpenrennen versuchen. Am ersten Anstieg zieht sich das Feld in die Länge. Hektisches Gruppenfahren entfällt dann. Kraft und die richtige Übersetzung sind Voraussetzung für Spaß in den Bergen.
Beispiele: Amadé Radmarathon, Maratona dles Dolomites,

Stadt-Rennen
In riesigen Feldern durch die Stadt zu jagen, erfordert Konzentration und Fahrkönnen. Je größer die Stadtrennen, desto größer ist aber auch der Anteil der Einsteiger. Wer sich dann im hinteren Teil des Feldes aufhält, entgeht dem Stress der Riesengruppen.
Beispiele: Velothon Berlin, Rund um Köln

  Der Škoda Velothon Berlin ist eines der wichtigsten Jedermann-RennenFoto: Škoda Velothon
Der Škoda Velothon Berlin ist eines der wichtigsten Jedermann-Rennen

Die Tage vor dem Rennen
Der größte Fehler von Renn-Neulingen ist ein zu hartes Training in der Woche vor dem Wettkampf. Lange und anstrengende Ausfahrten in letzter Minute lassen Sie am Renntag schlapp aus dem Bett steigen. Gehen Sie die letzten zehn Tage ruhig an: Fahren Sie höchstens halb so lange wie gewohnt, ohne die Intensität zu reduzieren. Am Tag vor dem Rennen ist eine Vorbelastung sinnvoll: eine entspannte Fahrt von ca. 60 Minuten, unterbrochen von zwei, drei Intervallen über zwei Minuten, die Sie sehr schnell fahren.

Carboloading
Volle Kohlenhydratspeicher sind wichtig – das bedeutet aber nicht, bei der Pasta-Party am Abend vor dem Rennen Nudeln reinzuschaufeln, bis Ihnen schlecht wird. Experimentieren Sie auch nicht mit Ihrer gewohnten Ernährung. Es reicht, wenn Sie die Tage zuvor ganz normal essen, aber kohlenhydratreiche Nahrung bevorzugen (Kartoffeln, Nudeln oder Reis). Trinken Sie an den Tagen vor dem Rennen viel. Frühstücken Sie drei Stunden vor dem Start leicht verdaulich und kohlenhydratreich (z.B. Weißbrot mit Honig). Wer will, kann kurz vor dem Start noch ein Gel essen.

Foto: Uwe Geißler


Material prüfen
Kontrollieren Sie die Reifen Ihres Rades auf Schäden und prüfen Sie die Bremsen und die Pedalplatten auf Verschleiß. Häufiger Grund für Pannen ist zu wenig Luft im Reifen. Wenn Sie den Zahnkranz wechseln, kontrollieren Sie, ob die Kettenlänge noch ausreicht, wenn Sie alle Gänge durchschalten. Eine kleine Luftpumpe und ein Ersatzschlauch am Rad halten Sie mobil. Sitzen die Trinkflaschen fest, der Transponder für die Zeitmessung sicher? Übrigens: Zeitfahraufsätze und Alu-Flaschen sind bei Jedermann-Rennen verboten.

Kleider machen Leute
Armlinge und Windjacke reichen bei trockenem Wetter und sind flexibler als ein Langarmtrikot. Größter Fehler bei schlechtem Wetter: eine dunkle Sonnenbrille – damit fahren Sie im Blindflug. Eventuell ist bei starkem Regen eine kurze Regenhose sinnvoll, in jedem Fall aber eine Radkappe unter dem Helm.

Foto: Uwe Geißler


Starten Sie im richtigen Block
Wenn Sie als Renn-Anfänger beim Start in der ersten Reihe stehen und gleich losjagen, werden Sie Ihre Kraft schnell verpulvert haben. In einem mittleren oder hinteren Startblock finden Sie eher eine Gruppe mit passender Geschwindigkeit.

Richtig Essen unterwegs
Um den Körper optimal zu versorgen, sollten Sie vor allem ausreichend trinken. Am besten geeignet ist ein selbst angerührtes Sportgetränk. Bei kürzeren Rennen (eine bis zwei Stunden) reicht das zur Energieversorgung – zusätzlich gibt es meist noch Verpflegungsstationen, an denen Sie Riegel, Bananen oder Obst bekommen. Finger weg von schwer verdaulichen Sachen wie Wurst- oder Käsebroten. Und probieren Sie Pulver, Gels oder Riegel auf jeden Fall vorher aus – nicht jeder verträgt z.B. die in vielen Riegeln enthaltene Fructose.

Bleiben Sie cool
Sie fühlen sich umzingelt von lauter Tour-de-France-Fahrern? Kein Stress – so mancher "Profi" wird am Ende hinter Ihnen in der Rangliste stehen. Nach dem Start geht’s mit hohem Tempo los, und an der ersten Verkehrsinsel oder engen Kurve wird hektisch gebremst. Egal was passiert, verhalten Sie sich im Rennen unbedingt ruhig. Nicht hektisch ausweichen und nicht ruckartig bremsen! Wenn Sie unsicher sind, reihen Sie sich eher am Ende einer Gruppe ein und orientieren Sie sich zum Fahrbahnrand, da ist das Feld meist weniger dicht, und Sie sehen besser nach vorne. Cool bleiben sollten Sie auch, wenn Sie Ihre Gruppe nicht mehr halten können. Minutenlang alleine im Wind hinterher zu jagen, ergibt selten Sinn. Haben Sie stattdessen Geduld und warten Sie, bis von hinten wieder jemand kommt. Gehen Sie längere Anstiege lieber zurückhaltend an und legen Sie weiter oben zu, wenn Sie noch Reserven haben, anstatt Ihre Kräfte direkt zu Beginn zu verpulvern. Das Gefühl für die richtige Renneinteilung müssen Sie selbst lernen. In jedem Fall sollten Sie auf den gefährlichen Schlussspurt um Platz 823 im engen Zielbereich verzichten.

Feiern Sie!
Sie haben Ihr erstes Jedermann-Rennen geschafft? Herzlichen Glückwunsch! Genießen Sie Ihren persönlichen Erfolg und freuen Sie sich auf das nächste Rennen. Ein konkretes Ziel ist die beste Trainingsmotivation.

Foto: Uwe Geißler