Die Hauptstraße zu Füßen der mächtigen Kufsteiner Festung war vollgepackt mit Radsportlern: Eine Rekordzahl von 1.515 Teilnehmer verkündete der Veranstalter bei der 9. Auflage des Kufsteinerland Radmarathons - die letzten entschieden sich bei sonnigen Wetter, aber kühlen Temperaturen morgens vor dem Start in letzter Minute für die Teilnahme. Danach dauerte es nicht lange, bis den Teilnehmerinnen und Teilnehmern warm wurde. Gleich an der Stadtgrenze wartete der erste längere Anstieg nach Thiersee - und kaum hatte man danach kurz durchgeschnauft, wartete die Rampe hinter dem Thiersee, die manchem Debütanten das Blut in den Adern erst stocken, dann sauer werden ließ: 10 Prozent geht es bergan - danach wusste jeder früh, wie die Beine für den Rest der Strecke sein würden. In rasender Fahrt ging es zurück ins Inntal und dann hügelig nach Kramsach, wo sich Lang- und Mittelstrecke (”Seen-Runde”) - für manchen Teilnehmer etwas schwer zu bemerken - teilten. Auf der “Radmarathon”-Strecke ging es von dort in die Höchstschwierigkeit des Tages: Der Straße von Kramsach hinauf nach Brandenberg auf fast 1.000 Meter - über vier Kilometer nochmals mit zweistelligen Steigungsprozenten. Malerisch ging es danach durchs Tal der Brandenberger Ache zurück an den Inn - nur blieb einem auf der technischen Abfahrt kaum die Zeit für Panoramablicke. Hinter Breitenbach musste man die letzte Entscheidung treffen - an der Gruppe dranbleiben oder doch kurz an der Verpflegungsstelle stoppen? Weiter ging es über wenige Wellen Richtung Ziel. Bei den Frauen gab es im Schatten der Kufsteiner Festung einen ganz knappen Zieleinlauf: Monika Fritz lag nach 3:21:50 Stunden nur eine Zehntelsekunde vor der Zweitplatzierten Lisa Hartung. Bei den Männern feierte der österreichische Bergmeister René Pammer nach 3:01:26 Stunden einen Solo-Sieg.
Besonders stolz ist man im Kufsteinerland über die gute Beteiligung von Radsportlerinnen. 19 Prozent betrug der Frauenanteil laut Veranstalter auf den insgesamt drei Strecken, auf der mit 120 Kilometern längsten “Radmarathon”-Runde waren es 156 Teilnehmerinnen (beim Ötztaler Radmarathon lag der Frauen-Anteil zuletzt bei rund acht Prozent). In Kufstein hat man offenbar die richtige Ansprache gefunden. “Radsport, auch der Hobbyradsport, war immer ein männerdominierter Sport”, sagt Lulu Keller von der Interessensgruppe Female Cycling Force in München, die mit dem Veranstalter kooperierte. Dort sind sie sich sicher: Frauen ziehen andere Frauen mit. Gemeinsam wollen der Münchner Club und der Tiroler Radsportveranstalter Frauen mehr Mut machen, sich bei Radmarathons zu messen - und sich dort nicht alleingelassen zu fühlen.
Die Veranstaltung mit Start und Ziel in Kufstein ist zumindest vorläufig an die Grenzen des Wachstums gelangt - wie das dichte Gedränge auf dem Stadtplatz vor dem Start und bei der Pastaparty nach dem Zieleinlauf zeigte. Zudem ist die Strecke auf dem schmalen Innradweg für die immer größeren Felder bei Gegenverkehr kaum noch gefahrlos machbar. Zudem würden Straßensperrungen in den ersten Stunden auf den gefährlichen Abschnitten zwischen Kufstein und Hinterthiersee Sinn machen - immer wieder gab es riskante Momente, wenn sich Autos auf der Strecke und damit in den Radlergruppen bewegten.
Die nächste Auflage ist bereits geplant: Am 23. August 2026 steigt die 10. Ausgabe des Radmarathons im Kufsteinerland. Dann startet erstmals der Tiroler Rennrad Cup, für den der Radmarathon Imst (17. Mai), der Arlberg Giro (2. August) und als Abschluss die Runde im Kufsteinerland in einer Gesamtwertung vereint werden.

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