Race Across AmericaPhilipp Kaider startet erneut beim RAAM

Kristian Bauer

 · 15.06.2026

Race Across America: Philipp Kaider startet erneut beim RAAMFoto: Kornherr
Philipp Kaider
Der Niederösterreicher Philipp Kaider geht am 16. Juni zum zweiten Mal beim Race Across America an den Start. Nach seiner Premiere 2025 mit einer Zeit von 8 Tagen, 22 Stunden und 32 Minuten über 4900 Kilometer will der 40-Jährige die Erfahrung nutzen, um Abläufe zu verbessern. Ein elfköpfiges Betreuerteam begleitet ihn durch die USA.

Themen in diesem Artikel

Der Ultra-Radsportler aus Wolkersdorf kehrt zum härtesten Radrennen der Welt zurück. Was als Versuch begann, dem Suchtdruck des Rauchens zu entkommen, machte Philipp Kaider zu einem der erfolgreichsten Athleten seiner Disziplin. Seine zweite Teilnahme am Race Across America führt ihn erneut von Oceanside in Kalifornien nach Atlantic City in New Jersey. Die Strecke misst rund 4900 Kilometer und verläuft durch Wüsten, über die Rocky Mountains auf 3000 Metern Seehöhe bis an den Atlantik.

Vom rauchenden Musiker zum Sportler

Kaider war bis vor zehn Jahren ein starker Raucher und lebte damals vor allem für die Musik. Mit seiner Band – die Mundart-Rock spielte – verbrachte er einen Großteil seiner Zeit bei Proben und Auftritten. Zigaretten und Alkohol gehörten damals ganz selbstverständlich zu seinem Alltag dazu. Mit 27 Jahren erlebte er einen entscheidenden Wendepunkt: Die Band löste sich auf, und durch seinen Schwiegervater kam er erstmals mit dem Radfahren in Berührung. Die Begegnung mit Bernhard Kornherr, der ihn für den Ultracycling-Sport begeisterte, tat ihr Übriges. Dieser Moment ließ ihn sein Leben grundlegend umkrempeln – er warf alles in einen Topf und startete neu. Aus dem leidenschaftlichen Musiker und Raucher wurde ein Radsportler, der seinen Fokus fortan konsequent auf den Sport ausrichtete.

RAAM-Sieger Kaider

Bei seiner ersten Teilnahme 2025 bewältigte Philipp Kaider die Distanz in 8 Tagen, 22 Stunden und 32 Minuten und gewann das RAAM. Temperaturen über 40 Grad Celsius in der Wüste wechselten sich mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt in den Bergen ab. Tagelanger Regen, starker Gegenwind, Schlafentzug und körperliche Erschöpfung prägten das Rennen. Trotz dieser Bedingungen zog Kaider ein positives Fazit: „Als ich im Ziel stand, dachte ich nur: Wie geil war das bitte! Ich hatte noch nie über einen so langen Zeitraum so viel Spaß am Radfahren.” Während andere Athleten nach solchen Strapazen an Erholung denken, stand für ihn bereits im Ziel fest, dass er bei passender Finanzierung erneut starten möchte. In einem Interview mit Sport Aktiv erinnert er sich vor allem an die Hitze: “Ich denke direkt an die Abfahrt Glass Elevator bei Borrego Springs, die runter in die kalifornische Wüste führt. Du fährst in eine Hitzewand, das fühlt sich an, wie wenn du das Backrohr aufmachst und guckst, ob die Erdäpfel schon fertig sind.”

Meistgelesene Artikel

1

2

3

4

5

Philipp Kaider beim Race Around Niederösterreich

Drei Wochen vor dem Start absolvierte Philipp Kaider das Race Around Niederösterreich. Gemeinsam mit Kabarettist Gery Seidl und Ernährungsberater Axel Dinse bildete er ein Dreierteam. Die Vorbereitungen neben seiner Arbeit als Intensivkrankenpfleger und seinem Start-Up „No Carbs, No Glory!” verliefen nach eigenen Aussagen nach Plan.

Seit zwei Wochen bereitet sich Kaider in Borrego Springs vor. Der kleine Wüstenort in Kalifornien bietet wenig Verkehr und konstante Bedingungen für die finalen Trainingseinheiten. „Borrego Springs ist ein schönes Kaff, wo eigentlich nichts passiert. Durch die vielen Trainingsfahrten weiß ich nun, wie ich am schnellsten hier durchkomme! Von Tag zu Tag ist es jetzt wärmer geworden”, beschreibt er die Situation. Die Prognosen für seinen Start zeigen Temperaturen über 40 Grad Celsius. Die gefühlte Temperatur könnte sogar die 50-Grad-Marke überschreiten.

„Da gehst du eigentlich ziemlich ein”, sagt Kaider in einer Medienmitteilung. „Aber genau diese Surrealität macht den Reiz des Rennens aus. Die Weite, die Länge der Strecke und die extremen Bedingungen – das ist die Faszination dahinter. Eigentlich sind es genau die widrigen Bedingungen, die dieses Rennen so besonders machen.” Bis Freitag blieb er gemeinsam mit Bernhard Kornherr in Borrego Springs. Mit Kornherr bestritt er seine ersten Ultrarennen.

Zielsetzung von Philipp Kaider

Philipp Kaider betrachtet die zweite Teilnahme nicht als Wiederholung. „Ich nehme mir vor, das Rennen wieder genauso gut zu absolvieren und möglichst wenige Probleme zu haben. Die größte Herausforderung wird sein, wieder genauso viel Spaß zu haben”, erklärt er. „Vor allem darf man sich nicht ständig mit dem Vorjahr vergleichen. Man muss das Ganze wie ein neues Projekt angehen.” Die Erfahrung aus 2025 soll dennoch genutzt werden, um Abläufe zu verbessern. „Ich hatte im letzten Jahr relativ viele kurze Stehzeiten. Da möchte ich effizienter werden.”

Elfköpfiges Betreuerteam

Das Betreuerteam reiste am 12. Juni in die USA. Elf Personen werden Kaider durch die Vereinigten Staaten begleiten. Die Gruppe besteht aus erfahrenen Betreuern und Neulingen. In der Nähe von Oceanside werden die finalen Vorbereitungen abgeschlossen, bevor das Rennen zur Mittagszeit beginnt. Die genaue Startzeit hat der Veranstalter noch nicht veröffentlicht.

Sonne Radl-Challenge für Malawi

Seine gefahrenen Kilometer widmet der Wolkersdorfer erneut der Sonne Radl-Challenge. Das Rad-Community Event läuft den gesamten Juni. Sponsoren wandeln jeden erradelten Kilometer in Spenden um, damit Kinder in Malawi Zugang zu Schulbildung und Sportunterricht erhalten. „Jeder, der ein Rad hat, ist ja eigentlich verpflichtet, dass er mitmacht. Man kann mit einem sehr sehr geringen Aufwand das Leben eines Kindes verändern!”, so Philipp Kaider.

Fans können das Rennen über eine offizielle Tracking-Plattform live verfolgen. Die Plattform zeigt Kaiders Position in Echtzeit während seiner Fahrt durch Wüsten, Gebirge und bei unterschiedlichen Wetterbedingungen. Für den 40-Jährigen beginnt eine Reise durch schlaflose Nächte und Wetterextreme auf zwei Rädern.


Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Kristian Bauer

Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

Meistgelesen in der Rubrik Event