Der 44. Ötztaler Radmarathon lockt über 4.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 40 Nationen ins Ötztal. Die Veranstaltung gilt als der wichtigste Radmarathon in Europa und führt offiziell über 227 Kilometer und 5.500 Höhenmeter. Besonders stark besetzt ist in diesem Jahr das Elitefeld: Bei den Männern gehen mit Jack Burke (Kanada/2024, 2022), Johnny Hoogerland (Niederlande/2021), Stefano Cechini (Italien/2017), Bernd Hornetz (Deutschland/2016) sowie den Österreichern Markus Kremser (1991) und Ekkehard Dörschlag (1986, 1987, 1988, 1989) gleich sechs ehemalige Sieger an den Start. Bei den Damen kehren mit Janine Meyer (Deutschland/2023, 2024), Catherine Rossmann (Deutschland/2022), Monika Dietl (Deutschland/2013) und Brigitte Vasselai (Italien/1999) vier frühere Siegerinnen zurück. Für die meisten der 4.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer steht jedoch nicht der Kampf um die Spitzenplätze im Vordergrund, sondern das persönliche Ziel, die anspruchsvolle Strecke zu bewältigen. Wer nicht vor Ort ist, kann am Sonntag von 6:15 Uhr bis ca. 21.30 Uhr das Rennen im Livestream (oben) verfolgen.
Die Veranstaltung beginnt bereits am Freitag mit der dritten Livesendung des Ötztaler Radmarathon TV (ÖRM TV). Ab 18:30 Uhr werden die Favoriten und Prominente wie Skibergsteigerin Sarah Dreier oder Ex-Biathlet Simon Eder erwartet. Am Samstag, 30. August, öffnet die Bike Expo mit der Startnummernausgabe von 9:00 bis 20:00 Uhr. Ein besonderes Highlight folgt um 16:30 Uhr mit der Live-Ausstrahlung des Podcasts von Marco Brugger in der Sporthalle der Freizeit Arena. Als Gäste begrüßt er Jana Kesenheimer und Snowboard-Olympiasieger Benjamin Karl. Jana Kesenheimer hat dieses Jahr das Trancontinental Race in 12 Tagen, 3 Stunden 32 Minuten gefinished: erste Frau, achte in der Gesamtwertung. Um 18:00 Uhr findet das offizielle Fahrerbriefing statt, das sowohl vor Ort als auch via Live-Stream verfolgt werden kann. Die umfangreiche Betreuung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird durch ein 1.300-köpfiges Helferteam gewährleistet, das die Strecke absichert, Verpflegung bietet und für einen reibungslosen Ablauf sorgt.
Der Startschuss für den 44. Ötztaler Radmarathon fällt am Sonntag, 31. August, um 06:30 Uhr mit dem traditionellen Kanonenschuss der Schützenkompanie Sölden. Die Strecke führt über vier anspruchsvolle Pässe: Kühtai, Brenner, Jaufenpass und Timmelsjoch. Der Sieger wird ab 13:15 Uhr im Ziel erwartet. Als Topfavorit gilt der in Tirol lebende Kanadier Jack Burke, der nach seinen Siegen 2022 und 2024 den Hattrick anstrebt. "Die Saison ist bisher sehr gut gelaufen und der Ötztaler ist mein Heimrennen. Ich fühle mich stark und die Vorbereitung war perfekt", erklärt Burke. Allerdings warnt er: "Heuer sind viele klingende Namen am Start, deshalb tippe ich auf einen Außenseitersieg. Viele werden uns beobachten und vor den entscheidenden Bergen viel Zeit herausholen."
Zu Burkes stärksten Herausforderern zählt der Niederländer Johnny Hoogerland, Sieger von 2021 und UCI-Amateur- sowie Gravel-Weltmeister. "Es gibt viele Favoriten, bei so einem harten Rennen muss einfach alles passen. Aber es kommen jedes Jahr junge, hungrige Fahrer nach. Darum wird es immer schwieriger, beim Ötztaler Radmarathon ein Top-Ergebnis zu schaffen", sagt der 42-Jährige. Mit dem Kärntner Hans-Jörg Leopold steht ein weiterer ernsthafter Anwärter auf das Podium am Start. Der 42-jährige Ex-Profi wurde in den Jahren 2024 und 2021 jeweils Zweiter hinter Burke und Hoogerland, 2022 und 2023 verpasste er als Vierter jeweils knapp das Podest. Für dieses Jahr dämpft er jedoch die Erwartungen: "Meine Erwartungen für heuer sind nicht zu hoch. Ich selbst schätze mich zwischen Rang fünf und zehn ein."
Der dreifache MTB-Marathonweltmeister Alban Lakata zählt ebenfalls zum erweiterten Favoritenkreis. Der Osttiroler hat mit dem Ötztaler Radmarathon noch eine Rechnung offen: Nach zwei vierten Plätzen, einem zweiten und einem dritten Rang fehlt ihm noch der Gesamtsieg. "Dieser Sieg ist nach wie vor das große Ziel. Die Vorbereitung in diesem Jahr verlief nahezu perfekt. Also Feuer frei am Sonntag!", zeigt sich Lakata kämpferisch. Auch der ehemalige MTB-Eliminator-Weltmeister Daniel Federspiel gehört mit seinen 38 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen. Der Imster gewann bisher alle Ausgaben des Bike4Help-Bergsprints, an denen er teilnahm, und schaffte es mit den Plätzen fünf, sechs und sieben bereits dreimal in die Top-Ten der Gesamtwertung. "Der Sprint ist echt eine tolle Veranstaltung, aber ich spare heuer lieber die Kräfte für Sonntag", erklärt Federspiel, der dieses Jahr auf den Bergsprint verzichtet.
Bei den Damen gilt die Deutsche Janine Meyer als klare Favoritin. Im Vorjahr lieferte sie beim Ötztaler Radmarathon eine beeindruckende Vorstellung ab: Mit einem Start-Ziel-Sieg stellte sie mit der Zeit von 7:26.26,8 Stunden einen neuen Streckenrekord auf und holte nach 2023 ihren zweiten Triumph. Ihre schärfste Konkurrentin dürfte ihre Landsfrau Catherine Rossmann sein, die 2022 den Ötztaler Radmarathon für sich entscheiden konnte. Aus lokaler Sicht könnten zwei Athletinnen in die Top-20 vorstoßen: Vom Mitveranstalterverein URC Ötztal sind mit Daniela Kneisl und Marie-Theres Gurschler zwei Damen am Start, die im Vorjahr bereits unter neun Stunden fuhren. Heike Klotz von der OK-Leitung freut sich über die wachsende Beteiligung von Frauen: "Generell ist es sehr erfreulich, dass immer mehr Frauen begeisterte Rennradfahrerinnen sind. Heuer gehen über 400 Damen an den Start – knapp zehn Prozent des gesamten Starterfeldes und damit eine Steigerung von rund 18 Prozent zum Vorjahr."
Neben den Radmarathon-Spezialisten nehmen auch in diesem Jahr wieder prominente Sportlerinnen und Sportler aus anderen Disziplinen teil. Im Vorjahr überraschte der ehemalige Spitzenskifahrer Manfred Moelgg mit einer fantastischen Zeit von 7:46.59,9 Stunden. Damit erreichte der Südtiroler nur eine knappe Stunde hinter Sieger Jack Burke als Gesamt-96. das Ziel. Heuer wird Moelgg wieder mit seinem Landsmann Werner Heel antreten. Snowboard-Olympiasieger Benjamin Karl peilt eine Zeit um die acht Stunden an, während Skibergsteigerin Sarah Dreier ihre Premiere beim Ötztaler Radmarathon feiert. Am Renntag selbst startet der 15-stündige Live-Stream des ÖRM TV ab 06:15 Uhr. Für Unterhaltung sorgt ab 12:00 Uhr Einradartist David Weichenberger mit einer Show samt Workshop. Zwischen 11:00 und 16:00 Uhr gibt es umfangreiche Aktivitäten für Kinder und Jugendliche beim Bürogebäude des Ötztal Tourismus. Ein emotionaler Höhepunkt wird gegen 20:30 Uhr erwartet, wenn die letzte Gruppe mit Eskorte nach Sölden begleitet und dort von den Zuschauern empfangen wird.

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