2026 bietet Grevet 28 regionale Events und drei Langstreckenfahrten an, die auf historischen Routen aus den 1890er-Jahren basieren. Die Veranstaltungsreihe verzeichnete 2025 bereits 850 Teilnehmer und rechnet für die kommende Saison mit über 1.200 Startern. Das Format setzt auf selbstständige Fahrten innerhalb mehrwöchiger Zeitfenster statt auf klassische Rennen mit Startschuss und Zeitmessung.
Grevet organisiert seit 2021 Gravel-Langstreckenfahrten ohne Wettkampfcharakter. Teilnehmer fahren die Strecken auf ihrem Gravelbike eigenständig innerhalb eines festgelegten Zeitraums. Wer die Distanz absolviert, wird als Finisher gelistet – ohne Platzierung oder Zeitranking. Die Strecken bestehen aus Schotter, Waldwegen und unbefestigten Passagen, asphaltlastige Routen werden bewusst gemieden.
Das Quartett-Format gliedert jede Region in vier Events mit steigender Distanz zwischen 100 und 400 Kilometern und damit auch für Gravelbike-Einsteiger. Die Abstufung ermöglicht einen strukturierten Saisonaufbau vom Frühjahr bis zum Sommer. Jede Strecke bleibt mehrere Wochen befahrbar. Ein zusätzlicher Social Grevet pro Event bietet einen gemeinsamen Starttag, ohne Gruppenfahren zu erzwingen.
Bayern startet am 3. April mit Distanzen zwischen 140 und 300 Kilometern, organisiert von Gravel Bavaria. Die Serie läuft bis 9. August. Berlin/Brandenburg bietet zwischen 4. April und 26. Juli Strecken von 150 bis 400 Kilometern, betreut durch CXBerlin. Die neue Region Franken umfasst 120 bis 300 Kilometer durch die Fränkische Schweiz und entlang der Romantischen Straße bis München. SALA Cycling Collective organisiert die Events zwischen 15. April und 27. Juli. Hamburg führt von der Lüneburger Heide bis zur Mecklenburger Ostseeküste über 140 bis 400 Kilometer. Northern Light(s) Road & Gravel betreut die Serie vom 3. April bis 26. Juli. Der Niederrhein deckt die Rhein-Maas-Region, den Reichswald und die niederländische Grenze ab. Der Cycling Club Düsseldorf organisiert vier Grevet Events zwischen 100 und 400 Kilometern vom 20. März bis 24. Juli. Österreich bietet 150 bis 270 Kilometer durch die Steiermark, organisiert von den Gravel Grinders Graz zwischen 21. März und 26. Juli. Thüringen schließt die regionalen Quartette mit 125 bis 300 Kilometern ab, betreut durch Gravel Eichsfeld Thüringen vom 11. April bis 12. September.
Hinter jeder Region steht ein lokales Team, das die Strecken aus eigener Erfahrung mit dem Gravelbike kennt. Die Routen entstehen nicht durch externe Routenplaner oder Algorithmen, sondern durch Fahrer, die ihre Wege selbst gefahren sind. Teams wie CXBerlin, Gravel Bavaria und die Gravel Grinders Graz entwickeln die Strecken basierend auf Ortskenntnis.
Die drei Supergrevets reaktivieren Distanzradfahrten aus der Pionierzeit zwischen 1892 und 1914. Wien–Triest startet am 25. Juli 2026 um 10:00 Uhr in Wien Inzersdorf. Die 650 Kilometer lange Strecke mit 14.000 Höhenmetern führt über die Steiermark und alpine Übergänge ans Adriatische Meer. Die Route wurde erstmals 1892 ausgetragen.
Neu hinzugekommen ist Mailand–München. Die transalpine Distanzradfahrt wurde 1894 erstmals gefahren. Die 750 Kilometer lange Strecke mit 12.000 Höhenmetern startet am 29. August 2026 um 10:00 Uhr an der Porta Romana in Mailand. Die Route führt über einen hochalpinen Übergang auf über 2.200 Meter ins bayerische Voralpenland. Eine Finisherparty findet am 3. September bei 3 Mills München statt.
Basel–Kleve wird nach 1894 erstmals wieder befahrbar. Die 750 Kilometer lange Grevet-Strecke startet am 26. September 2026 um 10:00 Uhr in Basel und folgt dem Verlauf des Rheins. Fritz Opel gewann 1894 im Sprint um Sekunden. Die Finisherparty findet am 30. September bei Cycle Collective Meerbusch statt.
Die ursprünglichen Distanzradfahrten zwischen 1892 und 1914 wurden unter extremen Bedingungen gefahren. Stahlrahmen wogen zwischen 11 und 16 Kilogramm, die Räder hatten starre Übersetzungen und Stempelbremsen. Bei Abfahrten stellten die Fahrer ihre Füße auf Rasten ab. Wolltrikots wogen nach der Fahrt durch Staub und Wasser bis zu neun Kilogramm mehr als zu Beginn. Gründer Tim Sparenberg beschreibt die Motivation: "Was mich an den frühen Distanzfahrten fasziniert, ist der wilde Pioniergeist: ohne Gangschaltung, ohne Freilauf, mit Stempelbremse über die Alpen. Diese Männer waren über hunderte Kilometer weitgehend auf sich gestellt. Genau diese Form des selbstbestimmten Fahrens wollten wir wieder zugänglich machen – allerdings ohne Wettbewerb und Ranglisten."

Redakteur