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30 Jahre Ötztaler: Interview mit Ernst Lorenzi

Unbekannt

 · 30.06.2011

30 Jahre Ötztaler: Interview mit Ernst LorenziFoto: Privat

Der Ötztaler feiert seinen 30. Geburtstag. TOUR hat mit Organisationschef Ernst Lorenzi gesprochen:

Der Ötztaler Radmarathon feiert seinen 30. Geburtstag. TOUR hat mit Organisationschef Ernst Lorenzi über Gegenwart und Zukunft des Ötztalers gesprochen:

TOUR: Ist der Ötztaler heute ein Selbstläufer?
Lorenzi: Auf keinen Fall, es wird immer schwieriger, eine Genehmigung zu bekommen. Die Streckensperrung gelingt uns nur durch gute Beziehungen zu den Hoteliers und Politikern. Die Busunternehmer in Innsbruck können an diesem Tag keine Wanderer ins Sellrain bringen und auch im Wipptal und am Timmelsjoch gibt es Kritik an der Straßensperrung. Zugespitzt hat sich die Lage am Jaufenpass, wo der Wirt vom Jaufenhaus über Verdienstausfälle klagt verhindern will, dass wir eine Durchfahrtsgenehmigung erhalten und eine Verpflegungsstelle aufbauen.

Es wird immer behauptet der Ötztaler macht keinen Gewinn. Rund 400.000 Euro Startgeld müssen aber irgendwo hinfließen?
So lange ich Organisationsleiter bin, wird der Ötztaler keinen Gewinn machen, weil wir das Geld für das Wohl der Radfahrer ausgeben. Allein die TV-Produktion und der TV-Vertrieb kosten 70.000 Euro und wir haben 780 Helfer, die bezahlt werden wollen.

Es gab Diskussionen über ein Profi-Rennen. Wie ist da der Stand?
Wir haben mit der UCI über ein WorldTour-Rennen auf der Strecke des Ötztaler Radmarathons gesprochen. Diese Vorschläge wurden aber vom Professional Cycling Council (Anm. d. Red.: UCI Kommission mit Vertretern von Fahrern, Teams und Veranstaltern) abgelehnt. Die genauen Gründe für die Absage weiß ich noch nicht.

Hatten Sie nicht Angst, dass sie Hobbysportler die dopingbelasteten Profis ablehnen?
Nein, es ist immer noch so, dass die Leute zu den Profis aufschauen, egal ob sie dopen oder nicht. Der Radsport hat sicher die meiste Aufklärung geleistet von allen Sportarten.

Wie sieht die Zukunft des Ötztaler Radmarathons aus?
Was die Teilnehmerzahlen anbelangt, sind wir ganz oben angelangt. Es macht keinen Sinn auf 6.000 oder 8.000 Starter aufzustocken. Ich würde mir aber wünschen, dass der Ötztaler zusammen mit anderen Top-Events in Europa eine Serienwertung anbietet. Ich hoffe auch, dass wir die Sternfahrt nach Sölden zukünftig aus allen vier Himmelsrichtungen anbieten können. Da werden wir in diesem Jahr schauen, ob die Leute das mögen. In technischer Hinsicht ist vieles denkbar: Ein Ausbau der TV-Berichterstattung oder ein GPS-Tracking aller Teilnehmer übers Internet. Dann könnten Freunde und Angehörige das Rennen live verfolgen!

Interview: Kristian Bauer