TOUR Transalp 2026Die Etappen 5 und 6 im Detail

Kristian Bauer

 · 04.04.2026

TOUR Transalp 2026: Die Etappen 5 und 6 im DetailFoto: Piarazzi
Teamwork bei der TOUR Transalp
​Etappenvorschau TOUR Transalp 2026: Die fünfte und die sechste Etappe der TOUR Transalp 2026 versprechen einen spektakulären Ausklang: Eine Premierenroute über den Monte Grappa und Spitzkehren ohne Gnade durch das Valstagna. Das Alpen-Etappenrennen vom 21. bis zum 27. Juni 2026 ist 726 Kilometer lang und wartet mit 16.423 Höhenmetern.

Themen in diesem Artikel

Etappe 5: Possagno – Semonzo

Der Monte Grappa hat eine ganz besondere Anziehungskraft auf Radsportler, so sehr dass die Weltspitze beim Giro d’Italia im Mai 2025 auf einer Etappe gleich zweimal zum Gipfel hinauf geklettert ist. Zweimal da hinauf, wo wir gestern hinunter gesaust sind und zweimal da hinab nach Romano d’Ezzelino, wo auch heute die Abfahrt der Transalp geplant ist. Und auch ohne die Profis, trifft man auf diesen Straßen immer begeisterte Radsportler. Ganz unten zu Füßen des Berges trifft man die sogar das Ganze Jahr über. Dass der Berg einen festen Platz in der Transalp hat, kommt nicht von ungefähr, es lohnt sich einfach immer wieder, hier her zu kommen. Dennoch haben wir nach vielen Überfahrten mit dem Grappa noch eine Rechnung offen. Da gibt es eine Straße, die noch nie Teil der Strecke er TOUR Transalp dwar. Wie schon gesagt, sind alle Verkehrswege an seiner Südflanke die Definition des Begriffs „Panoramastraße“. Aber dieses Stück, das noch gefehlt hat, sticht noch einmal heraus. Diese Straße beginnt am Monte Tomba, einer 800 Meter hohen Schulter ganz im Osten, die bereits im Rahmen der Transalp überfahren wurde. Von dort schlängelt sich eine schmale Straße in engen Kehren hinauf ins Almgelände unterhalb des Gipfels – und immer hat man das weite Land – bei klarer Luft bis zum Meer – im Blick. Bald zieht sich die Strecke etwas zurück und schlängelt sich in einen grünen Kessel mit saftigen Almwiesen unterhalb des Gipfels. Aber schon bald geht es wieder hin zu den südlichen Bergwänden und hin zu dem Grund, warum dieses Teilstück solange auf seinen Auftritt bei der warten musste. Die Straße war einige Jahre gesperrt weil ein paar Felstunnels renoviert werden mussten. Jetzt steht diese Ost-Verbindung zum Gipfel aber wieder, auch die Verbindung zu einem weiteren Stück Panoramastraße mit unendlichem Weitblick und zu dieser bereits erwähnten, zweiten Abfahrtvariante über Campo Solagna hinab nach Romano d’Ezzelino. Die ist ebenso rassig wie die von gestern, mit einem kurzen Zwischenanstieg aber etwas länger und im Schnitt nicht ganz so steil. Zwei flache Kilometer bis Semonzo ins Ziel dieser Etappe schließen diese neue und spektakuläre Ost-West-Traverse über den Monte Grappa ab.

Prosecco im Blick

Da fehlt aber noch etwas: Das wundervolle Intro zu dieser Gipfelrunde. Vom Monte Tomba im Osten hat man einen sehr guten Blick in die Prosecco-Hügel rund um Valdobbiadine. Die Prosecco-Hauptstadt liegt auf der östlichen Seite des Flusses Piave nur drei, vier Kilometer vom Fuße des Monte Grappa entfernt. Ringsum gibt es sonnige Hügel voller Rebstöcke, eine kitschig schöne leuchtend grüne Kulturlandschaft, die mit roten Ziegeldächern der Dörfer und Weingüter alle Postkartenklischees erfüllt. Und mittendurch schlängeln sich Sträßchen im Auf und Ab über und um die Hügel. Ein Heidenspaß ist es, mit dem Rennrad hier durchzustreifen. Nicht umsonst findet hier im September jeden Jahres eine Radsportveranstaltung statt, mit dem klangvollen Namen „Prosecco Cycling“. Und eben genau so ein hügeliges Stück davon ist dieser Bergetappe vorgelagert. Diese Etappe hat zwei Welten und dieser Mix ist ebenso betörend wie ein prickelnder Prosecco.

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TOUR Transalp Etappe 6: Semonzo – Lavarone

Und wieder tauchen wir in eine ganz andere Welt ein. Zwischen Bassano del Grappa mit dem Fluss Brenta und dem Etschtal bei Trento weiter im Westen erhebt sich eine gewaltige Hochebene. Dabei schließt an den östlichen Teil der Sette Communi, der 7 Gemeinden rund um Asiago, weiter im Westen die Alpe Cimbra an, der Teil mit den Orten Folgaria, Luserna und Lavarone, dem Ziel dieser Etappe. Die riesige Felsplatte hat im Norden ein paar Auswüchse, die sogar über 2000 Meter hohe Gipfel schaffen, und von allen Seiten schroffe Taleinschnitte, tiefe Risse im Rand, mit steilen Wänden, die imposante Schluchten bilden. Eine dieser Schluchten ist das Valstagna mit einer der skurrilsten Straßen der Geschichte der TOUR Transalp. In Spitzkehren windet sich die Straße wie bei steilen Treppenstufen die Wand hinauf. Aber zwischen den Kehren gibt es keine Geraden. Hier reihen sich Kurven an Kurven, ein einziges Geschlängel und in der Summe unendlich spektakulär. Nach 800 Metern schwindelig machender Kletterei hat man Foza erreicht, den ersten Ort der Sette Communi.

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Grüne Hochebene

Hier hat sich ein altdeutscher Dialekt gehalten, eine sehr lokale Sprache, in der auch die Ortsnamen auf die Schilder geschrieben sind. Foza heißt auch „Vüsche“, Asiago heißt auch „Sleghe“. Richtig deutlich wird die Verbindung zum Deutschen aber im Ort Mezzaselva, wo man „Mitterballe“ leicht mit Mittenwald in Verbindung bringt. Hier oben ist Bauernland, Land der Almen, eine Käsehochburg, ein grüner Teppich unterbrochen von Feldern. In Rotzo werben Schilder für die Kartoffeln, die man hier anbaut. Kleine Wälder unterbrechen das Kulturland. Die Wolken und manchmal auch der Nebel spielen mit der kupierten Landschaft und mit den Taleinschnitten. Wenn man mit dem Rad einmal oben ist, bleibt man erst mal oben und cruist im leichten Auf und Ab dahin. Das ist ein tolles Radrevier, vor allem im Sommer, weil sich hier ein etwas kühleres Mikroklima hält. Man kann der Hitze unten entfliehen. Einer der großen Einschnitte in die Hochebene ist in deren Mitte das Valdastico, das sich bis zu unserem Ziel auf der Alpe Cimbra erstreckt.

Steile Abfahrt bei der TOUR Transalp

Hinab ins Tal führt eine Straße, die nicht minder spektakulär ist wie die durch das Valstagna: die Pedescala. Doch genauso groß wie das Spektakel und der Spaß sind auch der Respekt und die Konzentration, die gefragt sind, um die vielen Kurven und Kehren sicher zu meistern. Im Tal angekommen gibt es zwei Wege zurück auf die Hochebene. Gleich rechts hinauf nach Carbonare, der kurze Weg wie zuletzt bei der Transalp 2024. Oder links den langen Weg über Arsiereo und Tonezza wie zuletzt 2018. Langer Rede kurzer Sinn: Es wurde wieder einmal Zeit für den langen Weg, weil dieser Anstieg wiederum sehr lohnend ist, weil er tolle Ausblicke bietet und die Straße ein weiteres Mal ausgesprochen reizvoll mit den steilen Bergwänden spielt. Jetzt erreichen wir den höchsten Punkt dieser Etappe auf 1500 Metern Höhe auf der Malga Melgnon. Wir sind zurück im grünen Almenland und dürfen uns auf freie Blicke über das weite Land freuen. Bald ist der Passo del Sommo zwischen Folgaria und Carbonare erreicht und einen kleinen Betrug müssen wir leider zugeben: ihn in die Liste der Pässe aufzunehmen. Aus unserer Richtung fährt man diesen Pass nämlich von der Seite kommend von oben an. 250 Meter tiefer liegt Carbonare und nach der letzten, kurzen Abfahrt dieser Etappe wartet Lavarone, unser Etappenziel, nur 5 Kilometer weiter weg.

Info TOUR Transalp 2026

  • Datum: Sonntag, 21. Juni bis Samstag, 27. Juni 2026
  • Etappen: sieben Etappen, optional auch drei oder vier
  • Strecke: 726 Kilometer, 16.423 Höhenmeter
  • Start: Lienz (Österreich)
  • Ziel: Riva del Garda (Italien)
  • Basis-Paket ab 1299 Euro / Premium-Paket 1799 Euro
  • Info: www.tour-transalp.de
Kristian Bauer

Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

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