Pässe: Passo Valles, Passo Rolle | Schwierigkeit: 3/5
Nach der anspruchsvollen Königsetappe wird es zwar etwas kürzer, aber die Etappe hat es in sich. Die Kilometerangaben mögen für Rennradfahrer unspektakulär wirken, doch auf keiner anderen Etappe ist das Verhältnis von Höhenmetern zu Kilometern höher. Auf weniger als 50 Kilometern kommen fast 1800 Höhenmeter zusammen - es ist nie flach! Diese Etappe sollte man trotz der kürzeren Zeit im Sattel nicht unterschätzen.
Der Start erfolgt mit einer abwechslungsreichen Runde durch die Dörfer über Falcade. Die Strecke führt vorbei an alten Bauernhäusern und Schuppen aus von der Sonne gegerbtem, dunkelbraunen Holz, durch einen Teppich saftig grüner Bergwiesen, durch die sich ruhige Straßen schlängeln. Erst wenn Falcade im Talgrund wieder erreicht ist, beginnt der eigentliche Anstieg.
Die beiden Pässe Passo Valles und Passo Rolle zählen zu den absoluten Klassikern der TOUR Transalp. Ihre stetige und moderate Steigung sowie die Anlage der Straßen sind ideal fürs Rennradfahren. Allerdings ist auf der durchaus rassigen Abfahrt vom Valles ins Val Travignolo Konzentration gefragt, da schnelle Geraden und enge Kurven einen etwas unvorhersehbaren Mix ergeben.
Das landschaftliche Highlight sind die Pale di San Martino, die das südlichste Massiv der Dolomiten bilden. Diese Türme kratzen dermaßen schroff, spitz und erhaben am Himmel, dass sie einen würdigen Schlussakkord nach zwei Tagen in diesem extravaganten Gebirge setzen. San Martino liegt diesen beeindruckenden Bergen zu Füßen, und nach dieser "Sprintetappe" bleibt sicher etwas mehr Zeit, das erstklassige Bergpanorama in Ruhe und vollen Zügen zu genießen.
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Pässe: Passo Croce d'Aune, Monte Grappa | Schwierigkeit: 4/5
Tag vier fordert das fotografische Gedächtnis besonders heraus, denn völlig unterschiedliche Landschaften müssen in den richtigen Kontext gebracht werden. Die Strecke führt vom Bergdorf am Fuße der 3000-Meter-Plus-Wolkenkratzer der Pale di San Martino in nur wenigen Stunden dorthin, wo die Trauben für den Prosecco gedeihen. Das sind zwei Welten - optisch, kulturell und klimatisch. Diese Etappe ist eine kleine Transalp in sich.
Possagno räkelt sich auf nur noch 200 Metern über dem Meer an den Südrand des Monte-Grappa-Massivs in der Sonne. Auf dem Weg dorthin stellen sich allerdings noch zwei bedeutende Anstiege in den Weg.
Der Passo Croce d'Aune, zuletzt 2023 bei der TOUR Transalp überquert, ist ein unscheinbarer Pass im Hinterland von Feltre. Seine Rampe schlängelt sich durch malerische Dörfer hinauf und bietet danach eine flotte Abfahrt bis vor die Tore von Feltre.
Der Monte Grappa, der zweite Berg dieser Etappe, ist ein weitläufiges Massiv mit grün bewachsenen Flanken. Sein Gipfel knackt gerade noch die 1700-Höhenmeter-Marke - nichts im Vergleich zu den Dolomitengipfeln. Das macht dem Grappa aber gar nichts, denn stolz thront er 1500 Meter über der Ebene zu seinen Füßen. Er ist der letzte echte Berg der Alpen - bis zur Adria hat das Gebirge danach nichts mehr anzubieten außer ein paar mickrigen Zypressenhügeln.
Von hinten angefahren wirkt der Grappa noch wenig spektakulär. Die Verkehrswege an seiner Südflanke dürfen allerdings allesamt als Definition des Begriffs "Panoramastraße" bezeichnet werden. Von ganz oben wartet eine wilde, verschlungene Abfahrt an der Südseite des Massivs hinab bis vor die Tore von Bassano del Grappa.
Die Strecke führt dann aber weg in Richtung Osten am Fuße des Berges über Crespano del Grappa, das bereits mehrfach Etappenort der Transalp war, bis nach Possagno. Dieses war bereits 2020 als Ziel der TOUR Transalp geplant, musste aber aufgrund der Corona-Pandemie leider abgesagt werden.
Das Etappenziel in Possagno ist optisch außergewöhnlich und zudem ein kulturelles Highlight. Antonio Canova, geboren in Possagno, war ein bedeutender Bildhauer des Neoklassizismus im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Nach seinen Ideen und Entwürfen wurde über dem Ort der Tempio Canova erbaut - ein imposanter Rundbau mit klassizistischer Säulenfassade, der einem aus der Ebene schon von Weitem ins Auge sticht. Davor liegt ein großer, freier Platz, ideal für das Ziel der Transalp.

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