Endspiel ums beste RennradGiant Propel Advanced SL vs. Specialized S-Works Tarmac SL9

Das Giant Propel Advanced SL begeistert als leichte und spielerisch zu dirigierende Fahrmaschine
Photo : Wolfgang Papp
Zielgruppe: Radsportler, die ein leichtes Aero-Bike mit Alltagstauglichkeit suchen und nicht das absolute Aerodynamikmaximum benötigen. Ideal für:

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Das Giant Propel und Specializeds Tarmac SL9 haben sich mit der neuen TOUR-Bestnote 1,4 leicht von den Mitbewerbern absetzt. Trotz identischer Note sind die beiden Räder ganz unterschiedliche Charaktere mit speziellen Stärken. Der Test klärt, welches Rad welchem Fahrertyp die größten Vorteile bringt und am meisten Spaß macht.

Der Club der besten Rennräder bzw. Race-Allrounder wurde bislang vom elitären Zirkel der Räder gebildet, die im TOUR-Test die bisherige Bestnote 1,5 erzielen konnten. Neben dem Specialized Tarmac in Gestalt seiner Vorgängerversion SL8 zählten dazu noch das Scott Foil RC Ultimate sowie das Addict RC Ultimate, das Canyon Aeroad CFR, sowie der Vorgänger des Giant Propel Advanced SL. Letzteres hat die Konkurrenz in seiner jüngsten Version überholt, indem es die neue TOUR-Bestnote von 1,4 erzielte. Das Specialized SL9 hat sich an dessen Hinterrad geheftet und jüngst im TOUR-Test gleichgezogen. Anlass genug, die nach TOUR-Noten derzeit besten Race-Allrounder der Welt im ultimativen Duell gegeneinander antreten zu lassen. Lassen sich angesichts der Notengleichheit auf diesem exklusiven Niveau überhaupt noch Unterschiede ausmachen? Das Ergebnis des Vergleichs überrascht und macht gleichzeitig deutlich, wie verschieden und ausgeprägt die Unterschiede der Räder sind. Schauen wir uns die Eckdaten und die verschiedenen Kategorien einmal genauer an.

Eckdaten im Überblick

TOUR-Gesamtnote1,41,4
Ausstattung1,01,0
Gewicht6,4 kg6,5 kg
Aerodynamik (45 km/h)209 Watt205 Watt
SchaltungSRAM Red AXSShimano Dura-Ace Di2
LaufräderGiant Cadex Max 50Roval CLX Sprint
ReifenCadex Aero 28 mmSpecialized Turbo Cotton TLR 30 mm

Unterschiede im Detail

Gewicht

Das Giant Propel ist mit 6,43 kg das leichtere der beiden Räder und dürfte sogar das leichteste Aero-Bike der Welt sein. Das beeindruckt vor allem vor dem Hintergrund, dass das Propel einst als reines Aero-Rennrad aus der Taufe gehoben wurde; herausragende Aerodynamik verlangt üblicherweise eine besondere Formgebung, die dem Streben nach geringem Gewicht im Weg steht. Jedoch das aktuelle Propel als Race-Allrounder jagt dem Tarmac SL9, das seit einer gefühlten Ewigkeit als optimales, leichtes Profi-Wettkampfrad weiterentwickelt wird, rund 60 Gramm ab. Den Gewichtsvorteil erkauft sich Giant vor allem durch die konsequent weiterentwickelten Cadex-Laufräder mit Carbonspeichen, Carbonnaben und laminierter Konstruktion – allein der Laufradsatz spart gegenüber dem Vorgängermodell fast 200 Gramm.

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Das Tarmac SL9 ist mit 6,49 Kilogramm um 60 Gramm schwerer, rollt aber bereits auf breiteren und damit etwas schwereren 30-Millimeter-Reifen heran – laut Specialized wurden an Rahmen und Laufrädern rund 150 Gramm eingespart.

Fazit Gewicht: Giant gewinnt knapp

Aerodynamik

Hier dreht Specialized den Spieß um. Das SL9 benötigt im GST-Windkanal 205 Watt für 45 km/h – vier Watt weniger als das Giant Propel, das auf 209 Watt kommt. Für das Propel mit seiner Herkunft als Aero-Spezialist mag das je nach Sichtweise eine kleine Enttäuschung darstellen, zumal es punktgenau auf dem Niveau des Vorgängers liegt. Spezialisierte Aero-Boliden erreichen inzwischen um die 195 Watt – das Giant hat zumindest aerodynamisch in Summe keinen Schritt nach vorne gemacht.

Das SL9 hingegen hat sich durch gezielten Feinschliff wie etwa ein schlankeres Steuerrohr, eine überarbeitete Gabel, die aerodynamischere Sattelstütze und neue Roval-Laufräder mit Carbonspeichen entscheidend verbessert.

Fazit Aerodynamik: Specialized gewinnt klar – und ist unter den Allroundern führend.

Komfort

Das Giant überrascht positiv: Die fest anlaminierte Sattelstütze federt klassenüblich gut und deutlich besser als beim Vorgänger. In dieser Disziplin muss das SL9 dem Propel nach Messwerten (Komfort am Heck 109 zu 160 Newton pro Millimeter (N/mm); an der Front 96 zu 122 N/mm) und Noten (Front/Heck 1,7/2,7 gegen 2,3/3,7) den Vortritt lassen. Das Specialized wirft allerdings die 30 Millimeter breiten Reifen als komfortförderndes Kriterium in den Ring, sowie das seit jeher begeisternd souveräne Fahrgefühl, das auch auf den Komfort einzahlt.

Fazit Komfort: Giant erzielt einen kleinen Vorsprung; Specialized holt mit breiteren Reifen wieder auf.

Fahrdynamik & Handling

Beide Räder sind faszinierende Fahrmaschinen – aber mit ganz unterschiedlichen und im Sattel gut erfahrbaren Charakteren. Das Giant Propel ist ein agiles, direktes Bike, das sich leicht dirigieren lässt und stets kontrollierbar bleibt. Passende Adjektive beschreiben es als „explosiv” und „spielerisch”. Das Tarmac SL9 fährt sehr spurstabil und präzise, vermittelt jederzeit direktes Feedback und hohes Kurvenvertrauen. Die geschmeidigen Reifen mit Baumwollkarkasse bieten ein ganz eigenes Fahrgefühl. Demgegenüber wirkt der schmalere und aerodynamisch optimierte Pneu am Giant ein wenig kippelig.

Fazit Fahrdynamik: Geschmackssache – Giant ist agil-verspielt, Specialized ist präzise-stabil.

Ausstattung & Preisstruktur

Das Giant punktet mit einem vergleichsweise breiten Angebot: Der Einstieg in die Propel-Welt gelingt mit Shimanos 105-Komponenten und Alu-Laufrädern bereits für 2.999 Euro. Das Advanced Pro verfügt über einen etwas schweren Rahmen als das Top-Modell, eine klassisch geklemmte Sattelstütze und andere Laufräder. Damit dürfte es immer noch knapp unter der Sieben-Kilo-Marke bleiben und kostet mit Dura-Ace sowie Cadex-Laufrädern mit Carbonspeichen 7.999 Euro. Das Rahmen-Set (nur SL) wird für 3.899 Euro angeboten. Ein Powermeter ist beim Top-Modell mit SRAM Red im Lieferumfang enthalten.

Das Specialized ist bislang ausschließlich auf S-Works-Niveau erhältlich, für beide verfügbaren Ausstattungen (SRAM Red AXS bzw. Shimano Dura-Ace Di2) werden 13999 Euro aufgerufen. Das Rahmen-Set kostet 5799 Euro; als Replica in diversen Profiteam-Lackierungen werden 200 Euro Aufpreis berechnet.

Fazit Preisstruktur: Giant ist deutlich zugänglicher und demokratischer aufgestellt.

Die Stärken im Überblick

Giant Propel Advanced SL

  • Weltleichtestes Aero-Racebike (6,43 kg)
  • komfortabel
  • agiles, explosives Fahrgefühl
  • breites Preissegment – von 2.999 € bis S-Works-Niveau

Specialized S-Works Tarmac SL9

  • aerodynamisch überlegen (205 W – bestes Allrounder-Ergebnis)
  • ausgewogenstes Gesamtpaket
  • breite Reifen (30 mm)
  • präzises, stabiles Handling
  • vielseitig

Zielgruppen

Giant Propel Advanced SL

  • Hobbyracer und ambitionierte Sportler, die Gewicht als entscheidenden Faktor sehen
  • Fahrer, die Komfort und Agilität kombiniert wollen
  • Budgetbewusste Käufer, die schrittweise einsteigen möchten (mehrere Preisstufen)
  • Selbstbauer, die einen Rahmen als Basis suchen
  • Fahrer mit Vorliebe für verspieltes, agiles Handling

Specialized S-Works Tarmac SL9

Zielgruppe: Wettkampforientierte Radsportler, die das rundeste Gesamtpaket ohne Kompromisse wollen und bereit sind, den Premiumpreis zu zahlen. Ideal für:

  • Rennambitionen aller Art – Kriterium, Granfondo, Etappenrennen
  • Fahrer, die aerodynamischen Vorteil priorisieren, aber keinen reinen Aero-Renner wollen
  • Langstreckenfahrer, die Schnelligkeit und Komfort vereinen wollen
  • Technik-Aficionados, die das beste Allround-Rennrad der Welt besitzen wollen
  • Fahrer, die ein Rad ohne jede Schwäche suchen und auf keine Kategorie verzichten möchten

Fazit

Beide Räder teilen sich mit der Note 1,4 die Spitzenposition im TOUR-Test – es ist ein echtes Patt auf höchstem Niveau. Die Wahl hängt letztlich von persönlichen Prioritäten ab:

Giant Propel: Wer das leichteste Aero-Bike der Welt mit überraschend viel Komfort will – und dabei nicht das letzte Watt Aerodynamik braucht.

Specialized Tarmac SL9: Wer das aerodynamisch stärkere, rundum ausgewogenste Rennrad sucht, das in keiner einzigen Kategorie schwächelt – und bereit ist, dafür den Premiumpreis zu zahlen.


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Jens Klötzer is a qualified industrial engineer and TOUR's expert for components of all kinds: brakes, gears, wheels and tyres - Jens puts everything through its paces. He collects historic racing bikes and owns both a modern time trial bike and a titanium gravel touring bike. When travelling, he likes to explore unknown roads in Eastern Europe - on wide but fast tyres.

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