Die italienische Traditionsmarke Bianchi ist fester Bestandteil des Tour-Pelotons. In diesem Jahr geht sie zusammen mit dem Team Bahrain-Victorious an den Start, wo sie zum Saisonwechsel den vorherigen Ausstatter Merida ersetzte. Die Italiener stellten wenige Wochen vor der Rundfahrt eine neue Generation des Specialissima vor. Der ehemalige Leichtbau-Spezialist soll deutlich aerodynamischer geworden sein, auch von der Form erinnert die Neuheit nun eher an einen Allrounder für alle Etappen. Das Team Bahrain Victorious könnte bei der Tour de France daher verstärkt auf die Neuentwicklung als auf das Aero-Modell Oltre setzen.
Schon seit der Tour Down Under absolviert das neue SuperSix Evo von Cannondale Renneinsätze bei den Profis des Teams EF Education-EasyPost. Offiziell eingeführt wurde das Modell im Februar und darf nun zum ersten Mal bei der Tour de France mitfahren. Eine Alternative zum Allrounder haben die Profis nicht, doch die Fahrer vom Bergtrikot-Aspiranten Richard Carapaz bis zum Etappenjäger Kasper Asgreen können sich auf absolutes Top-Material verlassen: Das SuperSix Evo LAB21 ist leicht, performt aerodynamisch top und bietet herausragenden Fahrkomfort - in unserem Test erarbeitete sich das Rad eine absolute Top-Note und gehört zu den vollkommensten Boliden im Peloton.
Viel ist noch nicht bekannt über das neue Aero-Modell von Cube, mit dem das Team TotalEnergies die Tour de France bestreiten wird: Die offizielle Präsentation des Rades stand zum Zeitpunkt des Starts noch aus. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sie noch während der Tour stattfinden, schließlich wird das Rad prominent zu sehen sein. Selbst bei der Teampräsentation fuhren die Fahrer schon damit auf die Bühne. Das bisherige Litening Aero wurde bereits 2019 eingeführt, ein Update steht also an. Der deutsche Hersteller stattet erstmals die französische Equipe aus, nachdem er das erfolgreiche Sponsoring der Mannschaft Intermarché-Wanty durch die Fusion mit dem belgischen Lotto-Team aufgeben musste. Im vergangenen Jahr fuhr TotalEnergies noch auf Rädern des US-Herstellers Enve.
Das Giant Propel mutierte über die Jahre vom schweren, harten Aero-Boliden zum vielseitigen Race-Allrounder. Die neuste Auflage, die zusammen mit den Profis des Teams Jayco-AlUla entwickelt und in diesem Frühjahr enthüllt wurde, folgt diesem Anspruch weiter: Deutlich schneller wurde das Rad nicht – dafür unfassbar leicht. Ohne spezielle Tuningmaßnahmen sollten die Teambikes die 6,8 Kilogramm Mindestgewicht erreichen. Auch Fahrkomfort und Steifigkeiten sind top. Damit führt das Giant Propel (gemeinsam mit dem Specialized Tarmac SL9) aktuell die Bestenliste der TOUR-Tests für Wettkampfräder an. Über die Wahl zwischen mehreren Modellen müssen sich die Fahrer um GC-Contender Simon Yates, den deutschen Sprinter Pascal Ackermann und den frisch gebackenen deutschen Meister Felix Engelhardt also keine Sorgen machen. Aufs Material können sie fehlende Erfolge allerdings auch nicht schieben.
Rennerprobt ist es bereits: Alex Aranburu holte schon im April einen Etappensieg bei der Itzulia Baskenland-Rundfahrt auf dem neuen LOOK, bevor im Juni ein weiterer Sieg bei der Belgien-Rundfahrt folgte. Das Team Cofidis entwickelte das Rad von Beginn an mit und testete es unter Rennbedingungen. Wenige Wochen vor der Tour gelangte es auch offiziell in den Verkauf. Dass die Neuheit dennoch wenig Aufmerksamkeit erregte, liegt wohl am äußerlich sehr zurückhaltenden Facelift. Dafür wollen die Franzosen Gewicht gespart haben, auch aerodynamisch werden Verbesserungen versprochen.
Nur zwei Tage vorm Tour de France-Start stellte der baskische Hersteller Orbea in Barcelona ein neues Orca Aero vor, das als Arbeitsgerät des Teams Lotto-Intermarché in die Rundfahrt gehen wird. Die Neuheit soll aerodynamische Vorteile bringen, vor allem, weil der Fahrer besonders tief auf dem Rad sitzt. Im Aufgebot dürfte insbesondere der Franzose Arnaud de Lie davon profitieren, der als aussichtsreicher Kandidat für Sprintankünfte gilt. Auch der deutsche Georg Zimmermann wird auf dem neuen Orca Aero durch Frankreich rollen.
Wohl am meisten Aufmerksamkeit im kurzfristigen Vorfeld der Tour bekam die Neuvorstellung des Specialized S-Works Tarmac SL9. Das hat gleich mehrere Gründe, einer davon ist die ausgefeilte Marketing-Strategie des US-amerikanischen Herstellers, der es wie kaum ein anderer schafft, Begehrlichkeiten zu wecken und Neuheiten ins Rampenlicht zu rücken. Ein anderer ist die Liste prominenter Gesamtklassement- und Etappen-Favoriten, die in gleich zwei von Specialized ausgestatteten Teams mit dem neuen Tarmac an den Start gehen werden: Remco Evenepoel, Florian Lipowitz und Jay Hindlay für Red Bull-Bora-hansgrohe; Julian Alaphillipe und Kasper Asgreen bei Soudal Quick-Step. Nicht zuletzt ist auch die technische Qualität des Rades besonders: Als extrem leichter und konkurrenzfähig schneller Allrounder können sich die Fahrer auf Top-Material verlassen, neben dem Giant Propel erreichte auch das Tarmac SL9 im TOUR-Test die absolute bisherige Bestnote.
Auf Senkrechtstarter Paul Seixas werden in diesem Jahr viele Augen gerichtet sein. Dass der junge Franzose aus dem Team Decathlon CMA CGM auf einem neuen Modell seines Ausrüsters unterwegs sein könnte, wird dabei fast zur Nebensache: Im Frühjahr war er in einigen Rennen auf einem schwarz lackierten Prototypen der Decathlon-Eigenmarke Van Rysel zu sehen. Allem Anschein nach ist es ein Nachfolger des Allrounders RCR Pro. Aerodynamische Optimierungen sind zu erkennen, für ein Update des schnellen Aero-Boliden RCR-F wirkt das Modell aber zu filigran. Offizielle Infos zum Rad gibt es bislang nicht, ob man im Lauf der Tour dazu mehr erfahren wird, ist ebenso unbekannt. Sicher dürfte sein, dass Seixas mit dem Gerät seine Chancen als Herausforderer nicht schmälern wird: Schon das aktuelle RCR-R Pro entpuppte sich in unserem Test als ausgewogene Rennmaschine für höchste Ansprüche.
Der Race-Allrounder Filante ist für Wilier das wichtigste Modell: Es fährt als Arbeitsgerät der Groupama FDJ United-Profis im Rampenlicht der World-Tour und präsentiert die italienische Traditionsmarke damit auch bei der Tour de France. Das Anfang des Jahres erneuerte Flaggschiff bekam ein aerodynamisches Update, das auch die markanten Trinkflaschen samt Halter umfasst. Mit neuen Carbonspeichen-Laufrädern von Miche bleibt das Rad konkurrenzfähig leicht. In unserem TOUR-Test schnitt das Rad entsprechend gut ab und präsentierte sich als konkurrenzfähiges Renngerät.

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