Die Tour de France 2026 ist erst wenige Tage alt und die Gesamtklassement-Fahrer liegen nur wenige Sekunden auseinander. Die richtig großen Prüfungen warten noch. Besonders sieben Tage stechen im diesjährigen Streckenverlauf heraus: die Etappen 6, 14, 15, 16, 18, 19 und 20. Hier warten die größten Berge, die härtesten Schlussanstiege und das einzige Einzelzeitfahren der Rundfahrt. Wer am Ende in Paris das Gelbe Trikot trägt, wird auf diesen Etappen die Grundlage dafür gelegt haben.
Bereits auf der sechsten Etappe von Pau nach Gavarnie-Gèdre wartet die erste echte Hochgebirgsprüfung der Tour. Auf 186 Kilometern sammeln die Fahrer mehr als 4000 Höhenmeter, ehe die Etappe mit einer Bergankunft endet. Für die Favoriten wird es die erste Gelegenheit sein, die Karten auf den Tisch zu legen. Während viele Fahrer in der ersten Woche noch von ihren Ambitionen träumen, zeigt sich in den Pyrenäen oft erstmals, wer tatsächlich das Niveau für das Gesamtklassement besitzt. Mit dem Col du Tourmalet und dem Schlussanstieg nach Gavarnie-Gèdre könnten bereits die ersten größeren Zeitabstände entstehen. Für einige der Favoriten könnte schon hier der Traum des Sieges bei der Tour vorbei sein.
Nach einigen Übergangs- und Flachetappen beginnt am dritten Wochenende die heiße Phase der Tour. Die 14. Etappe führt über 155 Kilometer durch die Vogesen nach Le Markstein und beinhaltet rund 3800 Höhenmeter. Die Strecke ist gespickt mit Anstiegen. Besonders wichtig dürfte der Col du Haag werden, der mit 11,2 Kilometern Länge und durchschnittlich 7,3 Prozent Steigung der letzte große Prüfstein des Tages ist. Die letzten 1,6 Kilometer bei 10,3 Prozent dürften eine Selektion darstellen, da es von dort nur noch wenige Kilometer bis ins Ziel sind.
Direkt am folgenden Tag geht es von Champagnole zum Plateau de Solaison. Hier ist eine der wichtigsten Bergetappen der gesamten Rundfahrt zu erwarten. Der brutale Schlussanstieg hinauf zum Plateau de Solaison ist der perfekte Schauplatz für Attacken. 9,1 Prozent im Schnitt bei 11,3 Kilometern sprechen für sich. Diejenigen Fahrer, die bei der Tour Auvergne - Rhône-Alpes als Vorbereitung auf die Tour de France mitgefahren sind, kennen diesen Anstieg bereits. Isaac del Toro dürfte dort mit seinem Sieg besonders gute Erinnerungen haben.
Nach dem letzten Ruhetag folgt das einzige Einzelzeitfahren der Tour zwischen Évian-les-Bains und Thonon-les-Bains. Doch dieses Zeitfahren ist alles andere als flach. Auf nur 26,1 Kilometern warten 500 Höhenmeter auf die Fahrer.
Dadurch wird die Etappe zu einem echten Hybrid aus Zeitfahren und Bergprüfung. Klassische Zeitfahrspezialisten profitieren zwar von ihrer Aerodynamik, gleichzeitig sind starke Bergbeine gefragt, um den enthaltenen Anstieg möglichst schnell zu bewältigen. Gerade zwischen den Topfavoriten könnten hier wichtige Sekunden oder sogar Minuten Unterschied entstehen.
Nach einem vergleichsweise ruhigeren Tag wartet mit der 18. Etappe die nächste Bergankunft. Das Ziel liegt in Orcières-Merlette, einem Ort, der bereits mehrfach Schauplatz entscheidender Tour-Momente war. Die Etappe umfasst knapp 185 Kilometer und knapp 3900 Höhenmeter. Außerdem heißt es ab jetzt: Ausruhen verboten! Drei Tage in Folge wird den Favoriten alles abverlangt, Verschnaufpausen: Fehlanzeige.
Die ständigen Anstiege machen den Tag nach Orcières-Merlette extrem kräftezehrend. Nach mehr als zweieinhalb Wochen Renndauer könnten sich hier erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar machen. Oft sind es gerade solche Etappen, auf denen nicht die stärksten Fahrer gewinnen, sondern die frischesten.
Dann folgt das, worauf viele Fans gewartet haben, die Rückkehr nach Alpe d'Huez. Die 19. Etappe von Gap nach Alpe d'Huez ist zwar mit 128 Kilometern relativ kurz, dürfte aber umso explosiver werden. Bereits früh stehen der Col Bayard und der Col du Noyer auf dem Programm, bevor später noch der Col d'Ornon folgt. Danach wartet der berühmteste Anstieg des Radsports: 13,8 Kilometer, durchschnittlich 8,1 Prozent und 21 legendäre Kehren bis zur Ziellinie. Auf den steilen Rampen nach Alpe d'Huez wurden schon zahlreiche Tour-Siege entschieden – und 2026 dürfte es nicht anders sein, gäbe es nicht die 20. Etappe...
Als wäre eine Bergankunft nach Alpe d'Huez nicht genug, endet auch die 20. Etappe in dem berühmten Skiort. Auf 170,9 Kilometern müssen die Fahrer unglaubliche 5450 Höhenmeter bewältigen. Bereits vor dem finalen Anstieg warten schwere Alpenpässe auf die Fahrer. Über den Col de la Croix de Fer, den Col du Télégraph, Col du Galibier und schließlich den Col de Sarenne geht es für das Peloton bis nach Alpe d’Huez. Mehr Hochgebirge geht nicht! Spätestens hier steht fest, wer die Tour de France 2026 für sich entscheiden konnte.

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