Sebastian Lindner
· 04.07.2026
Barcelona steht auch am zweiten Tag der Tour nochmal im Zentrum des Geschehens. Gestartet wird die Etappe allerdings in Tarragona, südlich der katalanischen Metropole. Die Katalonien-Rundfahrt war einst Stammgast in der Hafenstadt, zuletzt war aber die Vuelta häufiger dort.
Und nun also auch die Tour de France. Die ersten 77 der insgesamt knapp 170 Kilometer der 2. Etappe folgen der Küstenlinie des Mittelmeers und sind entsprechend überwiegend flach. Nach Castelldefels biegt die Strecke dann aber ins Hinterland. Zunächst bleibt es auch dort noch bis zum Zwischensprint flach. Doch jenes Teilziel ist der Ausgangspunkt für die erste Bergwertung der Rundfahrt. Die Côte de Begues (2. Kategorie) ist mit gut sechs Kilometern Länge bei 6,5 Prozent Steigung im Schnitt noch nicht das Maß aller Dinge, aber ein erster Vorgeschmack auf das, was noch kommt.
In einem Bogen im Uhrzeigersinn erreicht das Feld gut 40 Kilometer nach der Bergwertung den finalen Rundkurs in Barcelona, der zweieinhalb Mal absolviert werden muss. Eine Runde bringt es auf etwas mehr als zwölf Kilometer und besteht im Wesentlichen aus einer Abfahrt, einem flacheren Teil sowie dem Anstieg auf den Montjuïc (3. Kategorie), der 1600 Meter lang ist und mit Mittel 9,3 Prozent steil bei Spitzen bis 13 Prozent. Nach einer Zwischenabfahrt geht es die letzten 700 Meter zum Zielstrich am Olympiastadion mit sieben Prozent erneut bergauf. Der Montjuïc wird drei Mal überquert.
Sollte es einer der Sprinter im Feld noch über den ersten Anstieg des Tages im Hauptfeld schaffen, war dieser Effort umsonst. Denn im Finale gibt es nichts zu holen. Die Katalonien-Rundfahrt zeigt Jahr für Jahr, dass mit dem Montjuïc nicht zu spaßen ist. Zwar erreichte dort in den letzten Jahren häufig eine größere Gruppe den Zielstrich zusammen. Aber dort endet das Rennen eben auch nach dem Berg und nicht obendrauf. Zeit, Lücken zu schließen, bleibt nicht.
Und so werden es wohl die Bergspezialisten sein, die den Tagessieg unter sich ausmachen. Große Abstände sind zu erwarten. Die Tour ist noch lang - und der Anstieg nicht lang genug. Ein paar Sekunden könnten sich die Klassementfahrer aber sicher abnehmen und so eventuell auch die Gesamtwertung vom Auftaktzeitfahren verändern. Ein neuer Mann in Gelb ist ebenfalls nicht unwahrscheinlich, so der nicht schon nach Tag eins Tadej Pogacar (UAE Team Emirates - XRG) heißt.
Für den Tagessieg kommen derweil aber auch Etappenjäger wie Ben Healy (EF Education - EasyPost) oder Romain Gregoire (Groupama - FDJ United) in Frage. Vor allem der junge Franzose könnte die Grand Nation so schnell von der Last des ersten Erfolges befreien.