Triumph in LüttichPogacars traurigster Sieg

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 · 26.04.2026

Triumph in Lüttich: Pogacars traurigster SiegPhoto: Pool Bernard Papon/Belga/dpa
Tadej Pogacar (r) attackiert an der Cote de la Redoute und nur Paul Seixas kann folgen.
Sieg mit Trauerflor: Tadej Pogacar hat bei seinem Triumph bei Lüttich-Bastogne-Lüttich mehr Gegenwehr als sonst. Seine Gedanken sind bei einem toten Freund.

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Tom Bachmann, dpa

Am Ende der atemlosen Ardennen-Hatz suchte Tadej Pogacar einen Moment der Stille und zeigte immer wieder in Richtung Himmel. Der Radsport-Superstar widmete seinen insgesamt vierten Sieg beim Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich seinem vor wenigen Tagen unerwartet gestorbenen Ex-Teamkollegen Cristian Camilo Munoz.

«Erneut eines der größten Rennen des Radsports zu gewinnen, bedeutet mir sehr viel. Ich fahre nicht viele Rennen, deshalb habe ich nicht viele Möglichkeiten zu gewinnen. Der Druck ist deshalb immer groß», sagte Pogacar. 

Auf den 259,9 harten Kilometern hatte Pogacar zuvor von Frankreichs Supertalent Paul Seixas erwartet viel Gegenwehr bekommen. Der erst 19-Jährige, der am Mittwoch den Flèche Wallonne gewonnen hatte, musste erst rund zwölf Kilometer vor dem Ziel abreißen lassen, womit für den Weltmeister der Weg zum dritten Sieg nacheinander frei war.

«In meinem Kopf habe ich mich bereits auf einen Sprint vorbereitet, weil er so stark war. Zum Glück war das nicht nötig», sagte Pogacar. Nun fehlt dem 27-Jährigen noch ein Erfolg zum Rekord, Belgiens Ikone Eddy Merckx weist fünf Siege auf.

Entscheidung am letzten Anstieg

Wie bei den beiden vergangenen Erfolgen in Lüttich suchte Pogacar an der Cote de la Redoute die Entscheidung. Mit seinem Antritt im steilsten Abschnitt des 1,6 Kilometer langen Anstiegs schüttelte der viermalige Tour-Sieger das gesamte Feld ab - bis auf Seixas. Der Teenager musste sichtbar an sein Limit gehen, blieb jedoch am Hinterrad seines acht Jahre älteren Kontrahenten.

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An der Cote de la Roche-aux-Faucons, dem letzten Anstieg vor dem Ziel, attackierte Pogacar erneut brachial - und nach der Hälfte war Seixas über seinem Limit. Der junge Franzose musste abreißen lassen und wies am Ende der Steigung bereits einen Rückstand von 20 Sekunden auf. Sein Vorhaben, in Lüttich erster französischer Sieger seit Bernard Hinault 1980 zu werden, muss Seixas mindestens ins nächste Jahr verschieben.

Pogacars Trauer

Pogacar, der die beiden vergangenen Auflagen in Lüttich als Solist gewonnen hatte, bestritt das Rennen mit einem Trauerflor. Dies galt der Erinnerung an den Kolumbianer Munoz, der vor wenigen Tagen gestorben ist. Munoz war von 2019 bis 2021 Pogacars Teamkollege beim Team UAE. Der 30-Jährige war bei der Tour du Jura gestürzt und im Krankenhaus wegen einer Knieverletzung behandelt worden.

Später sei laut Teamangaben eine schwer zu kontrollierende Infektion festgestellt worden - trotz medizinischer Versorgung verschlechterte sich sein Zustand und es kam zu Komplikationen, an denen er schließlich starb.

Es ist das zweite Mal, dass Pogacar einen Schicksalsschlag mit dem La Doyenne genannten Klassiker verbindet. 2022 war er als Titelverteidiger kurzfristig abgereist, da die Mutter seiner Verlobten Urska Zigart unerwartet gestorben war.

Evenepoel erst vorn, dann mit Abstand Dritter

Auf dem mit 4.400 Höhenmetern und elf harten Anstiegen schwersten der Frühjahrsklassiker musste der ebenfalls favorisierte Remco Evenepoel früh abreißen lassen. Der Belgier konnte Pogacars Attacke an der durchschnittlich zehn Prozent steilen Cote de la Redoute rund 35 Kilometer vor dem Ziel nicht folgen, am Ende belegte er Platz drei.

Zuvor war Evenepoel Teil einer Spitzengruppe, die sich kurz nach dem Start gebildet hatte. Die 52 Fahrer hatten teilweise vier Minuten Vorsprung vor Pogacar und Co., wurden 94 Kilometer vor dem Ziel allerdings wieder eingeholt. Unklar war, wie die Spitzengruppe zustande gekommen war.

Angeblich sei der Riss im Peoloton durch einen Sturz zweier Fahrer entstanden. Ein ungeschriebenes Gesetz des Radsports besagt allerdings, dass man in solchen Situationen nicht attackiert. Die Aktion könnte im Nachgang also noch zu Diskussionen führen.

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