Die Mobilitätswende verändert das Bild auf Deutschlands Straßen grundlegend. Immer mehr Menschen steigen für den Alltag oder die Freizeit auf elektrisch unterstützte Zweiräder um. Doch der anhaltende Boom hat eine düstere Kehrseite, wie eine aktuelle Auswertung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts für das Verkehrsjahr 2025 zeigt: Die Zahl der schweren und tödlichen Unfälle mit Pedelecs nimmt drastisch zu. Während der klassische Pkw-Verkehr über Jahrzehnte hinweg immer sicherer wurde, verzeichnet die neue Zweiradmobilität besorgniserregende Negativtrends.
Die nackten Zahlen des Unfallgeschehens verdeutlichen die Dringlichkeit. Im Jahr 2025 verloren in Deutschland 217 Menschen auf einem Pedelec ihr Leben. Im Vergleich zum Vorjahr (195 Getötete) entspricht dies einem deutlichen Anstieg um elf Prozent. Auch bei den Schwerverletzten meldet die Statistik ein Plus: Ihre Zahl stieg um etwa vier Prozent von 4.852 Personen im Jahr 2024 auf 5.064 im Folgejahr. DVR-Präsident Manfred Wirsch spricht angesichts dieser Entwicklung von einem „Weckruf“ und fordert von Bund, Ländern und Kommunen ein entschiedenes Gegensteuern.
Experten betonen jedoch, dass diese Zahlen im Kontext des Marktes betrachtet werden müssen. Der Zuwachs an Unfällen korreliert direkt mit den rasant steigenden Pedelec-Verkäufen: Mittlerweile übertreffen E-Bikes den Absatz klassischer Fahrräder deutlich. Und je mehr Menschen auf die schnelleren Elektro-Räder umsteigen, desto höher ist zwangsläufig das Risiko im Mischverkehr.
Wie spezifisch diese Entwicklung bei den Elektro-Zweirädern ist, zeigt der direkte Vergleich mit anderen Mobilitätsformen. Während Pedelecs immer häufiger in schwere Unfälle verwickelt sind, ist die Bilanz bei herkömmlichen Fahrrädern ohne Hilfsmotor leicht rückläufig: Hier sank die Zahl der Getöteten von 250 auf 245 Fälle, die der Schwerverletzten ging um sieben Prozent zurück. Diese sinkenden Unfallzahlen spiegeln allerdings auch die Marktrealität wider: Die Verkaufszahlen von Fahrrädern ohne Motor sind seit Jahren stark rückläufig. Da immer weniger klassische „Bio-Bikes“ neu auf die Straße kommen, sinkt folglich auch deren Anteil am Unfallgeschehen.
Betrachtet man die Gesamtstatistik der Verkehrstoten in Deutschland – die sich insgesamt auf rund 2.800 Opfer pro Jahr beläuft –, bewegen sich die Zweiräder dennoch in einer anderen Relation als der motorisierte Individualverkehr. So sterben jährlich etwa 1.200 bis 1.400 Menschen in Personenkraftwagen. Bei den Motorrädern ist die Entwicklung zwar positiv – die Zahl der getöteten Motorradfahrer sank 2025 um acht Prozent auf 474 Personen –, dennoch bleibt das Risiko für diese Personengruppe im Vergleich zu ihrer Gesamtzahl im Straßenverkehr überproportional hoch. Einzig die E-Scooter teilen das Schicksal der Pedelecs und verzeichnen ein deutliches Plus von 19 Prozent bei den Todesopfern (32 Getötete im Jahr 2025).
Um den Trend bei den Pedelecs umzukehren, sieht der DVR vor allem die Politik in der Pflicht. Anders als bei E-Scootern, für die primär strengere Verordnungen und Altersgrenzen diskutiert werden, liegt der Hebel bei den Pedelecs vor allem in der Infrastruktur. Da Pedelec-Fahrende in der Regel höhere Geschwindigkeiten erreichen als klassische Radler, fordert der DVR baulich getrennte, durchgängige Radwege, die konsequent von Fremdnutzung freigehalten werden.
Sollte eine bauliche Trennung von den Autos nicht möglich sein, müsse im Gegenzug die zulässige Höchstgeschwindigkeit des motorisierten Verkehrs reduziert werden, um das Risiko schwerer Kollisionen zu minimieren. Zudem verweist der Verband auf die dringende Notwendigkeit, Kreuzungen sicherer zu gestalten sowie Radwege das gesamte Jahr über verlässlich instand zu halten und zu reinigen. Nur durch eine Anpassung der Straßen an die neue Realität der Mobilitätswende lässt sich verhindern, dass der Traum von der umweltfreundlichen Fortbewegung zum Sicherheitsrisiko wird.

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