Praxistest: Powertap Praxistest: Powertap
Trainingsgeräte

Praxistest: Leistungsmessung mit Powertap

Matthias Borchers am 10.05.2007

Der neue Powertap SL 2.4 von Cycleops ist das erste Powermeter mit Funkübertragung. Ob der kabellose Datentransfer klappt, hat TOUR in einem ersten Praxistest überprüft. Plus: Neuigkeiten der Konkurrenten SRM und Ergomo. (TOUR 5/2007)

Haben Sie schon mal was von Nahfeld-Telemetrie gehört? Das ist ein Verfahren, bei dem Messdaten kabellos über kurze Distanzen von bewegten Maschinenteilen auf einen ruhenden Empfänger übermittelt werden. So funktioniert auch die neueste Powertap-Generation 2.4: Bei diesem Leistungsmessgerät werden elektrische Signale aus der Nabe per Sender an den Radcomputer gefunkt, wo sie als Leistung in Watt angezeigt werden. Powertap ist das erste Gerät mit dieser Übertragungstechnik.

Bereits seit 1997 gibt es das Powertap-System für wattgesteuertes Training, und am Funktionsprinzip hat sich seither nichts geändert. Wie beim Konkurrenten SRM arbeitet das System mit Dehnmess-Streifen. Die sind jedoch, anders als bei SRM, nicht in die Kurbel, sondern in die Hinterradnabe integriert. Dehnmess-Streifen sind kleine Sensoren, die auf Verformungen mit Änderung des elektrischen Widerstandes reagieren. Elektrisch verstärkt werden diese Signale dann digital an den Computer gefunkt, der zusammen mit der Trittfrequenz daraus die Wattleistung errechnet. Im Gegensatz zu früheren Modellen geschieht dies jetzt kodiert und ganz ohne Kabelsalat per Funk über eine Strecke von gut einem Meter von der Nabe an den Lenker. Nach zweijähriger Erprobung kommt der Powertap SL 2.4 nun in den Handel. Im Fokus unseres ersten Praxistests standen Kriterien wie Montage, Bedienung, Stromverbrauch, Präzision und natürlich die fehlerfreie Datenübertragung.

Die Montage dauert wenige Minuten, wenn man die Nabe bereits in ein Laufrad eingespeicht kauft. Ritzel auf den Rotor, Laufrad eingespannt, Halter für den Computer mit zwei Kabelbindern an Lenker oder Vorbau fixiert – fertig. Etwas umständlich ist dann das Setup des Computers. Nicht alle Voreinstellungen lassen sich vom PC aus auf den Radcomputer übertragen.

Der Computer mit dem dreizeiligen Display ist über die beiden Knöpfe „Mode“ und „Select“ einfach zu bedienen. Alle Werte sind gut lesbar, die Zeilen im Display kann man während des Setup individuell konfigurieren, sogar die Wiederholrate von Geschwindigkeits- oder Trittfrequenzanzeige kann man verändern, wodurch die Anzeige mehr oder weniger sensibel auf Messwertänderungen anspricht. Mit dem Setzen von Intervallen muss man sich länger beschäftigen: Das Display gibt keine eindeutige Auskunft, ob ein Intervall gestartet ist oder beendet. Nach Start des Intervalls verschwindet die Anzeige „INT“, so dass man sich merken muss, wenn ein Intervall läuft.

Die Qualität der Funkübertragung konnte beim Testgerät absolut überzeugen. Nachdem der Computer aus dem „Sleep“-Modus geweckt wurde, erkannte er sowohl Nabe wie Pulsgurt immer zuverlässig. Während der Fahrt kam es nie zu Ausfällen, selbst während langer Passagen entlang von Strom- oder S-Bahn-Oberleitungen wurden immer korrekte Werte angezeigt. Fantasiewerte für Puls oder Leistung kamen nicht vor, auch keine lückenhaften Datensätze.

Um deren Präzision zu ermitteln, sind wir mehrmals eine exakt vermessene Steigung gefahren und haben die vom Powertap angezeigte Leistung mit dem Wert verglichen, der sich aus Höhenunterschied, Strecke, Systemgewicht, Fahrtzeit sowie Roll- und Windwiderstand errechnen lässt. An steilen Steigungen kann man so die Leistung auf ein bis zwei Prozent genau bestimmen. Das Ergebnis: Die Powertap-Werte lagen knapp vier Prozent unter den errechneten Werten, wurden aber immer wieder reproduziert – insgesamt ein gutes Ergebnis. Warum im Lauf des ersten Praxistests über 500 Kilometer mit viel Spielerei am Computer bereits einer Knopfzelle der Saft ausging, ließ sich nicht abschließend klären. Es mag an der Funktechnik liegen, die mehr Strom verbraucht als die Kabelversion, oder an den niedrigen Temperaturen zur Testzeit. Laut Betriebsanleitung müsste die Batterie 400 Stunden Strom liefern.

Zum Lieferumfang gehört eine PC- sowie Mac-kompatible, leicht verbesserte Auswerte-Software. Im Gegensatz zur Vorgängerversion sind einige Auswerteinstrumente integriert, mit denen man seine Watt- oder Pulsverteilung genau analysieren kann. Lästig ist, dass aufgezeichnete Touren beim Einlesen zerstückelt werden und man diese anhand von Datum und Uhrzeit erst mühsam zusammenfügen muss. Cycleops kündigt an, dieses Problem bis zum Herbst in den Griff zu bekommen

KURZ UND KNAPP

Powertap SL 2.4 ist ein smartes Leistungsmesssystem, das sich dank drahtloser Funktechnik nicht nur elegant ans Rennrad montieren, sondern auch an mehreren Rädern verwenden lässt, da der Sender in der Nabe sitzt. Das Testgerät funktionerte tadellos, seine Präzision genügt anspruchsvollen Amateuren. Lediglich der Stromverbrauch ist etwas gestiegen, und das Auslesen der Daten könnte reibungsloser ablaufen.

Vertrieb: TriDynamic, Telefon 08387/924420;

www cycleops.com

Preis (inkl. Software, Interface, Pulsgurt, Halter): 1.565 Euro

Systemgewicht Nabe/Computer: 425/40 Gramm;

Speicher/Speicherrate/Aufzeichnungszeit: Ringspeicher; 1, 2, 5, 10, 30 Sekunden/15:30 Stunden

Antriebskompatibilität: Achsbreite 130/135 mm
Speichenzahl 24, 28, 32

Im kostenlosen PDF-Download finden Sie den gesamten Test  sowie Informationen zu aktuellen Entwicklungen bei den Konkurrenzsystemen von SRM und Ergomo

Matthias Borchers am 10.05.2007
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