Italien: Sonnige Trainigsreviere für Rennradler Italien: Sonnige Trainigsreviere für Rennradler

Italien: Sonnige Trainingsreviere für Rennradler

Die schönsten Rennradziele vom Gardasee bis Sizilien

Jörg Wenzel am 13.12.2016

Milde Temperaturen und Dolce Vita – für den Formaufbau zieht es Tausende Radsportler nach Italien. Sechs Regionen im Kurz-Check, die zum reinen ­Kilometerschrubben viel zu schade sind.

Hügelland an der Adria: Emilia Romagna (Foto oben)

Trotz der vielen Badeorteist die Emilia Romagna für Renn­radler vor allem im Frühjahr interessant. Dann sind zahlreiche Hotels auf Radsport eingestellt, und das Klima ist mild, die Topografie perfekt: Mit der Po-Ebene im Nordwesten ist es typisches Roller-Terrain für die ersten Jahreskilometer. Dazu das Hügelland im Süden: Die Ausläufer des Apennin beginnen sanft und steigen dann mehr und mehr ­an. Auf einer 100-Kilometer-Runde sammelt man leicht 1.500 Höhenmeter. Krönung für Kletterer ist die Strecke des Hobby-Rennens "Nove Colli" mit 200 Kilometern und 3.840 Höhenmetern. Fans von Marco Pantani pilgern zum 1.362 Meter hohen Monte Carpegna, auf dessen Gipfel ein Denkmal zu Ehren des Kletterkönigs thront. Auf den Sträßchen sind Radler zwischen Februar und Mai ganz unter sich. Wer ein ­bisschen Touristenrummel verträgt, dreht eine Runde durch die Mini-Republik San Marino.

Lage Das Revier liegt im Südosten der Emilia Romagna an der Adria. Es umfasst etwa die Provinzen Ravenna, Forlì-Cesena und Rimini.

Klima Im Februar kann’s noch frisch sein, ab März steigen die Temperaturen täglich, bis auf 15–20 Grad. Hohe Sonnengarantie!


Touren und Thermen in der Toskana

Italien: Sonnige Trainigsreviere für Rennradler

Wer die klassische Toskana liebt, sollte seinen Standort bei Siena wählen 

Die Landschaft der Toskana ist für viele der Inbegriff von Italien. Kahle, sanft gewellte Hügel, auf deren Rücken sich schlanke Zypressen aufreihen. Wer jetzt schon beim Lesen in Verzückung gerät, dem sei gesagt, dass es dort nicht überall so aussieht! Nur ein Tipp vorab: Wer sich an diesem Anblick nicht sattsehen kann, sollte sein Basislager in der Region rund um Siena aufschlagen. Südöstlich der historisch bedeutenden Stadt dehnt sich diese Bilderbuchlandschaft kilometerweit aus. Nichtsdestotrotz ist die gesamte Toskana eine Traumgegend für Rennradler.

Wer allerdings im Frühjahr eine Reise mit Trainingscharakter plant, wählt lieber die Küste als Standort. Denn auf den Hügeln im Landesinneren kann es im März noch empfindlich kalt werden. Und nicht selten wird man von einem Graupelschauer überrascht. Im Norden bietet sich Viareggio mit seinen zahl­reichen Hotels an. Allerdings ist der Appenin im Hinterland steil und das dicht besiedelte Tal des Arno ziemlich verkehrsreich. Beschau­licher wird die Küste in Richtung Süden, zwischen Livorno und Follonica. Oder ganz im Süden der Toskana, in der sogenannten Maremma. Rund um die Stadt Grosseto findet man sehr abwechslungsreiches Terrain, von topf­eben bis bergig. Wer dort unterwegs ist darf nicht versäumen, der Therme Saturnia einen Besuch abzustatten. Warme Quellen sprudeln zuhauf in der Toskana. Ein Bad in den oft frei zugänglichen Naturbecken ist die perfekte Entspannung nach einer höhenmeterlastigen Trainingsrunde. Im Landesinneren bieten die Regionen um den Lago di Trasimeno und das Chianti zwischen Florenz und Siena besonders gute Tourenmöglichkeiten.

Lage Die Toskana erstreckt sich etwa im Dreieck zwischen den Städten La Spezia im Norden, Florenz im Osten und Grosseto im Süden.

Klima Die Küstenregion und das Landesinnere unterscheiden sich deutlich voneinander. Während man am Meer eher milde ­Temperaturen erwarten kann, ist ein ­Radurlaub in den Bergen nicht vor April empfehlenswert.


Blumen an der Riviera: Ligurien West

Italien: Sonnige Trainigsreviere für Rennradler

Wer sich von Vernazza in die Höhe schraubt, hat traumhafte Ausblicke auf die Riviera.

Wollten Sie schon immer mal das Finale von Mailand-­Sanremo als Trainingseinheit nachfahren? Dann ist während eines Urlaubs an der Blumenriviera die Gelegenheit dazu. Das legendäre Rennen im März heißt nicht umsonst "La Primavera" – der Frühling. Denn wenn in den Nordalpen noch die Skifahrer unterwegs sind, ex­plodieren an der ligurischen Mittelmeerküste bereits die Farben in der Natur. Der Frühling beginnt, wenn die Profis, aus der Po-Ebene kommend, über den 588 Meter hohen Passo del Turchino ­hinunter ans Meer rauschen. Allerdings sind es dann noch rund 140 lange Kilometer bis ins Ziel, garniert mit zahlreichen Wellen. Denn flach ist die Küstenstraße mitnichten!

Erster Hotspot: Der Ort ­Finale Ligure hat sich bereits bei Mountainbikern ­einen Namen gemacht. Höchste Zeit, dass ihn auch die Rennradler entdecken, denn es lohnt sich. Im Hinterland der Riviera, die an diesem Abschnitt Palmenriviera heißt, kurven die Sträßchen wie wild gewordene Schlangen durch die Berge. Auf der Klassiker-Tour "N Colli" sammelt man auf gerade mal 70 Kilometern Strecke rund 1.700 Höhenmeter. Generell gilt: Ohne Grundform am Berg sollte man nicht an die italienische Riviera reisen. Denn höchstens beim Küs­ten­dorf Albenga findet man einige Kilometer flaches Land. Um dem dichten Verkehr an diesem schmalen Küstenstreifen zu entfliehen, zieht es Radler sogar förmlich in die Berge. Zweiter Trainings-Hotspot ist die ­Region um Sanremo, hier Blumenriviera genannt. Sie erstreckt sich von Imperia bis zur französischen Grenze bei Ventimiglia. Aber es bleibt dabei: Die besten Strecken verlaufen auch hier durch die Berge. Und zwar seriöse ­Berge! Dagegen muten die letzten Küstenwellen des Profirennens – Capo Berta, Cipressa und Poggio – wie Maulwurfshügel an.

Lage Die Riviera di Ponente (so heißt der ­gesamte westliche Teil) erstreckt sich entlang des Mittelmeers zwischen Genua und Ventimiglia.

Klima An der westlichen Riviera herrscht ­typisches mediterranes Klima. Das heißt: viel Sonne, milde Winter und heiße Sommer. Am Küstenstreifen kann man deshalb bereits im Februar Kilometer ­abspulen. Aber das ist hier ja nur die ­halbe Miete. In den ­Bergen wird’s ­allerdings erst im April angenehmer.


Sardinien – die unentdeckte Insel

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Kaum Verkehr, schönes Wetter, abwechslungsreiches Terrain: Sardiniens Hinterland

Wer einmal auf Sardinien mit dem Rennrad unterwegs war, wundert sich, warum die zweitgrößte Insel im Mittelmeer ein solches Mauerblümchendasein fristet. So betriebsam es im Sommer (und nur dann!) in den Buchten zugeht, so verloren fühlt man sich auf den Straßen im Hinterland. Man kann die Autos an einer Hand abzählen, die einem während einer Trainingsrunde begegnen. Erst recht in der Vor­saison! Von Februar bis Mai ist selbst auf den sonst belebten Küstenstraßen kaum was los. Es fällt schwer, sich für eine bestimmte Region zu entscheiden: Costa Smeralda im Norden, Costa Rei im Südosten oder die wilde Westküste. Doch die Ost­küste in ihrer geografischen Mitte bietet die perfekte ­Mischung aus beständigem Schönwetter und abwechslungsreichem Terrain.

Im Dreieck der Orte Orosei, ­Nuoro und Arbatax erhebt sich das Supramonte-Gebirge. Neben Orosei bietet sich auch das etwas weiter nördlich ­gelegene Fischer­dorf La Caletta als Basislager an. In dessen Umland lassen sich sogar einige flache Kilometer abspulen. Denn sobald man auf Sardinien der Küste den Rücken kehrt, wandert die Kette nach links und der Blick nach oben. Highlight ist die Höhenstraße auf dem Rücken des monumentalen Karstberges Monte Albo. Von hier aus erspäht man Dutzende weiterer Serpentinenstraßen an den umliegenden Bergflanken. ­Während es dabei so manchem Auto-Touristen schwindelig werden dürfte, geht Kletterern bei dem Anblick das Herz auf. Die Bergdörfer präsentieren sich ohne Pomp und Nepp, hier hat der Tourismus noch keine Spuren hinterlassen. Und man wünscht sich, es möge so bleiben.

Lage Sardinien liegt südlich von Korsika, die Nordspitze ­Sardiniens ist nur 12 Kilometer von Korsikas Südzipfel entfernt. Die Entfernung zum italienischen Festland beträgt etwa 200 Kilometer.

Klima Das Frühjahr ist die beste Zeit für ­Sardinien. An der Ostküste ist es milder als an der Westküste. Im Februar hat es oft schon 15 Grad, im Mai ist es sommerlich warm. Hochsommer besser meiden.


Gardasee Süd – der Lieblingssee der Münchner

Italien: Sonnige Trainigsreviere für Rennradler

Castion Veronese im Südosten des Gardasee

In den 1980er-Jahren entdeckten ihn zuerst die Windsurfer. Bald darauf schwang sich sein Nordufer zum Mekka der Mountainbiker auf. Doch auch für Rennradfahrer hat der Gardasee ­reizvolle Strecken zu bieten. Während der See nach Norden hin wie ein Fjord zwischen hohen Bergen eingekesselt ist, finden Rennradler am Südende ideale topografische Bedingungen vor. Zwischen Garda und Peschiera reihen sich bildhübsche Orte aneinander, die man als ­Basislager wählen kann. Wo die Alpen in der Po-Ebene verebben, lassen sich alle ­Varianten des Radsports trainieren. Wer noch die ersten Jahreskilometer sammeln muss, steuert Richtung Süden ins flache Land. Zahlreiche einspurige Sträßchen schlängeln sich dort durch die Po-Ebene. Mit ihren endlosen Feldern mutet die Kornkammer Italiens wie ein gigan­tisches Schachbrett an. Eine andere Welt, im Gegensatz zu den touristischen Orten am See.

Die abwechslungsreichste Landschaft findet man in den Weinbergen des Valpolicella, zwischen Garda, dem Etschtal und der Gegend nördlich von Verona. Die Anstiege sind nicht sehr steil aber zahlreich. Immer wieder passiert man hübsche Dörfer, die pittoresk auf den Hügeln thronen. Verführerische ­Gelegenheiten, den Frühling bei einem Cappuccino auf der Piazza zu genießen. Aber auch wer richtig Höhenmeter sammeln will, kommt auf seine Kosten. Die Touren übers Monte-Baldo-Massiv haben hochalpinen Charakter. Bis auf 1.617 Meter Höhe schraubt sich die Panoramastraße hinauf, inklusive atemberaubender Blicke auf den Gardasee. Und auch in den Bergen am Westufer des Sees finden sich steile Herausforderungen. Zum Beispiel am Passo Cavallino, ein ­echter Geheimtipp zwischen Garda- und Idrosee. Und falls das Wetter einmal verrückt spielen sollte, liegt mit Verona eine der schönsten Kulturhauptstädte Nord­italiens ganz in der Nähe. Dann macht ein Bummel durch die Altstadt und zum berühmten Amphitheater wieder gute Laune.

Lage Der Gardasee liegt am Südrand der Alpen und ist der östlichste der oberitalienischen Seen. Sein Südostufer ragt deutlich in die Po-Ebene hinein. Die Region gehört zu Venetien.

Klima Der See liegt zwar gerade mal auf 65 Metern Meereshöhe. Aber allzu früh im Jahr empfiehlt sich der Nordrand der Po-Ebene nicht zum Radfahren. Der März zählt zu den trockensten Monaten, die maximale Durchschnittstemperatur beträgt dann etwa 13 Grad. Von Mai bis Oktober sind die Temperaturen ideal für Radler.


Feuerinsel im Süden: Sizilien

Italien: Sonnige Trainigsreviere für Rennradler

Wunderschön, aber man sollte wissen: Im Norden Siziliens ist es nur an der Küste flach

Auf der größten Mittelmeerinsel dauert die Radsport­saison zwölf Monate – wenn man nicht gerade den Ätna erklimmen möchte. Der 3.323 Meter hohe Vulkan ist in den Wintermonaten meist schneebedeckt. Die Straße zum Rifugio Sapienza endet auf rund 2.000 Metern, die Fahrt kann noch im Früh­sommer eine frostige Angelegenheit werden. Die Region fürs Trainingslager sollte man der Form entsprechend wählen, denn die Topografie der Insel verzeiht in diesem Punkt keine Fehler. Wer noch an seiner Kletterfähigkeit feilen muss, sollte den Süden bevorzugen. In der Region um die Stadt Siracusa ist das Terrain moderat. Entlang der Küste finden Radler eine stimmige Mischung aus ­Rollerstrecken und sanften Hügeln im Hinterland, die sich bis etwa 600 Meter Höhe aufschwingen. Das kleine Karstgebirge Monti Iblei bietet mit seinen tiefen Schluchten eine ideale Kulisse für die ersten Höhenmeter. Das Ätna Massiv wirkt im Norden wie eine Wolkenbarriere, ­sodass der Süden zudem von der Sonne verwöhnt ist.

Wer bereits genügend Druck für längere Anstiege in den Beinen hat, der findet sein ­Nirvana an der Nordküste Siziliens. Dort ist es deutlich einsamer und verkehrsärmer als im Süden. Das reizvolle Örtchen Cefalù schmiegt sich an die Berge, die direkt hinter den Buchten in die Höhe steigen. Man sollte sich ruhig trauen, den schmalen Küstenstreifen zu verlassen: Die Gipfel der ­nahen Naturparks Madonie und Nebrodie erreichen zwar knapp 2.000 Meter, die Passhöhen liegen aber 1.000 Meter tiefer und die Straßen dorthin legen sich in moderaten Steigungen über die Hänge. Wer das schafft, kann sich dann auch an den Ätna wagen: Rettungsritzel montieren und Zähne zusammenbeißen!

Lage Sizilien liegt südwestlich der italienischen Stiefelspitze im Mittelmeer. Zum Vergleich: Das Südkap der Insel liegt etwa auf Höhe der nordafrikanischen Stadt Tunis.

Klima Bereits im Januar und Februar kann es an den Küsten bis zu 15 Grad warm ­werden – bei maximal 5 bis 6 Regentagen im Schnitt pro Frühjahrsmonat. Tendenziell regnet es im Norden etwas mehr. Im Hochsommer ist es definitiv zu heiß zum Radfahren.

TOUR Titel 5/2016

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Jörg Wenzel am 13.12.2016
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