Gardasee – Rennratouren in Oberitalien

Jörg Spaniol

 · 25.08.2022

Gardasee – Rennratouren in OberitalienFoto: Joerg Spaniol

Am Rand der Po-Ebene ragt der Gardasee wie ein Fjord tief in die Alpen. Für Kletterer, Mountainbiker und Surfer ist er eine Art Pilgerziel, doch viele Rennradler fremdeln mit dem betriebsamen Umland des Prachtgewässers. Unsere Touren könnten sie bekehren.

Der gut 50 Kilometer lange Gardasee ist der größte See Italiens. Sein Nordende liegt in der hochgebirgigen Provinz Trento, im Süden laufen seine Ufer flach in die Po-Ebene aus. Der Wasserspiegel liegt nur 65 Meter über Meereshöhe, im unteren Bereich der Berge wachsen mediterrane Pflanzen. Unser Standort Torbole liegt im nordöstlichen Eck des Sees. Rundherum steigen die Berge steil auf über 2.000 Meter an. Die Rennrad-Erfahrung rund um den See ist extrem zweigeteilt: Während im unteren Bereich stark frequentierte und überwiegend gut ausgebaute Radwege den Autoverkehr umgehen, wird es in den Anstiegen fast sofort ruhig, bisweilen einsam. Die Straßenbeläge sind durchgängig gut bis sehr gut. Längere Anstiege mit zweistelligen Steigungsprozenten sind die Ausnahme. Unsere Richtungsempfehlungen bevorzugen ruhige Anstiege und schnelle Abfahrten – Passagen auf Hauptstraßen sind fast immer abwärts orientiert. Entspannte Flachstrecken gibt es am Gardasee kaum; die theoretisch mögliche Umrundung des Sees ist nicht zu empfehlen, sie verläuft auf stark befahrenen Hauptstraßen und vor allem am Westufer teilweise durch Tunnel.

Vier Traumtouren rund um den Gardasee

Tour 1 über den Passo Durone ins Sarca-Tal

  • 87 Kilometer
  • 1.700 Höhenmete
  • max. 10 % Steigung

Kurz nach Riva klettert die Straße 500 Höhenmeter zum Lago di Tenno. Im Sommer ist die westlichere Variante über die SP-37 schattiger. Der Passo Durone ist angenehm zu fahren, die Abfahrt verträgt Tempo. Es folgen ein feines Sträßchen überm Sarca-Tal und der gut aus- gebaute Radweg, der zeitweise die verkehrsreichere SS-237 und ihre Tunnel vermeidet. Die kleine Straße durch die Felsen der Marocche südlich des Lago di Cavédine leitet dann zurück auf den Radweg zum Gardasee.
Rasttipp Die Bar Ristorante Passo Durone auf der Passhöhe hat am Wochenende geöffnet. Wer noch durchhält, findet an der Hauptstraße in Stenico mehrere gepflegte Bars mit Snacks.

Tour 2 hinterrücks auf den Monte Bondone

  • 107 Kilometer
  • 2.100 Höhenmeter
  • max. 18 % Steigung

Der Monte Bondone ist der Skiberg von Trento und war zuletzt 2020 ein Anstieg des Giro. Der lange, hübsch gleichmäßige Anstieg von Norden steigt selten steiler als zehn Prozent, etwa 30 Kehren entlasten zwischendrin. Der obere Teil gewährt schöne Fernblicke in die Massive von Adamello- und Brentagruppe. Die Abfahrt nach Osten ist rasant und gut ausgebaut.
Rasttipp Außerhalb der Saison sind Skigebiet und Hotelsiedlung am Bondone mausetot. Kurz hinter Sopramonte, am Beginn des Anstiegs, direkt an der Straße, versorgt die Pizzeria 3 Cime del Bondone (Tel. 0039/0461/865441) auch Handwerker der Gegend.

Tour 3 über Arco zum Feierabend-Klassiker der Gegend

  • 43 Kilometer
  • 1.200 Höhenmeter
  • max. 14 % Steigung

Nach der Radweg-Anreise bis Arco beginnt ein Feierabend-Klassiker der Gegend. Mit mehr als 20 Kehren klettert ein einspuriges Sträßchen mit durchschnittlich 12 Prozent Steigung durch den Wald nach Santa Barbara – die erste Hälfte ist steiler, die zweite flacher. Es ist sinnvoll, die Runde im Uhrzeigersinn zu fahren, denn die gut ausgebaute Abfahrt lässt mächtig Speed zu.
Rasttipp Panoramastopp mit Terrasse auf den letzten Metern vor Torbole: Die Bikebar Al Forti- no an der Via Europa liegt perfekt. Telefon 0039/0464/571110, www.alfortino.com

Tour 4 mit Anlauf auf den Monte Baldo

  • 117 Kilometer
  • 2.500 Höhenmeter
  • max. 18 % Steigung

Frühaufsteher sind im Vorteil: Bald nach Sonnenaufgang bläst bei klarem Himmel eine starke Thermik und schiebt Radler längs der Uferstraße. Die ist ab etwa neun Uhr stark befahren; der teils vorhandene Radweg ist keine brauch- bare Alternative. In den Galerien ist ein Rücklicht sinnvoll. Ab Torre del Benaco geht es bergauf. Die Steigung ist meist moderat, doch gegen Ende schwingt sich die Strecke zweimal auf etwa 1.600 Meter Höhe auf. Eine 18-Prozent- Rampe bestraft dort oben alle, die ihre Kräfte zuvor verpulvert haben. Die Abfahrt ist ein Sturzflug auf breiten Straßen.
Rasttipps Im Zentrum von Caprino Veronese lockt die Bar Roma, schräg gegenüber verkauft die Pasticceria Zomer Leckereien und Pizzastücke. In Spiazzi, auf halber Höhe des Anstiegs, sind auch außerhalb der Sommersaison geöffnete Restaurants wie die Trattoria Speranza zu finden. Kurz vor der finalen Abfahrt beeindruckt das Rifugio Bocca di Navene an der SP-3 mit sensationellem Blick zum Gardasee.

Download