Werkstatt

Rennrad Schaltung richtig einstellen

Dirk Zedler am 11.04.2007

Aktuelle Rennrad-Schaltungen sind Ausweis schönster Feinmechanik – aber nur, wenn sie präzise eingestellt sind. Wir zeigen wie Sie Schaltwerk und Umwerfer wider exakt ausrichten.

Aktuelle Rennrad-Schaltungen sind Ausweis schönster Feinmechanik – aber nur, wenn sie präzise eingestellt sind. Das Ende der Winterpause ist ein gute Gelegenheit, Schaltwerk und Umwerfer wieder einmal exakt auszurichten.

Schwierigkeitsgrad: für begabte Hobby-Mechaniker

Werkzeug: 5 mm Innensechskant, Schlitz- oder Kreuzschlitzschraubendreher

Tipp 1: Die Schaltung einzustellen erfordert Geduld. Von Vorteil ist ein Montageständer oder ein Helfer, der das Hinterrad hochhebt.

Tipp 2: Lässt sich die Schaltung nicht sauber einstellen, kann das an fehlender Schmierung oder ungünstiger Zugverlegung liegen und damit an zu hoher Zugreibung.

Tipp 3: Wird die Schaltung während der Fahrt unpräzise, hat sich vermutlich ein (neu verlegter) Zug gelängt. Kleinere Korrekturen unterwegs kann man an den Anschlagschrauben am Steuer- oder Unterrohr vornehmen.

Tipp 4: Überprüfen Sie nach der Justage die Schaltfunktion bei einer Probefahrt abseits des Straßenverkehrs.

EINSTELLEN DES SCHALTWERKS –
SO WIRD’S GEMACHT

Fotostrecke: Rennrad-Schaltungen richtig einstellen, Schaltwerk einstellen

1. Schalten Sie mit vorderem Umwerfer und hinterem Schaltwerk die Kette auf das kleinste Blatt bzw. Ritzel, bis beim Herunterschalten keine Raststufen mehr ausgelöst werden. Die Schaltzüge sind dann vollständig entspannt. Schauen Sie von hinten auf das Schaltwerk. Die Führungsrolle des Schaltwerks muss exakt unter dem kleinsten Ritzel stehen, die Kette bildet dann eine gerade Linie. Ist dies nicht der Fall, müssen Sie die Position mit der Endanschlagschraube einrichten.

2. Bei Schaltwerken sind die Schrauben oft mit „h“ (high gear) und „l“ (low gear) gekennzeichnet. Der hohe Gang bedeutet große Übersetzung, also das kleine Ritzel. Sind Schrauben nicht markiert, hilft nur der Versuch. Drehen Sie die Schraube rechts herum, wenn das Schaltwerk weiter innen, oder nach links, wenn es weiter außen stehen soll. Zählen Sie die Umdrehungen, damit Sie zurückdrehen können, falls Sie an der falschen Schraube gedreht haben und sich das Schaltwerk nicht bewegt.

 

 

3. Stimmt der äußere Endanschlag, dann prüfen Sie den inneren. Drehen Sie langsam an der Kurbel, und drücken Sie mit der anderen Hand das Schaltwerk vorsichtig nach innen, bis die Kette bis zum größten Ritzel hochgeklettert ist. Der Kettenwechsler darf sich in dieser Stellung nicht weiter nach innen drücken lassen, sonst kann die Kette zwischen Zahnkranz und Speichen geraten, oder der Schaltwerkskäfig kollidiert mit den Speichen. Beides kann zu Stürzen und schweren Schäden führen.

4. Begrenzen Sie den Weg des Schaltwerks mit der zweiten Endanschlagschraube, bis die Kette zuverlässig auf dem größten Ritzel läuft. Drehen Sie weiter an der Kurbel und lassen Sie das Schaltwerk los, so dass die Kette wieder auf dem kleinsten Zahnrad läuft.

5. Drehen Sie die Justageschrauben für die Zugspannung an Schaltwerk und Gegenhalter am Unter- oder Steuerrohr des Rahmens ganz hinein (siehe auch Bilder Nr. 7 und Nr. 5 nachfolgend Umwerfer). Der Schaltzug sollte nicht schlaff herunterhängen, sondern leicht gespannt sein.

6. Ist das nicht der Fall, lösen Sie die Klemmschraube (nicht ganz herausdrehen) am Schaltwerk. Halten Sie dabei den Schaltzug fest. Ziehen Sie den Zug straff, er soll aber weiter in der Führungsrille im Schaltwerk und in der Beilagscheibe der Schraube verlaufen. Klemmen Sie den Zug wieder.

7. Drehen Sie nun an der Kurbel und schalten Sie einen Gang hoch. Die Kette sollte unmittelbar aufs nächste Ritzel hochklettern. Tut sie das nicht, müssen Sie den Zug erneut straffen. Schalten Sie wieder zurück und drehen Sie die Justageschraube, durch die der Zug ins Schaltwerk läuft, eine halbe Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn heraus. Die Außenhülle wird dadurch vom Schaltwerk wegbewegt, der Innenzug gewinnt an Spannung. Prüfen Sie erneut den Schaltvorgang. Wenn die Kette nicht klettert, müssen Sie erneut eine halbe Umdrehung zulegen.

 

 

8. Klettert die Kette hoch, schalten Sie zurück, um zu prüfen, ob die Kette auch abwärts wandert. Wenn die Kette auf dem zweiten oder dritten Ritzel läuft, werfen Sie einen Blick von hinten auf das Schaltwerk. Die Kette sollte vom Ritzel gerade nach unten auf die Leitrolle laufen und nicht am benachbarten oberen oder unteren Ritzel streifen. Klappt der Schaltvorgang vom kleinsten aufs nächstgrößere Ritzel und zurück, schalten Sie nacheinander alle Gänge durch. Aufs größte Ritzel sollten Sie allerdings vorsichtig schalten, damit die Kette nicht darüber hinaus läuft, falls die Endanschlagschraube noch nicht optimal justiert wurde. Liegt die Kette auf dem größten Zahnrad, prüfen Sie die Begrenzung des Schwenkbereichs nochmals, indem Sie das Schaltwerk von Hand in Richtung Speichen drücken und am Laufrad drehen.

9. Für eine optimale Funktion der Schaltung muss zwischen der oberen Führungsrolle und der Stelle, an der die Kette das Ritzel verlässt, stets ein Abstand von einem Kettenglied vorhanden sein, zwei Laschen müssen also frei liegen. Zur Einstellung dieses Abstandes haben die Schaltwerke von Shimano und Sram eine Schraube, die sich auf der Stirnseite des Ausfallendes abstützt. Drehen Sie diese Schraube ein, bis der gewünschte Abstand hergestellt ist. Drehen Sie zur Kontrolle die Kurbeln rückwärts. Die Leitrolle sollte die Ritzel auch bei dieser Bewegung nicht berühren.

10. Genügt der Abstand noch nicht, kann man die Kette um ein Glied kürzen. Das spannt das Schaltwerk mehr vor. Schalten Sie zur Kontrolle der richtigen Kettenlänge vorne vorsichtig auf das große Blatt. Läuft die Kette hinten auf dem kleinen Ritzel, müssen die Schaltungsrollen senkrecht übereinander stehen.

11. Zwei Dinge unterscheiden die Schaltwerke von Campagnolo in der Einstellung von den Shimano- und Sram-Modellen: Die Endanschlagschrauben liegen auf der Außenseite, und die hintere Schraube ist für den inneren Anschlag, die vordere Schraube für den äußeren.

12. Den Abstand der Führungsrolle zu den Ritzeln regeln Sie mit der Schraube auf der Unterseite des Schaltwerks ganz in der Nähe der Achse der Führungsrolle.

EINSTELLEN DES UMWERFERS –
SO WIRD’S GEMACHT

Fotostrecke: Rennrad-Schaltungen richtig einstellen, Umwerfer einstellen

1. Schalten Sie hinten aufs größte Ritzel und vorne auf das kleine Kettenblatt. Prüfen Sie den Verlauf des äußeren Leitblechs zum großen Kettenblatt. Die Unterkante des Leitblechs sollte in ihrem Verlauf gleichmäßig im Abstand von etwa zwei Millimetern zum Kettenblatt stehen. Beachten Sie, dass die Zähne moderner Kettenblätter teils unterschiedlich geformt sind, was zu Täuschungen führen kann. Schauen Sie von oben oder hinten auf den Umwerfer und das Kettenblatt. Das äußere Leitblech sollte parallel zu den Kettenblättern stehen.

2. Ist eine dieser beiden Bedingungen nicht gegeben, lösen Sie die Befestigungsschraube des Umwerfers ein bis zwei Umdrehungen und justieren Sie diesen ein. Drehen Sie die Schraube wieder fest und kontrollieren Sie die beiden geometrischen Voraussetzungen nochmals.

3. Kontrollieren Sie die Stellung des inneren Leitblechs zur Kette. Die Kette sollte nicht streifen, der Abstand muss jedoch so klein wie möglich sein. Stellen Sie den Abstand mit der innen liegenden Endanschlagschraube ein. Da sich diese durch aufliegenden Umwerfer meist schwer drehen lässt, sollten Sie die Schraube entlasten, indem Sie den Werferkäfig von Hand etwas nach außen schwenken. Schrauben Sie den Endanschlag schrittweise hinein und drehen Sie dazwischen immer wieder die Kurbel, bis der Abstand passt. Prüfen Sie, ob die Zugspannschraube am Unter- oder Steuerrohr ganz hineingedreht und ob der Schaltgriff entspannt ist, bevor Sie kontrollieren, ob der Zug straff gespannt ist. Der Zug sollte sich am Unterrohr so gut wie gar nicht wegziehen lassen, bevor sich der Umwerfer in Bewegung setzt.

4. Ist dies nicht der Fall, halten Sie den Zug des Umwerfers fest und lösen Sie die Zugklemmschraube um ein bis zwei Umdrehungen. Straffen Sie den Zug und klemmen Sie den Zug wieder in den Führungsnuten fest. Schalten Sie hinten auf ein Ritzel in der Mitte.

5. Drehen Sie die Kurbel, schalten Sie aufs große Kettenblatt. Klettert die Kette nicht hoch, liegt es an der zu geringen Zugspannung oder an der

zu weit eingedrehten Endanschlagschraube. Spannen Sie den Zug mit der Spannschraube am Steuerrohr oder Unterrohr um eine halbe Umdrehung entgegen dem Uhrzeigersinn, versuchen Sie es erneut. Gelingt dies nicht und Sie spüren harten Widerstand am Schalthebel, drehen Sie die außen liegende Endanschlagschraube etwas heraus. Versuchen Sie erneut, auf das große Blatt zu schalten. Straffen Sie den Zug so lange, bis es problemlos klappt.

6. Lassen Sie die Kette auf dem großen Blatt, schalten Sie hinten aufs kleinste Ritzel. Der Abstand Umwerfer-Kette muss wieder so eng wie möglich werden, damit die Kette nicht nach außen abgeworfen wird. Entspannen Sie den Schaltzug wieder, indem Sie herunterschalten und drehen Sie die Endanschlagschraube eine Viertel Umdrehung hinein. Schalten Sie wieder hoch und drehen Sie an der Kurbel. Sooft wiederholen, bis die Einstellung völlig in Ordnung ist.

7. Stimmt die Grundeinstellung von Schaltwerk und Umwerfer, müssen Sie die Funktion prüfen. Schalten Sie bei verschiedenen Kurbeldrehzahlen schwungvoll vom großen aufs kleine Blatt, wenn hinten das größte Ritzel aufliegt. Umgekehrt – hinten kleinstes Ritzel, Schaltvorgang vom kleinen aufs große Blatt – muss es ebenfalls llappen, ohne dass die Kette abgeworfen wird. Kontrollieren Sie zum Abschluss die Schrauben an Schaltwerk und Umwerfer mit einem Drehmomentschlüssel gemäß den Angaben Ihres Schaltungsherstellers.

Dirk Zedler am 11.04.2007
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