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Pflege und Behandlung von Carbon

Dirk Zedler am 21.03.2007

Kunststoffe, meist unter dem klangvollen Namen „Carbon“, ersetzen mehr und mehr das Metall an Fahrrädern. TOUR nennt die wichtigsten Irrtümer, die über das schwarze Material kursieren und zeigt Tricks, wie Sie seinen Glanz erhalten oder wiederherstellen.

Kunststoffe, meist unter dem klangvollen Namen „Carbon“, ersetzen mehr und mehr das Metall an Fahrrädern. TOUR nennt die wichtigsten Irrtümer, die über das schwarze Material kursieren und zeigt Tricks, wie Sie seinen Glanz erhalten  oder wiederherstellen. 

Schwierigkeitsgrad: für jedermann

Sie benötigen dafür:

  • Werkzeug: Schraubendreher
  • Hilfsstoffe: Hartwachs, weicher Lappen, Lackstift, Schleifpapier, transparente  Klebefolie

WARNUNG:

Bauteile aus Carbon verformen sich nicht, bevor sie brechen. Wenn Ihr Fahrrad einen Sturz oder Unfall hinter sich hat, müssen Sie es sorgfältig untersuchen. Verfärbungen, Blasen, Wellen oder Risse in der Oberfläche von Bauteilen sind deutliche Indikatoren für Überlastung. Bessern Sie solche Lackstörungen nicht einfach aus, sondern gehen Sie mit einem derart veränderten Bauteil zu Ihrem Händler, damit dieser es sorgfältig untersucht. Im Zweifel ist der Tausch immer die sichere Wahl.
 

Irrtum 1:
Carbonrahmen und -gabeln korrodieren nicht

Fotostrecke: Pflege und Behandlung von Carbon, Irrtum 1

Carbon selbst ist resistent, das stimmt. Aber alle in den Kunststoff eingebetteten Metallteile können korrodieren, wenn die Oberfläche der Bauteile nicht regelmäßig versiegelt wird. Insbesondere an Kanten, Spalten, Mulden und angenieteten oder angeklebten Zuganschlägen aus Aluminium beginnt der Materialfraß.

Schützen Sie Rahmen, Gabel und – mit Ausnahme der Bremsbeläge und der Bremsflanken der Felgen – alle Bauteile mit handelsüblichem Hartwachs. Bei einem neuen Rad machen Sie das am besten, bevor Sie zur ersten Ausfahrt starten. Danach sollten Sie mindestens zweimal pro Jahr zur Wachs-Flasche greifen.

Haben Sie diesen Erstschutz versäumt, dann waschen Sie das Rad vor der Wachskur zunächst mit reichlich Wasser, um Salze aus Schweiß, Elektrolytgetränken und von der Straße aufzulösen und zu entfernen. Fahrradreiniger bringen oft nicht den gewünschten Erfolg, da diese hauptsächlich Öle und Fette auflösen.

Irrtum 2:
Carbon-Oberflächen sind unempfindlich

Fotostrecke: Pflege und Behandlung von Carbon, Irrtum 2

Rahmen und Gabel bestehen meist aus Kohlefasern, eingebettet in eine Epoxydharz-Matrix, die Oberfläche vereinzelt aus resistentem, ausgehärtetem Harz; in der Regel ist der Rahmen komplett überlackiert. Da der Lack nicht sehr heiß ausgehärtet werden kann, haftet er meist schlecht. Schützen Sie gefährderte Bereiche mit klarer Kunststofffolie.

Kleben Sie die Bereiche, an denen Gegenstände anstoßen oder scheuern können (Steuerrohr im Zugbereich, Kettenstrebe oben, etc.) sowie den Bereich rund um das Tretlagergehäuse auf der rechten Seite ab. Bedecken Sie die Kettenstrebe außen bis hin zum Ende des großen Kettenblattes. Die paar Gramm Zusatzgewicht sind gut investiert.

Ist dennoch ein Schaden in der Oberfläche entstanden, bessern Sie diesen so schnell wie möglich aus. Lösen Sie mit einem feinen Schraubendreher lose Lackbereiche vollständig ab.

Schleifen Sie den Bereich mit einem feinen Schleifpapier eng begrenzt und ganz vorsichtig an. Wischen Sie den Schleifstaub ab.

Die Epoxydharz-Matrix ist unempfindlich gegen übliche Lacke. Sie können die Stelle mit einem handelsüblichen Lackstift abtupfen.

Matte Stellen oder oberflächliche Kratzer können Sie mit Lackreiniger, der Schleifpartikel enthält, polieren. Für regelmäßige Pflege ist er ungeeignet, da er die Oberfläche allmählich abträgt.

Irrtum 3:
Carbon ist gleich Carbon

Fotostrecke: Pflege und Behandlung von Carbon, Irrtum 3

Bei weitem nicht alle Bauteile, auf denen der Schriftzug „Carbon“ prangt, bestehen aus langen Kohlefasern, die in einen Duroplast-Kunststoff eingelagert sind. Oft handelt es sich um thermoplastische Spritzkunststoffe, in die gar keine oder nur sehr kurze Fasern mit wenigen Millimetern Länge beigemengt sind. Zur Pflege dieser meist unlackierten Bauteile eignet sich Silikonspray, oft unter dem Namen „Cockpitspray“ im Handel.

Pedale und Schaltbremsgriffkörper aus Spritzkunststoff erleiden schnell Kratzer wegen der weichen Oberfläche. Diese Kratzer können Sie zuerst mit grobem Schleifpapier einebnen.

 

 

Mit feiner Körnung wird die Oberfläche dann annähernd wieder glatt. Behandeln Sie die verschliffene Stelle abschließend mit Silikonspray, um einen matten Glanz zu erzielen.

Ist das Kunststoffmaterial nicht durchgefärbt, müssen Sie nachlackieren. Probieren Sie an einer verdeckten Stelle zuerst aus, ob sich der Lack mit dem Kunststoff verträgt.

Lackieren Sie anschließend den staubfreien Grund in mehreren dünnen Schichten. Lassen Sie dazwischen den Lack immer vollständig aushärten.

Dirk Zedler am 21.03.2007
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