Werkstatt

Drehmomentschlüssel richtig einsetzen

Dirk Zedler am 23.01.2005

Nach fest kommt ab: Dieser flapsige Mechanikerspruch über das abrupte Ende eines Schraubenlebens gilt in der modernen Fahrradwelt mehr denn je. Die Jagd nach dem letzten Gramm macht nämlich auch vor Schrauben nicht Halt. Wo sonst Stahlschrauben mit soliden acht Millimetern Durchmesser die Stellung hielten, müssen inzwischen oft mehrere fünf Millimeter zarte Titanschräubchen ihre Köpfe hinhalten. Schrauben und Drehmomentschlüssel wollen mit Sachverstand bedient werden. TOUR gibt Tipps.

Nach fest kommt ab: Dieser flapsige Mechanikerspruch über das abrupte Ende eines Schraubenlebens gilt in der modernen Fahrradwelt mehr denn je. Die Jagd nach dem letzten Gramm macht nämlich auch vor Schrauben nicht Halt. Wo sonst Stahlschrauben mit soliden acht Millimetern Durchmesser die Stellung hielten, müssen inzwischen oft mehrere fünf Millimeter zarte Titanschräubchen ihre Köpfe hinhalten. Da bleibt nicht viel Spielraum zwischen zuverlässigem „Fest“ und gefährlichem „Ab“. Hersteller sollten deshalb Schraubverbindungen mehr Aufmerksamkeit widmen. Oft wird beispielsweise eine Konstrukteurs- Faustregel vernachlässigt, die besagt, dass bei harten Alu-Werkstoffen die Einschraubtiefe einer Schraube mindestens das 1,4-fache ihres Durchmessers betragen muss.

Auch wenn Sie das erforderliche Drehmoment kennen: Bei einer rostigen Schraube braucht man schon einige Kraft, nur um die Schraube zu bewegen, während eine neue, mit hochwertigem Montagefett geschmierte Schraube kaum reibt. Bis auf wenige Ausnahmen sollten alle Schrauben am Rad gefettet werden – es sei denn, der Hersteller verbietet es ausdrücklich. Bedenken Sie auch, dass sich Bauteile setzen: Werden Komponenten verschraubt, passen sich die Teile im Betrieb an, die Fugen werden kleiner, die Spannkraft der Schraube lässt nach. Deshalb muss man schon kurze Zeit nach der Montage den festen Sitz der Teile kontrollieren.

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1. Kontrollieren Sie den Zustand der Schraubverbindung. Die Bauteile müssen genau zueinander passen. Sattelstützen müssen sich ohne Kraft in das Sitzrohr schieben lassen, dürfen jedoch kein fühlbares Spiel aufweisen. Bestehen Sattelstütze und/oder Rahmen aus Carbon, darf nicht gefettet werden, sonst lässt sich die Stütze nicht mehr klemmen und wird zerstört.

2. Prüfen Sie vor dem Festziehen, ob Schraube und Mutter die richtige Länge haben. Ein Klassiker: Die Hülsenmutter für den Bremsbolzen ist oft zu kurz für die Montage an einer Carbon- Gabel. Zählen Sie deshalb die Umdrehungen: Die Mutter sollte mindestens sechs volle Umdrehungen greifen – andernfalls muss ein längeres Exemplar her.

3. Fast alle Schrauben am Rad sollten gefettet werden, damit’s nicht reibt und rostet. Wichtig ist Schmierstoff nicht nur am Gewinde, sondern auch unter dem Schraubenkopf. Dort entstehen sehr hohe Flächenpressungen, welche die Oberfläche des Bauteils beschädigen können.

4. Mit Schraubenklebstoff versehene Schrauben sollten nicht gefettet werden – etwa die Bolzen an den Bremskörpern. Hier empfiehlt es sich (bei Metall-Rahmen), nur die Außenseite der Hülsenmutter zu fetten. Lagerschalen von Kompakt- Innenlagern sollten Sie trotz Schraubenkleber innen und außen fetten, sonst können sie knacken und korrodieren.

5. Um Herstellungskosten zu sparen, sind Schraubenköpfe oft unpräzise gefertigt und bieten dem Werkzeug keine ausreichende Stützfläche. Setzen Sie das Werkzeug mit Bedacht ein, damit es nicht verkantet.

6. Halten Sie das Werkzeug für ein korrektes Ergebnis am Griff fest und ziehen Sie die Verschraubung aus der Drehung heraus an, bis der Schlüssel den entsprechenden Wert anzeigt, knackt oder auslöst. Damit nicht die Haftreibung der Schraube gemessen wird, sondern das tatsächliche Drehmoment, muss die Schraube mindestens eine Drittel-Umdrehung bewegt werden.

7. Dremoment-Vorgaben bezeichnen meistens Obergrenzen – nähern Sie sich diesem Wert schrittweise über niedrigere Werte, beginnen Sie bei etwa zwei Dritteln des Maximalwertes. Überprüfen Sie zwischendurch den festen Sitz des Bauteils. Bevor Sie einen höheren Wert einstellen, lösen Sie die Schraube wieder eine halbe Umdrehung. Notieren Sie die Werte.

8. Achten Sie bei der Montage auf Warnsignale. Schließt sich eine Klemmung so weit, dass die Flächen aufeinander liegen, klemmt die Schraubenkraft nicht mehr, sondern verformt die Bauteile. Prüfen Sie, ob das Teil eventuell schon bei deutlich geringeren Anzugsmomenten sicher geklemmt wird. Andernfalls stimmt die Passung zwischen den Teilen nicht.

9. Bei Lenker und Vorbau können zur sicheren Klemmung höhere Kräfte als vom Hersteller angegeben erforderlich sein. Zur Schonung des Materials empfiehlt es sich, den Klemmbereich mit Spezial-Klebstoff, zum Beispiel für Welle-Nabenverbindungen, zu bestreichen. Das sichert die Verschraubung auch bei niedrigeren Anzugsmomenten.

10. Bei Lenker und Vorbau können zur sicheren Klemmung höhere Kräfte als vom Hersteller angegeben erforderlich sein. Zur Schonung des Materials empfiehlt es sich, den Klemmbereich mit Spezial-Klebstoff, zum Beispiel für Welle-Nabenverbindungen, zu bestreichen. Das sichert die Verschraubung auch bei niedrigeren Anzugsmomenten.

Umrechnungsfaktoren von älteren Drehmomentangaben in international gültige SI-Einheiten:

1 kgcm = 0,0981 Nm
1ft.lb = 1,3558 Nm
1 in.lb = 0,113 Nm
1 Nm = 8,8508 in.lb
1mkg = 9,8067 Nm

Bitte lesen Sie auch unsere Marktübersicht über Drehmomentschlüssel in der Rubrik Test & Technik: Zubehör

Dirk Zedler am 23.01.2005