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Rennrad und Hobby richtig versichern

Versicherungen rund ums Thema Radsport

Matthias Borchers am 12.10.2020

Für Versicherer sind Radsportler eine besondere Risikogruppe. Wir zeigen, worauf Radsportler vor Abschluss einer Unfall-, Diebstahl- oder Haftpflicht-Versicherung achten sollten und was sie kosten.

Radsportler sind keine normalen Radfahrer. Jedenfalls nicht für Versicherungen. Stürze im Trainingscamp auf Mallorca oder im Pulk beim Radmarathon – egal, ob selbst- oder fremdverschuldet – sind von Standardverträgen sehr häufig ebenso wenig abgedeckt wie der Diebstahl eines teuren Rennrads. Für Radsportler ist es deshalb ratsam, ihr individuelles Risiko ungeschönt zu definieren und jede Klausel im Versicherungsvertrag daraufhin zu überprüfen.

Unfall-, Haftpflicht- und Hausratversicherung können die typischen Risiken eines Rennradlers wie Stürze bei Training und Rennen oder Diebstahl absichern. Aber: Nicht alle Versicherungen decken alle Risiken ab. Neue, aber vor allem ältere Verträge sollte man deshalb unbedingt darauf überprüfen, ob die speziellen Anforderungen durch den Sport enthalten sind. Individuelle Anpassungen sind bei vielen Anbietern möglich, wenn auch gegen Aufpreis. Den Basis-Schutz aller drei Versicherungen gibt’s im Paket ab 300 Euro.

1. Unfall-Versicherung 

Eine private Unfallversicherung sichert gegen die finanziellen Folgen eines schweren Unfalls ab, gilt weltweit und rund um die Uhr. Für diese Versicherung lassen sich, abhängig von Beruf, Alter, Familienstand und der gewünschten Summe bei Vollinvalidität, über Vergleichsrechner schnell passende Tarife finden, die bei einer Invaliditätssumme von 500.000 Euro etwa 100 Euro pro Jahr kosten. Wichtig für Radsportler, die auch im Ausland ihrem Sport nachgehen, sind Zusatzleistungen wie die Übernahme von Bergungs- und Transportkosten, vor allem in Ländern mit schlechterer Gesundheitsversorgung als im Heimatland. Das ist beispielsweise bei so beliebten Reisezielen wie Sizilien oder Sardinien mit ihrer vergleichsweise lückenhaften Notfall- und Krankenhausversorgung wichtig.

Rennrad Versicherung

Um Unfall im Trainingslager abzudecken, empfiehlt sich eine zusätzliche Reisekrankenversicherung.

Für Aufenthalte in Ländern außerhalb der Europäischen Union, mit denen kein sogenanntes Sozialversicherungsabkommen besteht – dazu zählen die USA, aber beispielsweise auch die Schweiz –, empfiehlt sich eine zusätzliche Reisekrankenversicherung, die es ab etwa zehn Euro gibt. Sie gleicht eventuell anfallende Zusatzkosten aus. Oft ist so eine Reisekrankenversicherung Bestandteil bei Kreditkartenverträgen oder der Mitgliedschaft in einem Autoclub wie dem ADAC. Radsportler mit einer Lizenz genießen über ihrenVereinsbeitrag im Rahmen der Sportversicherungen der Landesverbände einen gewissen Unfallschutz. Meist sind deren Leistungen aber relativ niedrig, bei Vollinvalidität beispielsweise im unteren sechsstelligen Bereich.

2. Diebstahl-Versicherung

Möchte man seinen Renner etwa gegen den „einfachen Diebstahl“ außerhalb der eigenen vier Wände durch die Hausratversicherung absichern, hängt der maximal versicherbare Wert ab von Wohnort, Wohnungsgröße und dem prozentualen Anteil an der Gesamtversicherungssumme, der je nach Anbieter zwischen einem und zehn Prozent betragen kann. Wer etwa in einer 90 Quadratmeter großen Wohnung ein 3.000 Euro teures Rennrad mitversichern möchte, findet viele Angebote zu Preisen ab zirka 70 Euro pro Jahr. Weil ein Rad leicht zu klauen ist, sträuben sich viele Versicherer aber, Räder zu versichern, die mehr als 5.000 Euro kosten. Auf Nachfrage geht das zwar im Einzelfall, kann jedoch mit einer Jahresprämie bis 500 Euro verbunden sein.

Rennrad Versicherung

Bei den Kosten für Diebstahlschutz kommt es vor allem auf den Gesamtwert des Rades an.

Eine Alternative zur Hausratversicherung ist dann eventuell eine Kasko-Versicherung von Spezialisten wie Pergande & Pöthe oder Bikmo, die zusätzlich zum Diebstahlschutz auch bei Unfallschäden Entschädigung leisten. Achten sollte man darauf, dass der Schutz weltweit und rund um die Uhr gilt. In Altverträgen lauert oft noch die sogenannte „Nachtzeitklausel“, die den Schutz auf Uhrzeiten zwischen sechs Uhr morgens und zehn Uhr abends beschränkt. Würde der Renner außerhalb dieses Zeitraums geklaut, hätte man Pech gehabt.

3. Haftpflichtversicherung

Die private Haftpflichtversicherung schützt vor den Ansprüchen Dritter. Ein typischer Haftungsfall wäre, wenn man selbst einen Unfall mit einem Fußgänger, Rad- oder Autofahrer im Straßenverkehr verschuldet. Je nachdem, wie schwer der Geschädigte verletzt wird und welche Sach- oder Vermögensschäden entstehen, kann es da um existenzbedrohend hohe Summen gehen. Insofern erscheint es grob fahrlässig, sich die rund 75 Euro, die für eine Deckungssumme von 20 Millionen Euro ohne Selbstbeteiligung aufgerufen werden, sparen zu wollen.

Sturz

Sturz ist nicht gleich Sturz - zumindest für die Haftpflichtversicherung!

Zwar ist bei den meisten Haftpflichtversicherungen die Teilnahme an Radrennen nicht versichert (aber durchaus verhandelbar), doch ist das Risiko, hierbei als vermeintlicher Verursacher eines Sturzes in Haftung genommen zu werden, entgegen der weit verbreiteten Annahme gering. Der Gesetzgeber spricht hier vom „Grundsatz auf Treu und Glauben“ und macht damit, vereinfacht gesprochen, den redlich und anständig handelnden Menschen zum Maßstab. Deshalb wird es als anstößig bewertet, wenn jemand, der beim Fahren im Pulk stürzt, versucht, den mutmaßlichen Schädiger in Anspruch zu nehmen, obwohl er selbst der Verursacher hätte sein können. Es gibt zahlreiche Urteile, in denen diese Ansprüche aus dem genannten Grund abgewiesen wurden. Der gleiche Grundsatz gilt übrigens auch, wenn es bei der Ausfahrt mit Freunden in der Gruppe zum Sturz kommt. Eine wertvolle Zusatzleistung ist jedoch die Ausfalldeckung, die beispielsweise das eigene kaputte Rad ersetzt, sollte der Unfallgegner selbst nicht versichert oder mittellos sein.

Beispieltarife im Überblick

Für die Ermittlung der Tarife haben wir einen typischen Radsportler skizziert und beim bundesweit tätigen Versicherungsmakler Dr. Radberg VBK GmbH (http://www.radberg.de) beispielhaft Versicherungs-Angebote ermitteln lassen. Die Beispiele stellen jeweils Premiumangebote mit besonders hohen Leistungen dar. In Abhängigkeit individueller Faktoren, wie Wohnort, Alter, Beruf oder Wert des Rennrades können die Tarifpreise schwanken. 

Unfall

  • Basler Service Gesellschaft, Vema Konzept, Preis: 153,27 Euro
  • HK Die Haftpflichtkasse, Unfall Sonderkonzept VEMA – Premium Plus, Preis: 185,88
  • Inter Risk, XXL – Gliedertaxe Plus, Preis: 142,99 Euro

Privat-Haftpflichtversicherung

  • Basler Service Gesellschaft, VEMA Konzept, Preis: 67,54 Euro
  • AIG, VEMA PHV, Preis: 63,65 Euro
  • AXA, BOXflex, Preis: 66,97 Euro

Hauratversicherung mit Fahrraddiebstahl

  • Basler Service Gesellschaft, VEMA-Konzept mit Zusatzpaket, Preis: 138,51 Euro
  • Ammerländer Versicherung, Excellent, Preis: 92,34 Euro
  • GEV Grundeigentümer, Protect Premium, Preis: 118,55 Euro
     
Matthias Borchers am 12.10.2020
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