Ratgeber

Lenkerformen

Jens Klötzer am 04.04.2010

Wie stark sich Lenkergeometrien unterscheiden können, davon kann man als TOUR-Testredakteur ein Lied singen – oder sich einen Überblick verschaffen.

Zu Zeiten, als Namen wie “Merckx” und “Gimondi” oder “Poulidor” für Rennradlenker Pate standen, brauchte man sich über die Auswahl nur wenig Gedanken machen. Inzwischen sind nicht nur die Formen komplexer geworden, sondern auch deren Bezeichnungen komplizierter. Das kann bei der Suche nach dem richtigen Bügel schon mal frustrieren – erst recht, wenn Begriffe und Abmessungen nicht eindeutig sind. Nüchtern betrachtet, sind die Aufgaben eines Lenkers zwar überschaubar, doch ein unpassendes Modell kann den Fahrspaß schlimmstenfalls mit Hand- und Rückenschmerzen einschränken. Was man ständig in der Hand und im Blickfeld hat, sollte in jeder Hinsicht passen. Nicht nur Ingenieure und Orthopäden machen daraus eine Wissenschaft; Lenkerform und -einstellung sind auch ein sensibles Thema bei Technik-Ästheten. Allein bei den TOUR-Testfeldern der vergangenen beiden Jahre dominieren fünf Lenker-Hersteller den Markt: 3T, Deda Elementi, FSA, Ritchey und Syntace. Deren Modelle haben wir im Hinblick auf Formen und Maße noch einmal intensiv untersucht.

Grundsätzlich ist die aktuelle Vielfalt an Formen und Abmessungen für den Rennradler prima, um eine perfekte Sitzposition zu erreichen. Die dafür wichtigen Lenkermaße neben der Breite heißen “Reach” und “Drop” – zu Deutsch sind das die Lenkertiefe und Lenkerhöhe. Die Lenkertiefe Reach beschreibt die Vorbiegung von Mitte Oberlenker bis zum vordersten Punkt des Bogens, die Lenkerhöhe Drop ist das senkrechte Maß von Ober- zu Unterlenker, gemessen zwischen den Rohrmitten. Bei der Lenkertiefe variieren die aktuellen Modelle um bis zu drei Zentimeter – im Zusammenspiel mit dem Vorbau ergibt sich daraus ein beträchtlicher Spielraum für die Sitzposition auf dem Rad. Die Radien der Lenkerbögen und damit der Drop bleiben hingegen auch bei verschiedenen Lenkerbreiten meist konstant. Nur bei Ritcheys “Logic II”-Reihe wächst der Bogen mit der Breite, die Syntace-Carbonmodelle sind in XL etwas länger und tiefer. Den Drop eines klassischen Lenkers der “Merckx”-Form, bei dem der Unterlenker 16 Zentimeter tiefer lag, erreicht aber auch dieser nicht mehr. Die 123 Millimeter der 3T- “Ergonova”-Reihe kann man mit speziellen Kompaktversionen von FSA und Syntace vergleichen.

Drei Grundformen begegnen uns immer wieder: “Classic”, “Anatomic” und “Ergo”. Mit dem klassischen, runden Bogen hält sich eine seit Jahrzehnten bewährte Form – wohl auch, weil sie bei Profis immer noch sehr beliebt ist. Das Argument: Mit dem gleichmäßigen Radius und gleichbleibenden Rohrdurchmesser ist der Lenker flexibler im Griff, und aus dem Unterlenker kommt man hier am leichtesten an die Bremshebel. Allerdings ist die Auswahl schon leicht eingeschränkt: FSA und Ritchey bieten nur Aluminium-Modelle. Am weitesten verbreitet ist die anatomische Form mit wechselnden Radien und geraden Griffstücken, außerdem ist sie optimiert für Schaltbremshebel. Die jüngste Variante, Ergo- oder Wing-Form genannt, versucht, mit dem zu den Lenker enden wachsenden Radius die Vorzüge der beiden zu verbinden.

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Klassische Form bei „Rotundo“ von 3T: Passt die Kombination Lenker und Hebel noch nicht perfekt, hilft oft ein leichtes Drehen des Lenkers nach oben, während man die Hebel etwas nach unten versetzt.

Eine besonders ausgeprägte anatomische Form hat „Biomax“ von Ritchey

„K-Force“ von FSA mit Ergo-Form: Lenker enden waagerecht, Bremshebel senkrecht – bei aktuellen Kombis entsteht der nahtlose Übergang ganz von selbst.

Die wichtigsten Maße bei der Lenkerwahl

Jens Klötzer am 04.04.2010