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Kaufberatung für Rennrad-Einsteiger: Rennrad und Zubehör Tipps

Welches Rennrad ist für mich richtig? TOUR Kaufberatung 2021

TOUR Magazin am 01.06.2021

Die Auswahl an Rennrädern ist riesig – die Vielfalt ist ebenso beeindruckend wie verwirrend. Kein Wunsch muss unerfüllt bleiben, aber die Entscheidung kann schwierig sein, gerade für Einsteiger.

Rahmen aus Carbon oder Aluminium?

Aus technischer Sicht ist Carbon überlegen: Man kann daraus leichtere, steifere und zugleich komfortablere Rahmen bauen – aber dann sind sie teurer als Rahmen aus Alu. Auch konsequent aerodynamische Rahmen entstehen ausschließlich aus Carbon­fasern, die sich in (fast) jede Form bringen lassen. Die Formbarkeit von Aluminiumrohren ist in dieser Hinsicht recht beschränkt. Alu-Rahmen sind jedoch günstiger und im Alltag meistens ­robuster. Ein leichter Carbonrahmen hält zwar sehr viel aus, wenn das Rad gefahren wird, er kann aber verhältnismäßig schnell brechen, wenn das Rad unglücklich umfällt. Auch wer sein Rad oft transportiert, hat mit einem Aluminiumrahmen weniger Sorgen. Stahl ist noch deutlich robuster, aber auch schwerer.

Giant Contend AR1 2021

Solider Alu-Rahmen: Das neue Modell des Giant Contend AR1 steht stellvertretend für die Gattung komfortabler, preiswerter Alurenner. Mehr Räder dieser Preisklasse im Test ab sofort in TOUR 7/2021. 


Bei Rädern um 1.500 Euro erhält man mit einem Alu-Rahmen meist das stimmigere Gesamtpaket – mit besseren Teilen ausgestattet und dadurch leichter, denn Rahmen und Gabel machen nur etwa 20 Prozent des Gesamtgewichts aus. Ab zirka 1.800-2.000 Euro gibt es bereits mehr als solide Flitzer mit Carbonrahmen; deren Fahr­gefühl steht dem auf detulich teureren Rädern teils nicht viel nach. Was macht dann den Unterschied zu Rädern um oder über 10.000 Euro? Die neuesten Innovationen bei Schaltungen, Bremsen, Rahmenmaterial und weiteren Komponenten sind zuerst auf die absoluten Top-Modelle beschränkt. Denn entsprechenden Forschungs- und Entwicklungsaufwand preisen die Hersteller dort ein. Aber: Auch Renn­räder sind auch Trends unterworfen, für Markennamen und Image bezahlt man selbstverständlich mit. Und die pandemiebedingte Produktknappheit der Jahre 2020 und 2021 tut ihr Übriges zum Steigen der Preisspirale.

Welche Übersetzung? 

Nahezu alle neuen Rennräder sind mit zwei Kettenblättern ausgestattet. Dreifach-Antriebe finden sich nur noch vereinzelt an sehr günstigen Rädern. Antriebe mit nur einem Kettenblatt sind seit Längerem der Standard bei Crossrädern und setzen sich auch bei Neuentwicklungen im Gravelbereich immer mehr durch, wie etwa im Fall der im Frühjahr 2021 präsentierten Sram Rival AXS Schaltung. Im Rennradbereich hat sich dieser Einfachtrend aus dem Offorad-Segment bislang nicht durchgesetzt. 2017 fuhr die Mannschaft Aqua Blue Sport als erstes Profiteam mit nur einem Kettenblatt, wechselte in der Folgesaison jedoch den Radausstatter, da sich der Einfachantrieb der 3T-Rennräder als nicht praktikabel erwies.

Shimano Ultegra R8000

Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis: Mit Shimanos Ultegra (hier Modellversion R8000) liegt man selten daneben.

Am häufigsten anzutreffen ­ist eine Kurbel mit zwei Kettenblättern von 52 und 36 Zähnen sowie eine Kassette mit Ritzeln von 11 bis 28 Zähnen. Dieses ­Getriebe ist ein guter Kompromiss für ­welliges Terrain; es hält viele Gänge bereit, und die Sprünge ­zwischen den Gängen sind klein, was als biomechanisch günstig gilt und sich angenehm fährt. Besser ­gerüstet für die Berge ist man mit einer Kompaktkurbel mit Kettenblättern zu 50 und 34 Zähnen. An ­Anstiegen mit deutlich über sieben Prozent Steigung sind noch leichtere Gänge wünschenswert; das ist mit Kassetten möglich, die ­größere Ritzel mit bis zu 32 Zähnen bieten. Die aktuelle Version von Shimanos Ultegra-Schaltung mit ­langem Schaltwerk bewältigt als einzige Straßengruppe ­sogar 34 Zähne große Ritzel, die allerdings noch kaum verfügbar sind.

>>Mehr zu den richtigen Gängen für Bergtouren lesen Sie hier<<

Was macht schnell?

Kaufberatung für Rennrad-Einsteiger: Rennrad und Zubehör Tipps

Vorne Hochprofilfelgen, hinten Scheibe: Ein klassisches Zeitfahr-Setup ist rein auf Aerodynamik getrimmt.

Wer schnell fahren will, muss vor allem flach und windschnittig auf dem Rad sitzen. Die ­Haltung des Fahrers macht mehrere km/h aus – bei gleicher Anstrengung. Wettkampfräder ­bieten für eine flache und damit schnelle Sitzposition beste Voraussetzungen. Der Preis dafür ist die weniger bequeme Haltung, für die Rücken und Rumpf besser trainiert sein müssen.

<<Aero-Tipps für Hobbyfahrer>>

Aerodynamisches Material hilft auch: Laufräder und Rahmen zusammen können bei gleicher Haltung nochmal rund ­einen Kilometer pro Stunde schneller machen. Diese Vorteile müssen jedoch relativ teuer bezahlt werden. Aero-­Laufräder kosten ab 1.000 Euro aufwärts, ganz ähnlich ist der Preisaufschlag auch für aero­dynamische Rahmen. Günstiger ist das Tuning der Reifen. Schon ab 80 Euro bekommt man ein Paar richtig gute Reifen, die gegenüber einfachen Pneus etwa 0,5 km/h schneller rollen. Geringes Gewicht ist auch ein Optimierungsziel. Leichte Räder fühlen sich beim Beschleunigen spritziger an und sparen bergauf etwas Leistung. Der Effekt des Gewichtstunings wird aber meist dramatisch überschätzt. Räder bis 6,8 Kilogramm Gewicht findet man schon zu Preisen ab 2.500 Euro. Erst bei unter 6,8 Kilogramm wird es garantiert richtig teuer. High-End-Leichtbauräder wie das Specialized Aethos kosten durchweg fünfstellig.

Glaubenbielenpass

Gerade bergauf macht sich ein leichteres Rad schnell bemerkbar. 

Erfahrung sammeln

Vor dem Radkauf steht das Ausprobieren.Wer noch nie Rennrad gefahren ist, sollte sich unbedingt im Fachhandel, bei Ausstellungen, Events oder Freunden Räder ausleihen, sie ­erproben und sich beraten lassen. Große, ­spezialisierte Rennradhändler sind eine gute Adresse, um sich zu informieren und viele ­Räder anzuschauen. Auch die großen Versandhändler haben Läden mit großer Auswahl, in denen man sich beraten lassen und Räder ausprobieren kann. Sie können eine Reise wert sein. Bei sehr kleinen Händlern mit schmaler Auswahl besteht die Gefahr, den Ladenhüter auf­geschwatzt zu bekommen. Andererseits gibt es sehr serviceorientierte Händler, die Kunden vermessen (sogenanntes Bikefitting) und das passende Rad dann erst bestellen. Es gibt auch Bikefitter, die nicht an Radmarken gebunden sind, sodass sie nach der Vermessung das individuell passende Rad unter verschiedenen ­Marken wählen können. Diese Spezialisten sind für Neulinge im Metier eine gute Anlaufstelle. Wer jedoch genau weiß, was er will, und bereits Schrauber-­Basiswissen hat, findet im Versandhandel ­oftmals die günstigsten Angebote.

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TOUR Magazin am 01.06.2021
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