Crashtest: ältere Rennradhelme Crashtest: ältere Rennradhelme

Crashtest: Sicherheit von älteren Rennradhelmen

Interview mit Thomas Dautermann, UVEX Qualitätssicherung

Matthias Borchers am 14.02.2018

Interview mit Thomas Dautermann, UVEX Qualitätssicherung: "Mit bloßem Auge nicht erkennbar."

Thomas Dautermann ist Leiter der Qualitätssicherung bei Uvex. Bevor der Ingenieur vor neun Jahren zu Uvex kam, war er unter anderem beim deutschen Motorradhelm-Hersteller Schuberth angestellt. Heute verantwortet der aktive Radfahrer das Qualitätsmanagement der Sport-Sparte des Fürther Unternehmens, zu dessen Produkten nicht nur Fahrrad-, sondern auch Reit- und Skihelme gehören

TOUR:  Die Helminnenschale aus geschäumtem Polystyrol, kurz EPS, übernimmt beim Helm die Stoßdämpfer-Funktion. Gibt es hier Unterschiede bei der Qualität?
Dautermann  Etwa 80 Prozent aller Hersteller verwenden das gleiche Material vom österreichischen Hersteller Sunpor. Im Vergleich zu Verpackungs- oder Dämm-Material, das man unter dem Begriff Styropor kennt, sind die Schaum-Kügelchen dichter gepackt, und das Material hat höhere Dämpfungseigenschaften.

Nur ein passender Helm schützt optimal. Gibt es sichere Erkenntnisse, inwieweit ein zu kleiner oder zu großer Helm die Schutz­wirkung beeinträchtigt?
Helme mit einer Konfektionsgröße für sehr ­unterschiedlich große Köpfe sind so ausgelegt, dass die Dämpfungsanforderungen erfüllt ­werden. Trägt man jedoch einen zu großen Helm, muss der Kopf des Radlers beim Aufprall größere Beschleunigungswerte aushalten, und das Verletzungsrisiko steigt.

Was passiert in technischer Hinsicht, wenn die Helmschalte älter wird? Wird der Helm mit der Zeit einfach bröseliger?
Umgangssprachlich könnte man das so bezeichnen. Tatsächlich spricht man von Alterung beim EPS, verursacht durch UV-Strahlung in Form von Sonnenlicht und Temperaturwechseln. Mit den Jahren lassen die Bindungskräfte zwischen den Kügelchen etwas nach, was man jedoch mit bloßem Auge nicht erkennen kann. 

Woher stammt die Empfehlung der Her­steller, seinen Helm nach ein paar Jahren gegen einen neuen zu tauschen?
Dazu sind wir laut EU-Richtlinie verpflichtet. Ohne dieses "Haltbarkeitsdatum" in der Dokumentation, das ab dem Herstellungsdatum gilt, dürften wir den Helm gar nicht in den Handel bringen. Ein Tipp: Das Herstellungsdatum findet sich als Prägung oder Aufkleber in der Helmschale. Es vergeht zwar ungefähr ein halbes Jahr von der Produktion bis zur Lieferung an den Handel, aber einen Ladenhüter kann man so leicht identifizieren.

Wie sollte man seinen Helm richtig pflegen?
Ebenso wie der Altershinweis ist auch die ­Pflege des Helms vom Hersteller in der Benutzer­information anzugeben. Kurz: Der Helm sollte nicht mit Lösungsmittel gereinigt werden, sondern lediglich mit lauwarmer ­Seifenlauge. Zudem sollte man den Helm keiner Hitze über 60 Grad aussetzen und ihn bei ­Nichtgebrauch trocken und vor Sonnenlicht beziehungsweise UV-Strahlung geschützt ­aufbewahren. Übrigens erlischt die Gewähr­leistungspflicht des Herstellers, wenn beispiels­weise Kamera­halter auf den Helm geklebt werden, weil die Lösungsmittel im Kleber schädlich für den Helm sind.

Thomas Dautermann

Thomas Dautermann, Qualitätssicherung UVEX


TOUR Titel 12/2017

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Matthias Borchers am 14.02.2018
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