Laufrad Laufrad

Welches Laufrad brauche ich für mein Rennrad?

Tipps rund um Rennrad-Laufräder

Jens Klötzer am 16.11.2018

Flach oder hoch, schwarz oder silbern, breit oder schmal – Laufräder prägen den Look des Rennrads, beeinflussen aber auch maßgeblich Fahrverhalten und Performance. Hier steht, was Sie wissen müssen, um das richtige Laufrad für Ihre Ansprüche zu finden.

Carbon- oder Alu-Felgen

Das ist eine Frage der Prioritäten. Ein sehr leichtes Laufrad zum Beispiel besteht aus möglichst wenig Material, aber damit lässt sich keine voluminöse, aerodynamisch günstige Form herstellen – und sehr stabil ist es dann auch nicht. Ein aerodynamisch gutes Laufrad hingegen kann auch stabil sein – aber dann ist es nicht mehr besonders leicht. Diese Gegensätze auszugleichen gelingt am ehesten mit Laufrädern aus Carbon, doch deren Fertigung ist aufwendig, gute Laufräder sind teuer. Viele, vor allem preiswerte Carbonfelgen bremsen schlechter als Alu-Felgen und können bei Dauerbremsungen durch die Reibungshitze kaputtgehen. Nachweislich haltbare Carbonlaufräder kosten mindestens 2.000 Euro pro Satz. Aluminium spielt seine Stärken aus, wenn man bei den Eigenschaften keine Bestnoten erwartet: So können gute Alu-Laufräder relativ leicht sein, relativ stabil, relativ preiswert – und aerodynamisch halt relativ schlecht. Trotzdem kann man damit relativ viel Spaß haben.

Felgenhöhe

Lager

Üblich sind heute wartungs- und einstellungsfreie Rillenkugellager. Große Lager sind immer tragfähiger und robuster als kleine. Rillenkugellager sind genormt und austauschbar, es gibt sie auch in rostfreier und/oder aufwendig abgedichteter Ausführung. Konuslager mit losen Kugeln gibt es nur noch selten – zum Beispiel bei Shimano. Nachteil: Wenn die Laufflächen kaputt sind, ist die ganze Nabe hin. Keramiklager können noch eine Winzigkeit leichter laufen und theoretisch länger halten, sind aber sehr teuer.
Leicht zu reparieren
Die meisten Laufräder rollen heute mit gedichteten Rillenkugellagern – Normteile, die sich einfach und kostengünstig austauschen lassen.

Drahtreifen, Schlauchreifen oder Tubeless?

Klassischer Standard sind Drahtreifen, englisch "Clincher": In den Mantel kommt ein Schlauch und beides auf eine Hakenfelge, in deren Bett ein Felgenband liegen muss. Profis fahren immer noch überwiegend Schlauchreifen: Der Schlauch ist im Mantel eingenäht, der Reifen wird auf die Felge geklebt. Vorteile: Beim Plattfuß springt der Pneu nicht gleich von der Felge, außerdem sind Schlauchreifenfelgen auch leichter und robuster als Drahtreifenfelgen. Dafür rollen Drahtreifen leichter, sind pannensicherer, einfacher in der Handhabung und meistens auch günstiger.
Tubeless-Reifen wiederum sehen aus wie
klassische Draht-Pneus, können aber ohne Schlauch gefahren werden. Stattdessen benötigen sie anders geformte Felgen; diese sollten keine (Speichen-)Löcher im Felgenbett haben, damit man kein Dichtband braucht (umständlich), dafür aber eine umlaufende Vertiefung in der Mitte, um die Reifen leichter montieren zu können. Eingefüllte Dichtmilch macht die Pneus pannensicherer. Außerdem rollen sie einen Tick leichter und können mit weniger Druck gefahren werden, was sie besser federn lässt.

Schlauchreifen, Clincher, Tubeless

Verschiedene Reifentypen im Schnittbild: Schlauchreifen (englisch Tubular) haben bessere Notlaufeigenschaften, doch die Montage ist aufwendig. Am verbreitetsten sind Clincher-Reifen, Tubeless gewinnt beim Rennrad zunehmend an Bedeutung

Speichen

Erst die Speichen machen aus Nabe und Felge ein Laufrad. Es gibt rund und flach geschmiedete. Die besten Runden werden im Mittelteil dünner geschmiedet, das macht sie leicht und langlebig. Doch selbst dünne runde Speichen sind aerodynamisch schlecht. Aero-Räder haben deshalb flach geschmiedete Speichen, und davon möglichst wenige – zwölf im Vorderrad sind das Minimum, darunter wird das Rad instabil. Wenige, dünne Speichen senken aber die Seitensteifigkeit der Laufräder. Je nach Fahrergewicht und Einsatzzweck muss man daher abwägen zwischen Steifigkeit (viele,
dicke Speichen), Aerodynamik und Gewicht.

Rotortypen

Auf dem Rotor des Laufrads werden die Ritzel befestigt. Drei Typen sind gängig: Shimano und SRAM sind miteinander kompatibel; beide verwenden ein flaches Keilwellenprofil, auf dem acht bis elf Ritzel Platz finden. Campagnolo hat ein tiefer eingeschnittenes, nicht kompatibles Profil für neun bis zwölf Ritzel. Noch relativ neu (und überwiegend an Cross- und Gravelbikes zu finden) sind die XD-Rotoren der 1x11-Antriebe von SRAM, auf denen der Ritzelblock als Ganzes verschraubt wird. Bei vielen, vor allem hochwertigen Naben lassen sich die Rotoren wechseln und so an Campa oder SRAM/Shimano anpassen. Günstige Laufräder gibt es manchmal nur mit Shimano-Freilauf.

Felgenbreite

Der Trend geht zur breiteren Felge. 19 Millimeter Innen- und 25 Millimeter Außenbreite sind heute üblich. Das Felgenmaß bestimmt deutlich stärker als dessen nominelle Breite, wie breit ein montierter Reifen tatsächlich ist. Auf breiter Felge wird das Luftvolumen größer, der Reifen stützt sich besser ab, das Fahrgefühl wird direkter. Man kann, ohne das Pannenrisiko zu erhöhen, den Luftdruck senken, dann federt der Reifen besser.

Felgenhöhe

Hohe Felgen sind aerodynamisch besser als niedrige. Moderne Aero-Felgen sind aber nicht nur hoch – bis zu 80 Millimeter –, sondern auch bauchig; erst das macht sie richtig schnell. Kräftiger Seitenwind bringt sie aber leicht aus der Spur, deshalb sind 40 bis 50 Millimeter hohe Profile der beste Kompromiss aus Aerodynamik und Alltagstauglichkeit. 30 Millimeter hohe Felgen lassen sich vom Seitenwind kaum beeindrucken; mit einem aerodynamisch geformten Querschnitt sind sie aber dennoch schnell.

Jens Klötzer am 16.11.2018