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Unfallvorsorge bei Radreisen

redakteur1 am 09.08.2003

An die Möglichkeit eines Sturzes oder eines Unfalls während des Urlaubs oder im Trainingslager möchte kaum jemand denken. Doch wenn sich der Sportler dabei verletzt, kann das ernste Konsequenzen haben. TOUR gibt Tipps zur Vorsorge bei Radreisen im Ausland.

Wie schon so oft in den vergangenen Jahren setzt sich Tilman Saile an einem Morgen im März 2002 in Mallorca auf seine Rennmaschine, um einige Kilometer abzuspulen. Doch das geplante mehrstündige Grundlagentraining unter wärmender Frühjahrssonne endet abrupt durch einen Bruch seines Titan-Vorbaus. Ohne Vorwarnung stürzt der Sportler hart auf den Asphalt und steht mit starken Schmerzen im Bereich der Schulter auf. Im Krankenhaus diagnostiziert der behandelnde Arzt einen Bruch des Schlüsselbeins; eine Operation sei sofort notwendig. Tilman Saile, der selbst Mediziner ist, stimmt der Diagnose so weit zu, weist den Arzt aber auf seine Latex-Allergie hin. Im Operationssaal traut Dr. Saile jedoch seinen Augen nicht, als sich der Chirurg als erstes die Latex-Handschuhe anzieht, um zum Messer zu greifen. Energisch, aber zunächst erfolglos, protestiert der Mediziner aus dem Schwäbischen gegen das drohende Unheil und will schließlich nur noch flüchten, um seine Gesundheit zu schützen. Letztendlich verläßt er das Hospital auf eigene Gefahr, nachdem er alle möglichen Haftungsfreistellungen unterschrieben hat. Auf eigenes Risiko fliegt er nach Hause zurück.
 

Versorgungsnotstand
Ein solches Szenario, ebenso wie Unfälle und Stürze generell, sind zwar nicht die Regel, doch viele Fälle machen deutlich, dass in Europa hinsichtlich der Notfallrettung und medizinischen Versorgung ein extremes Nord-Süd-Gefälle herrscht. Hierzulande existiert ein dichtes Netz von Rettungshubschraubern, Notarzt- und Krankenwagen, die innerhalb von wenigen Minuten an jedem Platz der Republik sein können; in vielen Urlaubsländern dagegen bedient ein einziger Krankenwagen oft einen Umkreis von 50 bis 100 Kilometern. Genauso dünn gesät können dann auch Krankenhäuser mit medizintechnisch zeitgemäßer Ausrüstung sein. Dazu kommt, dass einer sinnvollen medizinischen Betreuung oft Sprachbarrieren im Wege stehen. Nicht selten fangen Ärzte auch erst dann mit der Behandlung an, wenn geklärt ist, ob die Kosten übernommen werden. Im Klartext: Man muss oft selbst Vorkasse leisten.

Vorsorge-Check
Den Zustand der Versorgungseinrichtungen im Ausland kann man als Einzelner selbstverständlich nicht verbessern, wohl aber die Anwendung auf einen selbst. Wichtigster Bestandteil dabei ist der ausreichende Schutz durch eine oder mehrere Versicherungen. Rechtzeitig vor Reiseantritt sollten Sie also Ihre existierenden Policen auf den Prüfstand stellen und gegebenenfalls sinnvoll ergänzen.

Die Fragen, die sich hier stellen, sind vielfältig:
• Ist Ihre Versicherung in Ihrem Urlaubsziel gültig?
• Welche Leistungen bietet die Krankenversicherung
im Ausland?
•Welche Unterlagen müssen hierzu mitgeführt werden
(z.B. Auslandkrankenschein)?
• Welche Unterlagen müssen vor Ort eingefordert
beziehungsweise aufbewahrt werden (für Rückerstattungen
durch die eigene Krankenkasse)?
• Lässt sich der vorhandene Schutz sinnvoll ergänzen,
etwa durch eine spezielle Reise- bzw. Auslands-
Krankenversicherung?

Reiseversicherungen kann man zusätzlich zur (gesetzlichen) Versicherung abschließen. Sie übernehmen in der Regel die Kosten, die über den gesetzlichen Tarifen liegen. Dies ist wichtig, denn die deutschen Krankenkassen sind nur dazu verpflichtet, die Kosten zu übernehmen, die in Deutschland angefallen wären. Fordern die Krankenhäuser im Ausland aber ein höheres Honorar, muss man für die Differenz selbst aufkommen. Das gilt allerdings wiederum nur in den Ländern, mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen hat. Mit den USA etwa besteht ein solches nicht.

Weiterhin offerieren Reiseversicherungen oft eine Garantie zur Kostenübernahme für das Krankenhaus, so dass für den Patienten dort die Vorkasse entfällt. Wichtig dabei: Der Fall muss umgehend gemeldet werden, dann übernehmen die Versicherungen von Deutschland aus das Kostenmanagement. Weiterer Vorteil dabei: dann sind Profis am Werk. Darüber hinaus bieten einige Versicherer auch an, Kontakte zu Ärzten vor Ort herzustellen, die in einer für den Patienten verständlichen Sprache kommunizieren können.

Informationen können Leben retten
Ist die Verletzung schwerwiegend und kann vor Ort keine angemessene medizinische Versorgung gewährleistet werden, hilft nur die schnelle Rückkehr in heimische Gefilde. Um die Gesundheit nicht zusätzlich zu gefährden, ist ein Rettungsflieger in solchen Fällen die adäquate Lösung. Darin fliegen üblicherweise Arzt und Rettungssanitäter mit, die den Zustand des Patienten unter Kontrolle halten. Die Kosten für ein solches Unterfangen sind natürlich gewaltig. Kontrollieren Sie, ob und unter welchen Bedingungen der Heimtransport von einer Ihrer Versicherungen übernommen wird. Abgedeckt wird so etwas zum Beispiel durch eine ADACplus- Mitgliedschaft oder durch eine Mitgliedschaft bei der Deutschen Rettungsflugwacht, aber auch von den Auslandskrankenversicherungen. Nach der Notfall- Meldung setzen sich Ärzte dieser Organisationen mit den behandelnden Ärzten vor Ort in Verbindung und wägen gemeinsam die Notwendigkeit des Transports gegen die Risiken ab. Wichtig: Auch bei kleineren Verletzungen können aufgrund von Allergien, mangelndem Impfschutz oder fehlenden Medikamenten Komplikationen auftreten, die der Arzt vor Ort nur vermeiden kann, wenn er darüber Bescheid weiß. Deshalb sollten die relevanten Papiere im Reisegepäck niemals fehlen. Gegen die Sprachbarriere hilft der vom ADAC zusammen mit dem TV-Magazin WISO entwickelte Ärztepass, den es mittlerweile in einigen Sprachen gibt. Zu Hause sorgfältig ausgefüllt, bringt er den behandelnden Arzt sofort auf den nötigen Kenntnisstand.

Der beste Fall: Kein Unfall
Ein Wort noch zur Vorbeugung: Um sich – mal ganz abgesehen von den Schmerzen – all den Ärger, die Gesundheitsrisiken sowie den Formularkrieg mit den Versicherungen zu sparen, sollte man im Trainingslager mehr noch als hierzulande immer sehr defensiv und nicht mit Vollkasko-Mentalität fahren. Wer bergab die Kurven schneidet, sich mit den anderen zu großen Pulks zusammenrottet oder beim Gruppenfahren rücksichtslos oder unaufmerksam die Fahrlinie wechselt und so sich und andere in Gefahr bringt, riskiert damit mehr als ein nur paar Quadratzentimeter der eigenen Haut. Um im Falle eines Falles gewappnet zu sein, sollte außerdem zumindest ein Fahrer aus der Gruppe ein Verbandspäckchen zur sofortigen Hilfe und eine klein zusammenfaltbare Rettungsfolie gegen Auskühlen dabei haben. Ein Mobil-Telefon, in das schon die örtlichen Notrufnummern eingespeichert sind, verkürzt die Zeit, bis Rettung naht. Und wer einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert hat, steht währenddessen nicht nur dumm herum.

Reise-Checkliste
• Reisepass/Personalausweis
• Impfpass
• Blutgruppenausweis
• Bescheinigungen über Allergien
• ADAC-WISO-Ärztepass in derjeweiligen Landessprache
• Auslands-Krankenschein
• Krankenversicherungskarte
• Auslandskrankenversicherung
• Schutzbrief/Rückholversicherung
• Kreditkarte
• Liste wichtiger Telefonnummern, z.B. Versicherungs-Hotline, Hausarzt, Familie, etc.
• Mobiltelefon
• Erste-Hilfe-Set
• Reiseapotheke
• Rettungsfolie

Verbrauchernews

Text: Dirk Zedler 

Solange „nur" die Haut auf der Straße bleibt, ist ein Unfall zwar schmerzhaft, aber noch zu verschmerzen. (Foto: Bayer)

Erste Hilfe am Unfallort kann oft Schlimmeres verhindern (Foto: Uwe Geißler)

redakteur1 am 09.08.2003
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