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Fußgänger auf dem Radweg

redakteur1 am 09.08.2003

Fußgänger müssen dem Fahrverkehr Vorrang geben. Das bedeutet aber nicht, dass sie bei einer Kollision auf der Fahrbahn immer alle Schuld tragen.

Ein Radfahrer bekam vom OLG Köln (VersR 2001, 1168) beispielsweise ein Mitverschulden von 70 Prozent auferlegt und folglich nur 6.000 Mark Schmerzensgeld, obwohl ihn ein Fußgänger praktisch vom Rad gestoßen hatte und er schwer verletzt wurde. Der Radler war mit hohem Tempo auf einer abschüssigen Strecke unterwegs; er fuhr relativ weit links, um anschließend zügig nach rechts abbiegen zu können. Auf der linken Seite befanden sich einige Jugendliche. Einer von ihnen machte einen unbedachten Schritt in Richtung Fahrbahnmitte und stieß mit dem Radfahrer zusammen, der einen Hüftgelenkbruch und schwere Kopfverletzungen erlitt.

Urteilsbegründung des Gerichts: Bei seinem Tempo hätte der Radfahrer nicht so dicht an den Jugendlichen vorbeifahren dürfen; seine Absicht, möglichst zügig nach rechts einbiegen zu können, rechtfertige nicht das weite Ausholen nach links. Wer so dicht an anderen vorbeifahre, müsse auch mit überraschendem Fehlverhalten rechnen. Angesichts dieser Entscheidung wird jeder Rennradfahrer überprüfen müssen, ob er sein fast lautloses Sportgerät mit einer Klingel versehen will. Alternativ bliebe nur der laute Zuruf, da ausreichender Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmern auf der Fahrbahn oft schon deshalb unmöglich ist, weil der Radler sich angesichts der schnelleren Kfz selbst gefährden würde.

Rechtsanwalt Dr. Winfried Born, Hamm
         

redakteur1 am 09.08.2003
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