Doping während Corona Doping während Corona

Doping in Corona-Zeiten

Lähmt Corona den Anti-Doping-Kampf?

Konstantin Rohé am 25.05.2020

Die weltweite Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen im Kampf gegen Corona setzen anerkannte Anti-Doping-Praktiken außer Kraft. Experten warnen vor den Folgen.

Der Leistungssport ist weltweit durch die Corona-bedingten Maßnahmen weitgehend zum Stillstand gekommen. Andere, vom Virus stärker betroffene europäische Ländern wie Spanien, Italien und Frankreich verhängten teils mehrwöchige Ausgangssperren, die das Training von Hobby- wie Profisportlern extrem beschränkten.

Ebenso von den Einschräkungen betroffen: Das weltweite Doping-Kontrollsystem. In zahlreichen Ländern sind die Tests nach den Recherchen von ARD-Journalist Hajo Seppelt ausgesetzt. Auch am Sitz der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) in Montreal gebe es Seppelt zufolge kaum Aktivitäten. Die üblichen standardisierten Urin- und Blutkontrollen sind derzeit nahezu unmöglich. Erst kürzlich gab der Deutsche Meister Maximilian Schachmann (Bora-hansgrohe) an, seit MItte März nicht mehr getestet worden zu sein.

<<Schachmanns Meinung zu Doping, Rennen ohne Zuschauer und der Tour de France 2020>>

Maximilian Schachmann

Maximilian Schachmann gewann mit Paris-Nizza das letzte Rennen vor der corona-bedingten Zwangspause. Seitdem wurde er nicht mehr kontrolliert.   Foto: Matthias Balk/dpa

Corona-Krise: Chance für Doper?

Ist die Krisensituation ein Freifahrtschein für Doper? Große Bedenken hat zumindest Professor Mario Thevis vom Doping-Kontrolllabor in Köln. Er sagte der ARD: Die Sportler, die jetzt dopen würden, werde man im Nachhinein nur mit großem Aufwand erwischen können. Voraussetzung dafür, die im Anti-Doping Kampf verlorene Zeit aufzuholen, wäre eine Mehrzahl an umfangreicheren Test von Blut und Urin. Eine einzelne Probe eines Sportlers habe nach einem mehrwöchigen Zeitraum ohne Tests nur begrenzte Aussagekraft, so Thevis.

Welchen Nutzen hat Doping während der Corona-Krise?

Mittlerweile gibt es eine Reihe von Studien, die auch bei kurzzeitigem Doping eine langzeitige Wirkung in Aussicht stellt. Heißt: Auch wer während der Corona-Zeit nur dosiert und über einen kurzen Zeitraum hinweg gezielt dopt, kann in einem Wettkampf mehrere Monate später unter Umständen durchaus von einem Leistungszuwachs profitieren.

Jörg Jaksche

Glaubt nicht, dass sich in Sachen Doping etwas im Radsport geändert hat: Jörg Jaksche. Foto: Juan Carlos Hidalgo

"Wenn ich jetzt einen oder zwei Monate Epo nehmen würde oder Wachstumshormone oder irgendwelche Anabolika - natürlich haben die einen Effekt auf den Körper, auch noch im Wettkampf nach zwei Monaten.”  (Ex-Profi Jörg Jaksche im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Jaksche war 2006 Kronzeuge im Dopingskandal um den spanischen Arzt Fuentes.)

Ohne Vorgaben und Unterstützung von der WADA fühlen sich viele nationale Anti-Doping-Agenturen im Stich gelassen. Deutschlands Nationale Anti-Doping Agentura (NADA) entwickelte bereits im März einen Bluttropfentest, der per Videochat auch ohne Anwesenheit des Testers durchgeführt werden könne. An dem Pilotprojekt des sogenannten Dried Blood Spot (DBS)-Tests nehmen zahlreiche Sporler aus dem deutschen Olympiakader teil.

Mit Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga, führte auch die NADA wieder die ersten Wettkampfkontrollen, unter Einhaltung des Sicherheitsabstands durch. Wann die Kontrollen auch bei anderen Sportarten wieder im gewohnten Maße aufgenommen werden, ist derzeit noch offen.

Konstantin Rohé am 25.05.2020
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