eRacing auf Zwift: Die Zukunft des Radsports? eRacing auf Zwift: Die Zukunft des Radsports?

Corona-Virus: Sport auf virtuellen Plattformen

Digitale Rennen als Wettkampf-Ersatz?

Konstantin Rohé am 31.03.2020

Die World Triathlon Corporation, Inhaberin der Ironman-Rechte, plant angesichts zahlreicher Absagen eine virtuelle Rennserie auf Rouvy. Dort gibt es auch ein Profi-Rennen der Tour de Suisse. Zwift lockt ebenfalls mit Nähe zu den Profifahrern, und die erste eSports-WM der UCI rückt näher

Nach zahlreichen Rennabsagen, bedingt durch Sicherheitsmaßnahmen im Rahmen der Corona-Krise, will Triathlonvermarkter Ironman nun Wettkämpfe auf virtuellen Plattformen austragen. So soll beispielsweise die Qualifikation zur Ironman-70.3-WM in der digitalen Welt stattfinden. Dies gab Ironman-Chef Andrew Messick vergangene Woche bekannt. Die virtuellen Profirennen sollen dann auch live gestreamt werden, zum Beispiel über verschiedene Facebook-Kanäle.

eSports für Triatheten? Der Ironman Virtual Club

Messick kündigt an, im April den "Ironman Virtual Club” zu eröffnen, der Trainingseinheiten und Rennen koordinieren solle. Auch eine Rennserie für Profis und Altersklassenathleten sei in Vorbereitung. Details zur digitalen Initiative von Ironman sind aber bislang kaum bekannt. Rouvy soll Software-Partner sein, die Smarttrainer kommen von Technogym. Offen bleibt wie alle drei Teildisziplinen des Triathlons digital umgesetzt werden sollen? Während Zwift als einzige Plattform aktuell Radfahren und Laufen gleichzeitig unterstützt, gibt es kein bekanntes eSports-Konzept fürs Schwimmen. Und selbst ein Laufband, dass via Bluetooth oder ANT+ mit entsprechender Software gekoppelt werden kann, ist für Altersklassenathleten kaum erschwinglich. Von einer Schwimm-Simulation ganz zu schweigen.

Ironman Virtual Club

Große Werbekampagne, aber bislang (Stand: 31.03.2020) noch keine Details zu Aufbau, Grafik und Angebot: Der Ironman Virtual Club, kurz IVC.

Vorreiter bei eSports? Welche Formate Zwift anbietet

Einfacher haben es da alle Hobbysportler, die sich nur aufs Radfahren konzentrieren. Auf Zwift gibt es zahlreiche Formate, in denen jeder Nutzer mit den Profis zusammen trainieren kann. An der virtuellen Rennserie "Tour of Watopia" nahmen unter anderem Geraint Thomas, Annemiek van Vleuten und Andre Greipel teil. Viele weitere Profis lassen sich im Rahmen von "Special Guest"-Fahrten von interessierten Hobbyrennradfahrern begleiten.

Der erste eSports-Vorstoß von Zwift, die Ende Januar 2019 abgehaltene KISS Super League (>>mehr zum Rennkonzept und den Teilnehmern lesen Sie hier<<), war jedoch nur bedingt erfolgreich. Einige der teilnehmenden Profis nahmen die Veranstaltung trotz Preisgeld und Online-Übertragung nur als lockere Abwechslung in der Saisonvorbereitung wahr. Vor allem das Team Cofidis erntete damals in den sozialen Medien mehrfach den Spott der Zwift-Nutzer, da die Fahrer weit abgeschlagen selbst hinter eingeladenen Amateurfahrern ins Ziel kamen, mit auffällig niedriger Wattleistung.

KISS Super League auf Zwift

Die KISS-Super League diente Zwift Anfang 2019 als Testballon in Sachen eRacing.

Verbände und Profis drängen auf Zwift

Im Frühjahr 2020 sind angesichts weitreichender Ausgangsbeschränkungen in ganz Europa wieder mehr Profirennradfahrer auf Zwift unterwegs. Statt eine eigene, exklusive Rennserie, ist nunmehr eher der Kontakt mit Fans und anderen Zwift-Usern das Ziel. So startete das Team Mitchelton-Scott bereits vor der Flut an Rennabsagen Mitte März eine Reihe von gemeisnamen virtuelle Ausfahrten unter dem Namen "Bike Exchange Gravel Series". Das Team Alpecin-Fenix um Superstar Mathieu Van der Poel bietet nach einer Trainingsfahrt am 1. April eine teaminterne Flanderrundfahrt, die Ronde van Zwift, an. Und die Klassiker-Stars Anna van der Breggen und Philippe Gilbert geben in der Trainings-Serie "Royal Classics Workout" einen Einblick in rennspezifische Vorbereitung auf die Frühjahrsklassiker. Auch die Teams Israel Start-Up Nation, Trek-Segafredo mit Weltmeister Mads Pedersen als Ride Leader und Bahrain-Merida um Mark Cavendish bieten wöchentlich mehrere Zwift-Fahrten in der Gruppe an.

>>>Mehr zu allen Online-Angeboten rund um die Flandernrundfahrt lesen Sie hier<<

Mit dem Österreichischen Radsportverband hat nun auch erstmals ein nationaler Verband eine eigene Rennserie auf Zwift angekündigt. Das erste e-Rennen der österreichischen Bundesliga soll am Samstag, 4. April 2020 stattfinden. Mehr zur 1.eLiga. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hatte bereits im vergangenen Jahr die German Cycling Academy ins Leben gerufen, eine Online-Talentsuche mit Trainingsfahrten zugänglich für Jedermann.

eSports WM 2020 der UCI

Am Rande der Rad-WM 2019 in Yorkshire wurde bekannt, dass es Zwift gelungen ist, den Radsportweltverband UCI für eRacing zu interessieren. Nach der Kooperation mit Giro-Veranstalter RCS im Frühjahr 2019 (>>mehr dazu lesen Sie hier<<) steht nun erstmals eine offizielle Weltmeisterschaft an. Was die Details betrifft, lassen sich weder die UCI als Veranstalter der Welttitelkämpfe noch Zwift als Software-Partner ein Statement entlocken. Wahrscheinlich ist eine Durchführung im Rahmen der Straßenrad-Weltmeisterschaft 2020 in Martigny/Schweiz. Ob Zwift den dortigen 20-Kilometer-Rundkurs virtuell nachbauen wird und dieser Kurs das Herzstück der eSports Rad-WM 2020 sein wird, darüber kann aktuell nur spekuliert werden.

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Tour de Suisse startet Rennserie auf Rouvy

Einen Schritt weiter ist da schon die Tour de Suisse, die gemeinsam mit Velon und Rouvy eine fünftägige Rennserie ins Leben gerufen hat, die "The Digital Swiss 5". Ende April soll der Wettkampf auf abgefilmten Originalstrecken der Tour de Suisse stattfinden. Teilnahmeberechtigt sind alle Teams, die auch für die reale Tour de Suisse 2020 eine Einaldung erhalten haben. >>Mehr zum Projekt "The Digital Swiss 5" erfahren Sie hier<<

Digital Swiss 5 auf ROuvy

Pilotprojekt: Bei "The Digital Swiss 5" sollen erstmals nur Profis online gegeneinander antreten.

Konstantin Rohé am 31.03.2020