Die Cube Zentrale in Waldershof Die Cube Zentrale in Waldershof

Corona-Krise: Folgen für die Fahrrad-Industrie

Wie deutsche Rad-Hersteller mit der Krise umgehen

Konstantin Rohé, Ludwig Döhl am 23.03.2020

Die beiden deutschen Fahrrad-Hersteller Cube und Ghost produzieren im bayrischen Landkreis Tirschenreuth, wo seit einer Woche eine Ausgangssperre gilt. Welche Folgen hat das für die Rad-Produktion?

Bevor Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die Ausgangsbeschränkungen für ganz Bayern verhängte (<< was das für Radsportler heißt, lesen Sie hier >>), galt diese extreme Einschränkung der Freiheit bereits im 7000-Einwohner-Ort Mitterteich. In der Oberpfälzer Gemeinde hatte noch ein Starkbierfest stattgefunden, als vielen schon klar war, wie ernst die Lage ist. Die Corona-Fallzahlen schnellten in die Höhe. Was vielenicht wissen: Der Standort Mitterteich hat für die deutsche Fahrradindustrie durchaus eine große Bdedeutung. 

Landkreis Tirschenreuth: Sitz von Cube und Ghost

Mitterteich liegt im Landkreis Tirschenreuth. In der eher konjunkturschwachen Grenzregion zu Tschechien befindet sich eine Drehscheibe der deutschen Fahrradindustrie. Denn mit Ghost und Cube fertigen zwei große Fahrradfirmen ebenfalls im Landkreis Tirschenreuth. Auch hier stehen, wie in der Automobilindustrie, die Fertigungslinien still. Konkrete Corona-bedingte Krankheitsfälle gibt es laut Firmenauskunft es aber nicht. Für die Radproduktion heißt das konkret: Eine Radanzahl im fünfstelligen Bereich kann vorerst nicht montiert werden. 

Produktionsstätten von Cube

Cube ist einer der größten deutschen Hersteller von Fahrrädern. Nach eigenen Angaben werden im Firmensitz in Waldershof deutlich über eine halbe Millionen Räder in einer zweistöckigen Produktionsstraße montiert. Im Vordergrund ist die Laufradfertigung von Cube zu sehen. Durch die Corona-Krise steht die Produktionsstraße derzeit still.

Mehr Details zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Fahrradindustrie in Deutschland lesen Sie bei unseren Kollegen von BIKE.

Obwohl der Einzelhandel derzeit keine neuen Räder verkaufen kann, stornieren die Bike-Shops keine vorbestellten Fahrräder. Ganz im Gegenteil. "Die Läden nutzen das Öffnungsverbot, um die Bikes, die sie bereits auf Lager haben, aufzubauen", sagt Cube-Produktmanager Frank Greifzu. Man rüstet sich im Fahrrad-Einzelhandel also für den verspäteten Saisonbeginn, auch wenn man nicht weiß, wann dieser einsetzt. Große Online-Händler bestellen momentan sogar Ware nach, um die hohe Nachfrage im Netz zu decken. Auch der Warenversand aus der Cube-Firmenzentrale zu den Händlern finde regulär statt. Wenn sich die Situation um die Corona-Pandemie beruhigt hat, wolle man den Betrieb wieder ganz normal aufnehmen, so Greifzu.

Konstantin Rohé, Ludwig Döhl am 23.03.2020